IASB veröffentlicht Vorschläge zur Überarbeitung des Practice Statement zur Lageberichterstattung


IRZ, Heft 7/8, Juli/August 2021, S. 321

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 27. Mai 2021 ein Entwurfsdokument mit dem Titel „Lageberichterstattung“ (ED/2021/6) veröffentlicht. Es enthält Vorschläge zur Weiterentwicklung des IFRS Practice Statement 1 zur Lageberichterstattung aus dem Jahr 2010.

Seit der grundsätzlichen Entscheidung des IASB im März 2017, das Leitliniendokument zu überarbeiten, hat die Berichterstattung über Nachhaltigkeit und ESG-Aspekte stark an Bedeutung gewonnen und die Informationsbedürfnisse von Investoren und Kreditgebern haben sich weiterentwickelt. Unabhängig von der Arbeit des IASB zur Lageberichterstattung haben die Treuhänder der IFRS-Stiftung eine Initiative zur Nachhaltigkeitsberichterstattung gestartet und planen derzeit die Einsetzung eines Boards zur Setzung von IFRS-Nachhaltigkeitsstandards. Das Projekt des IASB zur Überarbeitung des Practice Statement 1 und die Initiative der IFRS-Stiftung sind insofern miteinander verbunden, als dass Unternehmen die vom neuen Board für Nachhaltigkeitsstandards herausgegebenen Standards anwenden könnten, um einige der Informationen zu identifizieren, die erforderlich sind, um das überarbeitete Leitliniendokument zu befolgen.

Die umfangreichen Vorschläge im nun veröffentlichten Entwurf ED/2021/6 sind in drei Hauptbereiche gegliedert, von denen jeder wiederum verschiedene Unterabschnitte hat:

 

Teil A — Allgemeine Vorschriften

Dieser Teil beschreibt die Zielsetzung der Lageberichterstattung und umfasst Vorschriften zur Abgrenzung der Lageberichterstattung und zur Identifizierung des zugehörigen Abschlusses, zur Autorisierung des Lageberichts und zur Aufnahme einer Einhaltungs- bzw. Konformitätserklärung.

 

Teil B — Inhaltsbereiche

In diesem Abschnitt werden sechs Inhaltsbereiche für die Lageberichterstattung definiert. Es wird vorgeschlagen, dass die Lageberichterstattung Informationen vermitteln muss, welche die Angabeziele für jeden dieser Inhaltsbereiche erfüllen. Er enthält auch die Wesentlichkeitsvorschrift, dass sich die Lageberichterstattung der Unternehmensleitung auf die wichtigsten Sachverhalte konzentrieren soll.

In dem Entwurfsdokument werden insgesamt sechs Inhaltsbereiche vorgeschlagen:

  1. das Geschäftsmodell des Unternehmens,
  2. die Strategie der Unternehmensleitung zur Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells,
  3. die Ressourcen und Beziehungen des Unternehmens,
  4. die Risiken, denen das Unternehmen ausgesetzt ist,
  5. das externe Umfeld des Unternehmens und
  6. die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens.

 

Die vorgeschlagenen Angabeziele für die Inhaltsbereiche sind:

  • ein übergeordnetes Ziel, das den allgemeinen Informationsbedarf von Anlegern und Kreditgebern für den jeweiligen Inhaltsbereich beschreibt,
  • Beurteilungsziele, die die Beurteilungen beschreiben, die sich auf die für den Inhaltsbereich bereitgestellten Informationen stützen, und
  • spezifische Ziele, die den detaillierten Informationsbedarf von Anlegern und Kreditgebern für den jeweiligen Inhaltsbereich beschreiben.

 

Als zentrale Themen, auf die sich die Lageberichterstattung der Unternehmensleitung konzentrieren sollte, werden in dem Entwurfsdokument folgende Aspekte vorgeschlagen:

  • wesentliche Merkmale des Geschäftsmodells des Unternehmens,
  • Schlüsselaspekte der Strategie der Unternehmensleitung,
  • wichtige Ressourcen und Beziehungen, Schlüsselrisiken, Schlüsselfaktoren und Trends im externen Umfeld und
  • wesentliche Aspekte des Geschäftsergebnisses und der Finanzlage des Unternehmens.

 

Außerdem soll ein Unternehmen über Sachverhalte berichten, die die langfristigen Aussichten des Unternehmens beeinflussen könnten, über immaterielle Ressourcen und Beziehungen sowie über ökologische und soziale Aspekte.

 

Teil C — Auswahl und Darstellung der Informationen

Hier werden Leitlinien zur Auswahl der Informationen, die in den Lagebericht aufzunehmen sind, und zur Darstellung dieser Informationen bereitgestellt. Sie entsprechen in ihrer Substanz den Regelungen der IFRS für den Jahres- bzw. Konzernabschluss und betreffen Wesentlichkeitsüberlegungen, Ermessensentscheidungen, Schätzungen sowie allgemeine Darstellungsprinzipien.

Die geplante Überarbeitung des Leitliniendokuments zur Lageberichterstattung ändert nichts am Status dieser Verlautbarung. Sie soll unverändert kein Bestandteil der IFRS werden, ihre Anwendung ist damit nicht verpflichtend. Ein Abschluss kann auch dann mit den IFRS im Einklang stehen, wenn ihm kein Lagebericht beigefügt ist oder wenn ihm ein Lagebericht beigefügt ist, der nicht mit dem (überarbeiteten) Leitliniendokument im Einklang steht. Dies gilt insbesondere auch für Deutschland, wo sich die Berichtspflichten im Lagebericht und Konzernlagebericht an den Vorgaben des HGB auszurichten haben.

Stellungnahmen zum Entwurf können bis zum 23. November 2021 an den IASB übermittelt werden. Die Veröffentlichung des überarbeiteten Leitliniendokuments ist dann im Verlauf des Jahres 2022 vorgesehen (www.ifrs.org).