Nachhaltigkeitsberichterstattung: Vorbereitung auf ESG-Reportingpflichten im Mittelstand


 

Die auf EU-Ebene weiterhin gepushte Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung verlangt auch von vielen mittelständischen Unternehmen schon jetzt große Aufmerksamkeit. In einem neu vorgelegten Whitepaper ist von massivem Handlungsdruck aufgrund der Ausweitung der nicht-finanziellen Berichtspflichten auf den Mittelstand die Rede. Da bei Untätigkeit empfindliche Strafen drohen, wird empfohlen, die Erfüllung der neuen Anforderungen jetzt anzugehen, zumal Stakeholder (z.B. Investoren, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter) auf umweltfreundliche und soziale Maßnahmen drängen.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Mit der Veröffentlichung europaweit gültiger Reporting-Standards wird die EU künftig einen einheitlichen Rahmen für die nicht-finanzielle Berichterstattung von Unternehmen schaffen. Davon betroffen sind nach der Übertragung in nationales Recht auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Der Aufwand ist erheblich, da der Druck von Stakeholdern auf eine transparente ESG-Strategie (Environmental/Umwelt, Social/Soziales, Governance/verantwortungsvolle Unternehmensführung und -überwachung) ansteigt. Und es drohen Sanktionen: Laut den am 9.8.2022 veröffentlichten Angaben von Lünendonk & Hossenfelder wird ein Ignorieren der Berichtspflichten empfindliche Strafen nach sich ziehen.

 

 

Lösung

Über die neuen Berichtspflichten gemäß der vorgesehenen Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) wurde an dieser Stelle bereits berichtet – siehe hier. Hilfestellung für Reportingexperten, die den Handlungsdruck jetzt in Form von Projekten aufgreifen wollen, bietet ein neues Lünendonk-Whitepaper, das seit dem 9.8.2022 unter dem Titel „ESG-Reporting – Herausforderungen für den Mittelstand“ verfügbar ist. Es beschreibt zunächst den Zweck und Nutzen der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung). Mit der Finalisierung eines entsprechenden Entwurfs wird schon im Oktober 2022 gerechnet. Nach aktuellem Stand werden u.a. gefordert:

  • die genaue Definition einer nachhaltigen Geschäftsstrategie und verbindlicher Nachhaltigkeitsziele,
  • eine Untersuchung der eigenen Lieferkette im Hinblick auf die Einhaltung dieser Ziele,
  • Rechenschaftslegung über die Ressourcennutzung und
  • die Darlegung von Geschäftsethik, Unternehmenskultur sowie der Diversitätspolitik.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass in KMU vielfältiger Handlungsbedarf besteht. Andererseits muss dabei die Frage der Reportingeffizienz in den Blick genommen werden: Bestrebungen, das Reporting innerhalb der Ermessensspielräume kurz und knapp zu halten, um letztlich eine angemessene Berichtserstellungseffizienz erreichen zu können, sind verständlich. Praxisstimmen, wonach es statt aufgeblähter Berichte darauf ankomme, im Unternehmen und insbesondere auch im Rechnungswesen sowie Controlling nicht die erfolgreiche Geschäftsentwicklung aus den Augen zu verlieren, um letztlich die Existenz eines Unternehmens zu sichern, sollten gehört werden. Allerdings wird es, so die hier vertretene Position, ohne die Ausrichtung auf die Nachhaltigkeitsthematik in den meisten Fällen eben gerade nicht funktionieren, auf Dauer am Markt erfolgreich zu sein. Wer es nicht glaubt, könnte schon beim nächsten Kreditgespräch eines Besseren belehrt werden, da die Kreditvergabe über kurz oder lang an die Erfüllung von ESG-Kriterien gekoppelt sein wird (und teilweise schon ist).

 

 

Praxishinweise:

  • Das neue Whitepaper des Marktforschungshauses Lünendonk & Hossenfelder legt daher zu Recht nahe, dass erste Schritte bereits jetzt gegangen werden müssen, um rechtzeitig auskunftsfähig zu sein. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Bansbach, die den Praxisbezug hergestellt hat, ist ein Kompendium entstanden, das die komplexe Situation einfach darstellt. Das aktuelle Whitepaper „ESG-Reporting – Herausforderungen für den Mittelstand“ ist kostenfrei unter https://www.luenendonk.de/produkte/studien-publikationen/luenendonk-whitepaper-2022-esg-reporting-herausforderungen-fuer-den-mittelstand-wp/ sowie unter www.bansbach-gmbh.de erhältlich. Dort finden Sie u.a. konkrete Informationen, welche Informationen und Kennzahlen zusammengetragen werden müssen, z.B.:
    – Welche Rohstoffe und Vorprodukte einschließlich Ressourcen und Energie werden eingesetzt, und wie wird ihr Verbrauch gemessen?
    – Welche Parameter und Ressourcenverbräuche beschreiben die angewendeten Fertigungsverfahren?
    – Was fällt an Neben- und Abfallprodukten an?
    – Wie steht es um die direkten Zulieferer und Lieferketten?
    Des Weiteren wird ein Anwendungsbeispiel für einen Baustoffhändler vorgestellt. Illustriert wird im Lünendonk-Whitepaper auch auszugsweise der Nachhaltigkeitsbericht des mittelständischen Brauhauses Neumarkter Lammsbräu aus dem Jahr 2020 (S. 13 und 14 der Studie).
  • Die Studienverfasser weisen darauf hin, dass ein Ignorieren der Berichtspflichten künftig empfindliche Strafen nach sich ziehen wird. Demgegenüber könne ein sorgfältiges ESG-Reporting eine Positionierung als nachhaltiges Unternehmen stark unterstützen. Auch den steigenden Anforderungen einer nachhaltigen Finanzierung (Sustainable Finance) der Investoren und Shareholder werde Genüge getan. Ferner sollten diejenigen, die derzeit eher auf eine Linie des Abwartens setzen, nicht übersehen, dass ernsthafte Bemühungen um eine Nachhaltigkeitsstrategie künftig auch die Beziehungen zu den eigenen Kunden stärken, die ihre Lieferketten auf Konformität mit ESG-Zielen hin prüfen.
  • Insgesamt gesehen, ist jenseits von Greenwashing („sich ein grünes Mäntelchen umhängen“) festzuhalten, dass die nichtfinanzielle Berichterstattung zur Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber und Geschäftspartner beiträgt.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 9/2022