IASB veröffentlicht Standardentwurf zu Phase 2 der IBOR-Reform


IRZ, Heft 5, Mai 2020, S. 219

Der IASB hat am 9. April 2020 den Standardentwurf ED/2020/1 Interest Rate Benchmark Reform – Phase 2 (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16)“ veröffentlicht. Die vorgeschlagenen Änderungen ergänzen die ab dem 1. Januar 2020 verpflichtend anzuwendenden Regelungen aus Phase 1 des IASB-Projekts, die sich im Wesentlichen mit der Zeit vor der Änderung/Ersetzung der Referenzzinssätze befassen (siehe Spanheimer/Weides/Hacker, IRZ 2020, 5).

In Phase 2 des Projekts geht es um Sachverhalte im Zusammenhang mit und infolge der Ersetzung, daher sollen die nunmehr veröffentlichten vorgeschlagenen Änderungen Sachverhalte adressieren, die sich auf die Finanzberichterstattung auswirken könnten, wenn ein bestehender Referenzzinssatz tatsächlich ersetzt wird. Im Einzelnen werden folgende Regelungen vorgeschlagen:

  • Der IASB schlägt als praktische Erleichterung für Modifizierungen, die als direkte Folge der IBOR-Reform erforderlich sind und auf einer wirtschaftlich gleichwertigen Grundlage vorgenommen werden, die Darstellung als Aktualisierung des Effektivzinssatzes vor. Alle anderen Modifizierungen werden unter Anwendung der bestehenden IFRS-Vorschriften für Konditionenänderungen in IFRS 9 bilanziert. Eine ähnliche praktische Erleichterung wird für die Bilanzierung durch Leasingnehmer unter Anwendung von IFRS 16 vorgeschlagen. Bei qualifizierenden Modifizierungen ergäbe sich dementsprechend kein spezifischer Gewinn oder Verlust im Zusammenhang mit der Ersetzung des IBOR-Zinssatzes.
  • Nach den Vorschlägen des IASB müsste die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen nicht allein aufgrund der IBOR-Reform eingestellt werden. Allerdings müssen die Sicherungsbeziehungen sowie deren Dokumentation im Rahmen des Hedge Accounting angepasst werden, um Modifizierungen des Grundgeschäfts, des Sicherungsinstruments und des abgesicherten Risikos widerzuspiegeln. Alle sich aus den Änderungen ergebenden Bewertungsanpassungen sollen als Teil der Ineffektivität (also erfolgswirksam) erfasst werden. Die geänderten Sicherungsbeziehungen müssen weiterhin alle Kriterien für die Anwendung der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen erfüllen, einschließlich der Effektivitätsvorschriften des IFRS 9 bzw. IAS 39.
  • Der IASB schlägt zusätzliche Angaben im Anhang vor, um den Adressaten ein Verständnis der Art und des Ausmaßes der Risiken zu ermöglichen, denen das Unternehmen aufgrund der IBOR-Reform ausgesetzt ist. Außerdem soll erläutert werden, wie das Unternehmen mit diesen Risiken umgeht, welchen Fortschritt das Unternehmen beim Übergang von den IBOR-Sätzen zu alternativen Referenzzinssätzen bereits erzielt hat und wie das Unternehmen diesen Übergang umgesetzt hat.
  • Der IASB hält außerdem eine Folgeänderung an IFRS 4 für notwendig, um solche Versicherer, welche die vorübergehende Ausnahme von IFRS 9 anwenden, zur Anwendung der Änderungen bei der Bilanzierung von Modifizierungen zu verpflichten, die direkt im Zusammenhang mit der IBOR-Reform erforderlich sind.

 

Die Anwendung aller vorgeschlagenen Erleichterungen und Änderungen soll verpflichtend sein. Der IASB ist ferner zu dem Schluss gekommen, dass die vorgeschlagenen Änderungen ihrem Wesen nach nur auf Änderungen von Finanzinstrumenten und Änderungen von Sicherungsbeziehungen angewendet werden können, die die entsprechenden Kriterien erfüllen, und dass daher keine spezifischen Vorschriften über das Ende der Anwendung festgelegt werden müssen.

Die Frist für Stellungnahmen zu dem Standardentwurf endet am 25. Mai 2020.