Vorläufige Sichtweise des IASB zu Goodwill-Impairments


IRZ, Heft 10, Oktober 2019, S. 411

Als ein Ergebnis der Überprüfung nach der Einführung von IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ hatte der IASB im Juni 2015 ein Forschungsprojekt zur Wertminderung von Geschäfts- und Firmenwerten in sein Arbeitsprogramm aufgenommen. Im Rahmen dieses Projekts untersucht der Board, wie Unternehmen den Abschlussadressaten bessere Informationen in Bezug auf Unternehmenszusammenschlüsse zu angemessenen Kosten zur Verfügung stellen können. Diese Untersuchung beinhaltet insbesondere auch die Frage, wie Unternehmen den Geschäfts- oder Firmenwert nach einem Unternehmenszusammenschluss zu bilanzieren haben.

In diesem Zusammenhang erhielt der IASB im Rahmen des post-implementation review Rückmeldungen, die den Goodwill-Impairment-Test in seiner derzeitigen Form als zu kompliziert und aufwändig kritisieren und Vereinfachungen bis hin zur Wiedereinführung einer planmäßigen Goodwill-Abschreibung forderten.

Der IASB hat umfangreiche Analysen durchführen lassen und sich in mehreren Sitzungen mit dem Thema auseinandergesetzt. Im Oktober 2019 soll nun ein Diskussionspapier veröffentlicht werden, das die Ergebnisse dieser Arbeiten und die daraus resultierenden Vorschläge des IASB zusammenfassen wird. Die wesentlichen Inhalte dieses Diskussionspapiers sind nun bereits in einer Projektzusammenfassung von Boardmitglied Tom Scott veröffentlicht worden. Darin werden die folgenden vorläufigen Sichtweisen des Boards skizziert:

 

  • Der IASB sollte die Angabeziele und -vorschriften grundsätzlich verbessern, um die den Adressaten zur Verfügung gestellten Informationen über ein erworbenes Unternehmen und seine spätere Leistung zu verbessern. Dies gilt auch dann, wenn diese Informationen auf einer kombinierten Basis erfolgen müssen, da das erworbene Unternehmen in ein bestehendes Unternehmen integriert wurde.
  • Es ist nicht erkennbar, wie die Werthaltigkeitsprüfung bei der Erfassung von Wertminderungen von Geschäfts- oder Firmenwerten konzeptionell wesentlich verbessert werden könnte.
  • Die Wiedereinführung einer planmäßigen Abschreibung auf den Geschäfts- oder Firmenwert würde keine wesentlich besseren Informationen aus Sicht der Abschlussadressaten liefern.
  • Die Kosten und die Komplexität der Werthaltigkeitsprüfung sollten reduziert werden, indem bei der verpflichtenden jährlichen quantitativen Werthaltigkeitsprüfung für Geschäfts- oder Firmenwerte Erleichterungen gewährt und einige der Vorschriften zur Schätzung des Nutzungswertes vereinfacht werden.
  • Eine Erleichterung dadurch, dass weitere immaterielle Vermögenswerte in den Geschäfts- oder Firmenwert einbezogen werden, wird vom IASB abgelehnt.
  • Die Transparenz der Goodwill-Bilanzierung soll dadurch erhöht werden, dass die berichtenden Unternehmen zusätzlich das gesamte Eigenkapital vor Geschäfts- oder Firmenwerten in der Bilanz gesondert ausweisen müssen.

 

Die Projektzusammenfassung steht auf der Website des IASB (www.ifrs.org) der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.