Geplante Änderungen an IFRS 17


IRZ, Heft 7/8, Juli/August 2019, S. 290

Am 26. Juni 2019 hat der IASB den Entwurf eines Änderungsstandards ED/2019/4 mit dem Titel „Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 17“ veröffentlicht. In ihm werden Nachbesserungen an dem 2017 herausgegebenen neuen und umfassenden Rechnungslegungsstandard für Versicherungsverträge vorgeschlagen, die sich u.a. aus der Arbeit der Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Standards (Transition Ressource Group, TRG) ergeben haben.

Seit der Veröffentlichung von IFRS 17 „Versicherungsverträge“ im Mai 2017 (vgl. IRZ 2017, 245) überwacht der Board die Umsetzung und hat dabei Bedenken und Umsetzungsprobleme zur Kenntnis genommen. Der IASB hatte bereits früh angekündigt, dass geprüft werden sollte, ob Anpassungen an dem Standard bereits vor seiner erstmaligen verpflichtenden Anwendung erforderlich sind, um die bei der Implementierung identifizierten Probleme zu lösen. Dazu wurden in der turnusmäßigen Board-Sitzung im Oktober 2018 25 Themen identifiziert, die zu möglichen Änderungen des Standards führen könnten. Die weitere Analyse dieser Punkte durch die Mitarbeiter des IASB und die nachfolgenden Erörterungen im Board haben nun zu den im Standard-Änderungsentwurf vorgeschlagenen Änderungen und Ergänzungen an IFRS 17 geführt:

  • Verschiebung des Zeitpunkts des Inkrafttretens von IFRS 17 um ein Jahr auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2022 beginnen. Damit verbunden ist die Änderung des festen Auslaufdatums für die befristete Befreiung von der Anwendung von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ in IFRS 4 „Versicherungsverträge“, sodass auch IFRS 9 von IFRS-17-Anwendern verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden ist, die am oder nach dem 1. Januar 2022 beginnen.
  • Einfügung eines zusätzlichen Ausnahmewahlrechts vom Anwendungsbereich des IFRS 17 für solche Darlehensverträge, die ein erhebliches Versicherungsrisiko übertragen (sowie die damit verbundenen Übergangsvorschriften). Damit können Unternehmen, die solche Verträge ausgeben, wählen, ob sie die Verträge entweder nach IFRS 17 oder nach IFRS 9 bilanzieren.
  • Einfügung einer zusätzlichen Ausnahme vom Anwendungsbereich für Kreditkartenverträge, die einen Versicherungsschutz beinhalten.
  • Änderungen in Bezug auf die Zuweisung, den Ansatz, die Beurteilung der Einbringlichkeit und die Angaben zu Cashflows aus der Versicherungsakquise im Zusammenhang mit erwarteten Vertragsverlängerungen.
  • Änderungen bzgl. der Zuweisung der vertraglichen Dienstleistungsmarge in Bezug auf Investmentkomponenten und damit verbundenen Angabevorschriften, sodass die vertragliche Dienstleistungsmarge im allgemeinen Modell auf der Grundlage von Deckungseinheiten zugewiesen wird, die sowohl unter Berücksichtigung des Versicherungsschutzes als auch möglicher Investmentrenditeleistungen bestimmt werden.
  • Erweiterung der Option zur Risikominderung auf gehaltene Rückversicherungsverträge.
  • Ergänzung, dass ein Unternehmen, das beim erstmaligen Ansatz Verluste aus belastenden Versicherungsverträgen erfasst, ebenso Gewinne aus für diese Verträge gehaltenen Rückversicherungsverträgen erfassen muss.
  • Vereinfachter Ausweis von Versicherungsverträgen in der bilanziellen Darstellung, sodass Vermögenswerte und Schulden aus Versicherungsverträgen in der Bilanz auf der Grundlage von Portfolios von Versicherungsverträgen statt auf der Grundlage von Gruppen von Versicherungsverträgen auszuweisen sind.
  • Einfügung zusätzlicher Übergangserleichterungen bei Unternehmenszusammenschlüssen.

 

Neben diesen wesentlichen Punkten enthält der Standardentwurf noch eine Anzahl weniger materieller Änderungsvorschläge sowie redaktionelle Änderungen am bisherigen Standardtext. Korrespondierend dazu sollen die nicht autoritativen Grundlagen der Schlussfolgerungen des Board (basis for conclusions) sowie die Beispiele (illustrative examples) zu IFRS 17 entsprechend den Änderungen am Standardtext angepasst werden.

Der vorgeschlagene Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderungen soll mit dem vorgeschlagenen neuen Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 17 (1. Januar 2022) übereinstimmen, wobei eine vorzeitige Anwendung zulässig wäre. Die Änderungen sollen rückwirkend angewendet werden, sodass bei der erstmaligen Anwendung des Standards selbst die Änderungen vollumfänglich mitberücksichtigt würden.

Der IASB bittet um Stellungnahmen bis zum 25. September 2019.