IASB veröffentlicht Diskussionspapier DP/2020/1 „Unternehmenszusammenschlüsse – Angaben, Geschäfts- oder Firmenwert und Wertminderung“


IRZ, Heft 4, April 2020, S. 176

Der IASB hat am 19. März 2020 ein umfassendes Diskussionspapier DP/2020/1 „Unternehmenszusammenschlüsse – Angaben, Geschäfts- oder Firmenwert und Wertminderung“ veröffentlicht. Die Veröffentlichung ist das Ergebnis der Auswertung der Rückmeldungen aus dem IASB-Projekt zur Überprüfung von IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ und soll die Informationen für Abschlussadressaten zu Unternehmenszusammenschlüssen und der Folgebilanzierung daraus resultierender Goodwills verbessern. Deshalb werden nicht nur Änderungen und Ergänzungen an IFRS 3 zur Diskussion gestellt, sondern auch solche an IAS 36.

Das Diskussionspapier gibt den derzeitigen Stand der Sichtweise des IASB in folgenden fünf Bereichen der Problematik wieder:

  1. Verbesserung der Angaben zu Akquisitionen:
    Der Board schlägt eine Ausweitung der Angabeverpflichtungen zu den strategischen Gründen einer Übernahme vor. Außerdem sollen konkrete Ziele der Übernahme und die Methoden zur Überwachung der Zielerreichung angegeben werden. In den Folgeperioden soll die tatsächliche Leistung im Vergleich zu den Zielen als Soll-Ist-Vergleich angegeben werden. Dabei soll ein Management-Approach zur Anwendung gelangen, um die Kosten für die berichtenden Unternehmen zu begrenzen.
  2. Verbesserung der Bilanzierung von Goodwills und der Effektivität der Werthaltigkeitsprüfung:
    Als Ergebnis ausführlicher Diskussionen vertritt der IASB die Ansicht, dass eine wesentliche Verbesserung der Werthaltigkeitsprüfung des Goodwills zu vertretbaren Kosten nicht möglich ist. Bei sachgerechter Durchführung der Prüfung könne der Impairment-Test jedoch auch in seiner derzeitigen Form sicherstellen, dass der Buchwert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit als Ganzes nicht höher ist als ihr erzielbarer Wert.
  3. Verbesserung der Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten:
    Das Diskussionspapier befasst sich auch mit der Frage der Wiedereinführung einer planmäßigen Abschreibung auf Goodwills. Der IASB vertritt die Ansicht, dass die derzeitige Wertminderungsprüfung für Geschäfts- und Firmenwerte entscheidungsnützlichere Informationen als eine in Teilen willkürliche planmäßige Abschreibung liefert und dass sie für die Beurteilung der Rechenschaftspflicht der Unternehmensleitung bei Akquisitionsentscheidungen effektiver ist. Der Board ist der Ansicht, dass es nicht angemessen wäre, die planmäßige Abschreibung nur deshalb wieder einzuführen, weil Bedenken bestehen, dass die Werthaltigkeitsprüfung nicht sachgerecht durchgeführt wird, oder einfach, um den Buchwert der Geschäfts- oder Firmenwerte generell zu reduzieren.
  4. Vereinfachung der Bilanzierung von Geschäfts- oder Firmenwerten:
    Der Board regt an, den bisherigen verpflichtenden Impairment-Test für Goodwills nur noch anlassbezogen vornehmen zu lassen. Nach Auffassung des IASB wäre die Verringerung der Aussagekraft dadurch nur marginal, da es unwahrscheinlich ist, dass ohne einen Hinweis auf eine Wertminderung wesentliche Wertminderungen auftreten. Als weitere Vereinfachungen stellt der Board die Einbeziehung ungebundener Cashflows aus Restrukturierungen und Vermögenswertsteigerungen sowie die Möglichkeit der Verwendung von Nachsteuerwerten und Nachsteuerabzinsungssätzen bei der Berechnung zur Diskussion.
  5. Sonstige Themen/Änderung von IAS 38:
    Der IASB ist auch weiterhin der Meinung, dass identifizierbare immaterielle Vermögenswerte getrennt vom Geschäfts- oder Firmenwert anzusetzen sind. Eine Vereinfachung durch Einbeziehung solcher immaterieller Vermögenswerte in den Goodwill hält er für nicht sachgerecht. Deshalb sieht der Board derzeit auch keine Notwendigkeit, IAS 38 in dieser Hinsicht zu ändern oder zu ergänzen.

 

Der IASB erbittet Stellungnahmen zum Diskussionspapier bis zum 15. September 2020.