BVBC-AK: Software-Unterstützung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung


 

Neben den neuen EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS – European Sustainability Reporting Standards) war eine Softwarelösung für das Nachhaltigkeitsreporting und -management von KMU ein zentrales Thema der zweiten Sitzung des BVBC-Arbeitskreises Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) in Duisburg. KMU fehlt es demnach häufig an Experten; meist wird der Nachhaltigkeitsauftrag von einer Person „nebenbei“ erledigt. Hohe Kosten schrecken ab, spezifische Tools fehlen. Vor diesem Hintergrund kann eine geeignete Softwarelösung helfen, um am Ende benchmarkfähige Daten mit vertretbarem Aufwand zur Verfügung zu stellen.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Nach dem Auftakt am 4.7.2022 in Hamburg fand am 6.9.2022 die zweite Sitzung des BVBC-Arbeitskreises Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) in Duisburg statt (Gastgeber PKF Fasselt Schlage, WP Thomas Scholz). Teilgenommen haben insgesamt 18 Personen. Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaftsprüfung und Beratung, Unternehmensverbänden sowie Unternehmensvertretern verschiedener Branchen zusammen. In der zweiten Sitzung wurde ein Impulsvortrag von Markus Adler (Spenoki Solutions GmbH, erst 2020 gegründet) gehalten. KMU fehlt es demnach oft an Experten; meist wird der Nachhaltigkeitsauftrag von einer Person „nebenbei“ erledigt. Weil hohe Kosten abschrecken und spezifische Tools bislang fehlten, war es an der Zeit, diese Lücke mit einer auf Mittelstandsbedürfnisse zugeschnittenen Softwarelösung zu schließen.

 

 

Lösung

Vor diesem Hintergrund wurde die Spenoki ESG data and management solution geschaffen. Am Ende stehen benchmarkfähige Daten zur Verfügung. Flexible Auswertungen sind möglich. Die Software bietet durch Schnittstellen zu verschiedenen Datenquellen eine Lösung zur Digitalisierung manueller Prozesse, für die wenig Kapazitäten und Expertise im Unternehmen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Software ermöglicht es u.a., die Berechnung des Corporate Carbon Footprint (unternehmerischer CO2-Fußabdruck) vorzunehmen, ein Benchmarking (einen Leistungsvergleich) durchzuführen sowie einen „spenoki sustainability snapshot“ auszuweisen, der den Zustand der ökologischen Nachhaltigkeit eines Unternehmens beschreibt.

Durch die automatische Analyse der Unternehmensdaten mittels Natural Language Processing (linguistische Datenverarbeitung) können bis zu 90% der internen Indikatoren (Kennzeichen, Merkmale) automatisch aus den Buchhaltungsunterlagen entnommen werden. Dabei lassen sich Unterkategorien erstellen (z.B. für Standorte, Tochterunternehmen, Kundenprojekte etc.) und Datensätze abgrenzen, sodass auch eine Differenzierung nach Standards oder Zeiträumen durchgeführt werden kann.

Die Indikatoren werden in drei Bereiche aufgeteilt:

  • Umwelt,
  • Soziales und
  • Governance (rechtlicher und faktischer Ordnungsrahmen für die Unternehmensleitung und deren Überwachung).

Dies sind die klassischen ESG-Kategorien. Für die Erstellung von Umwelt-Indikatoren werden vor allem Belege und Tabellen verwendet, die sich automatisch auswerten lassen. Für die Bereiche Soziales und Governance werden Fragebögen verwendet, die vom Unternehmen auszufüllen sind. Hier gibt es auch die Möglichkeit, Fragen einzelnen Mitarbeitern für die Eintragung oder Prüfung der benötigten Informationen zuzuweisen. Außerdem weist die Software auf Emissionstreiber (Hotspots) hin. Im Rahmen von Vorschlägen für Verbesserungspotenziale wird auf Partner verwiesen, die nachhaltige Produkte anbieten.

Durch eine Modellierung der Lieferketten auf der Grundlage von Lieferantenrechnungen werden die sonstigen Emissionen entlang der Lieferketten identifiziert. Es wird empfohlen, den Ausweis von CO2-Äquivalenten (Angaben zur Menge an Treibhausgasen, vgl. ausführlich Hartau/Lüdecke/Müller, BC 2021, 514 ff., Heft 11) für Dienstleistungen bzw. Produkte in Rechnungen aufzunehmen, um die Transparenz zu steigern und die Ermittlung der Emissionen zu vereinfachen und vereinheitlichen.

Unternehmen können mithilfe der Software sowohl Factsheets mit den wichtigsten Indikatoren, die keinen Anspruch an Standardkonformität haben, aber auch Nachhaltigkeitsberichte, die standardkonform sind, erzeugen.

Seitens des Software-Entwicklers wurde erkannt, dass es in der Regel drei Gruppen von Kunden gibt:

  1. die Pioniere,
  2. Unternehmen, die den Druck in der Lieferkette verspüren, und
  3. Unternehmen, die kein Interesse haben.

Letzteren, welche oft behaupten würden, „dies betrifft uns noch gar nicht“, entgegnete der Referent Adler (Mitarbeiter des Software-Entwicklers) – auf ausdrückliche Nachfrage aus dem Teilnehmerfeld des AK – mit folgenden Argumenten:

  • Infolge der EU-Taxonomie und -Offenlegungsverordnung werden Banken auch bei ihrer Kreditvergabe an KMU die Herausgabe von ESG-Daten fordern.
  • Der Druck innerhalb der Lieferkette steigt drastisch.
  • Sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen, ermöglicht einen Probelauf und die Erhebung von Vergleichswerten, bevor die Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Pflicht wird.
  • Eine gute Nachhaltigkeitsleistung trägt zur Talent- und Kundengewinnung bei.

 

 

Praxishinweise:

  • In Arbeitsgruppen wurde anschließend aus der Mittelstandsperspektive über E-ESRS G1 (Governance, Risikomanagement und interne Kontrolle) sowie über E-ESRS G2 (Geschäftsgebaren) diskutiert.
  • Die dritte AK-Sitzung ist für den 7.12.2022 in Aachen (bei Frau Dr. Thoma) terminiert. Neue Mitglieder sind willkommen. Da es sich um einen offenen Arbeitskreis handelt, können auch Nicht-BVBC-Mitglieder teilnehmen. In Zukunft werden auch die berufspolitischen Ziele der Bilanzbuchhalter/innen in die Diskussionen, z.B. bezüglich der Vorgaben für die Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten, mit einbezogen werden.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 11/2022