Green-Controlling-Preis 2022


 

Der ICV-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Heimo Losbichler und Prof. Dr. Reinhold Mayer (Péter Horváth-Stiftung) haben in Stuttgart am 20.9.2022 den Gewinner des Green-Controlling-Preises 2022 gekürt. Demnach beginnt der Weg zur CO2-Neutralität im Bereich Finance. Die Jury entschied sich für das Gewinnerprojekt „Combining Planet & Profit“, mit dem das Unternehmen Heraeus Precious Metals einen beispielhaften Transformationspfad aufzeige. Er beginnt im Controlling, erstreckt sich über den gesamten Geschäftsbereich und später, so das Ziel, auf die ganze Branche.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Der mit 10.000 € dotierte Green-Controlling-Preis wird jährlich von der Péter Horváth-Stiftung in Kooperation mit dem Internationalen Controller Verein (ICV) verliehen. Das Ziel des diesjährigen Preisträgers ist anspruchsvoll: „Wir als Heraeus Precious Metals haben einen konkreten Plan, wie wir unseren Beitrag leisten werden, unseren Planeten zu schützen. Unsere Produkte tragen aktiv dazu bei, Emissionen einzusparen. Gleichzeitig wollen wir aber auch mit der Art und Weise, wie wir unsere Produkte herstellen, einen Beitrag für unseren Planeten leisten. Dabei gehen unsere Ziele und Ambitionen weit über die Vorgaben des Gesetzgebers hinaus“, bekräftigen Maria Busch und Christin Sauer.

Unter ihrer Federführung wird das umfassende Projekt vorangetrieben. Maria Busch ist Head of Global Controlling, Reporting & Projects; Christin Sauer ist Global Business Controller der Heraeus Precious Metals am Sitz der Heraeus Holding im hessischen Hanau. Die Metallindustrie und ihr Umgang mit kostbaren Ressourcen sollen transformiert werden, so ihr titulierter Anspruch.

 

 

Lösung

Der Weg dorthin beginnt im eigenen Unternehmen mit konsequenter Messung und Nachverfolgung der ehrgeizigen Ziele durch das Controlling.

Ab 2033 sind fossile Energien tabu. Damit sind Startlinie und Zieleinlauf definiert. Anders als in vielen anderen Unternehmen, die sich ebenfalls auf den Weg zum CO2-freien Fußabdruck gemacht haben, liegt der Ausgangspunkt der Transformation im Bereich Finance. Hier wird das zukunftweisende Projekt aufgesetzt und der Grundstein für alle weiteren Ableitungen von Maßnahmen gelegt. Auf Basis des jeweils aktuellen CO2-Fußabdrucks werden Management- und Cost-Center-Reports erstellt, CO2-Ziele in Management-Scorecards („Anzeigetafeln“) festgeschrieben und der CO2-Fußabdruck für anstehende Investitionsentscheidungen und Budgetprozesse mit in Betracht gezogen.

In der zweiten Stufe der Entwicklung wird dieser Prozess mit Zielsetzungsvereinbarungen, Review-Meetings und Produktionsbegehungen in die ganze Organisation ausgerollt, bis schließlich in Stufe 3 die „grüne Unternehmenstransformation“ erreicht ist. Mit der Transformation geht die Revision der bisherigen Unternehmensstrategie einher – das bestehende Geschäftsmodell wird auf den Prüfstand gestellt. Auch die Zulieferer werden in die Entwicklung einbezogen. Heraeus Precious Metals hat kein geringeres Ziel, als neue Standards für seinen Industriebereich zu setzen.

Drei zentrale Punkte waren nach Angaben von Prof. Dr. Heimo Losbichler ausschlaggebend für die Entscheidung, Heraeus Precious Metals zum Gewinner des Green-Controlling-Preises 2022 zu küren. Zum einen sei bemerkenswert, dass das Projekt keine Reaktion auf die Erfordernisse des Kapitalmarkts, sondern „aus eigener Überzeugung“ entstanden sei. Darüber hinaus biete das Controlling-Team eine ganzheitliche Lösung an – von der Strategie bis zum operativen Reporting, vom Leistungserstellungsprozess bis zu den Produkten. Die gesamte Wertschöpfungskette wurde konzipiert und für eine flächendeckende Anwendung im gesamten Konzern gesorgt. Dabei sei beeindruckend, dass das Augenmerk nicht nur auf CO2 gelegt wurde. „Außerdem zeigt das Projekt den Idealfall des modernen Controllings: Die Lösung schafft Transparenz, ausgehend von einem eindeutigen Ist-Zustand und klaren Zielen. Die Rolle des Controllings ist hierbei ein aktives Business-Partnering“, so der ICV-Vorstandsvorsitzende Losbichler.

 

 

Praxishinweise:

  • Zwar ist für den Gewinner des Green-Controlling-Preises 2022 die ökonomische Wirkung dieser Maßnahmen mehr als wünschenswert. Neben dem „Investor Push“ für Anleger, die auf nachhaltigkeitsbasierte KPIs (Key Performance Indicators – wesentliche Leistungskennzahlen) achten, und dem „Customer Pull“ für Kunden, die auf eine durchgängige Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette Wert legen, steigert Heraeus Precious Metals mit dem ausgezeichneten Projekt aber auch seine Attraktivität als Arbeitgeber und erfüllt ganz nebenbei die gesetzlichen Vorgaben, etwa für den europäischen Green Deal und die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive; EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung).
  • Die Heraeus-Gruppe ist ein weltweit führender Technologiekonzern in Familienbesitz. Die Wurzeln des Unternehmens gehen auf eine im Jahr 1660 gegründete Familienapotheke zurück. Heute gehören zum Konzern Unternehmen aus den Bereichen Umwelt, Elektronik, Gesundheit und industrielle Anwendungen. Die nun preisgekrönte Business Unit Heraeus Precious Metals ist weltweit führend bei Edelmetalldienstleistungen und -produkten sowie im Handel von industriell genutzten Edelmetallen. In diesem Geschäftsbereich sind alle Aktivitäten im Edelmetallkreislauf vom Handel über die Edelmetallproduktion bis hin zum Recycling gebündelt.
  • Ganz bewusst wird dabei auch die Rolle als „Leader“ in der eigenen Industriebranche übernommen. Auf dem eigenen Weg zur CO2-Neutralität bis 2033 werden hohe Standards, auch bei der Recyclingquote, definiert, um andere Unternehmen zu beeinflussen und zu motivieren.
  • Erstmals seit der ersten Preisvergabe des Green-Controlling-Preises im Jahr 2011 fehlte sein Initiator und traditioneller Laudator. Péter Horváth ist im Juni 2022 dieses Jahres im Alter von 85 Jahren für alle völlig überraschend verstorben. Auch beim Stuttgarter Controlling & Management Forum, in dessen Rahmen der Preis alljährlich verliehen wird, wurde des „Controlling-Papsts“ noch einmal gedacht.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 11/2022