Neuer Nachhaltigkeitskompass


 

 

Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) hat am 6.7.2022 auf ihrer Internetseite den „Nachhaltigkeitskompass (WPK)“ veröffentlicht. Dieser soll in erster Linie den Praxen der Wirtschaftsprüfer/vereidigten Buchprüfer (WP/vBP), die sich bislang noch nicht umfassend mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung und -prüfung auseinandergesetzt haben, den Einstieg erleichtern. Auch andere Berufsgruppen könnten über die im Kompass enthaltenen Informationsangebote einen Zugang zum Thema finden, zumal berufsrechtliche Aspekte ausgespart werden.

 

Praxis-Info!

  

Hintergrund

Anlass zu dieser Initiative gab die Europäische Kommission, die mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD – EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung) die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die gleiche Stufe wie die Finanzberichterstattung stellen will. Hierfür sollen u.a. die Berichtspflichten ausgeweitet und die Inhalte einer Prüfung unterzogen werden. Die WPK sieht hierbei naturgemäß den eigenen Berufsstand besonders gefordert, und zwar als Berater und als Prüfer. Die Informationen bieten einen Überblick über die regulatorischen Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die Hilfen zur Erstellung und Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten. Der Schwerpunkt liegt auf den Regelungen der CSRD und der EU-Taxonomie-Verordnung für Unternehmen im Nicht-Finanzdienstleistungsbereich.

Die WPK begrüßt grundsätzlich, dass die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung von der EU-Kommission als eine Aufgabe des WP-Berufsstands (Anm.: Aber nicht nur! – Siehe unten) angesehen wird. Die vorgesehene Erweiterung der Abschlussprüferrichtlinie insbesondere in den Bereichen Aus- und Fortbildung, Wirtschaftsprüferexamen, berufsrechtliche Anforderungen, Arbeitsorganisation und Qualitätskontrolle zur Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung mache deutlich, welchen hohen Stellenwert die Kommission dieser Prüfung beimisst.

Der CSRD-Entwurf sieht gemäß weiteren Angaben der WPK eine Ausweitung der Berichtspflichten allein in Deutschland von derzeit rund 500 Unternehmen (börsennotierte Kapitalgesellschaften sowie Banken und Versicherungen mit mehr als 500 Arbeitnehmern) auf ca. 15.000 Unternehmen vor. Betroffen sind dann alle großen Kapitalgesellschaften, Banken und Versicherungen, sowie börsennotierte KMU. Europaweit unterliegen künftig rund 45.000 statt bisher 11.000 Unternehmen den neuen Berichtspflichten. Für die überwiegende Zahl dieser Unternehmen besteht ein großer Beratungs- und Unterstützungsbedarf.

Da der CSRD-Entwurf zudem eine verpflichtende inhaltliche Prüfung der Nachhaltigkeitsberichte durch einen Wirtschaftsprüfer/vereidigten Buchprüfer (WP/vBP) oder einen unabhängigen Prüfungsdienstleister vorsieht, entwickelt sich hier – so die WPK – „ein interessantes Betätigungsfeld für unseren Berufsstand“. Es wurde bereits an dieser Stelle betont, dass damit aber auch andere Experten betraut werden können.

 

 

Lösung

In einem ersten Schritt soll mit den bereits freigeschalteten Informationen (siehe unter https://www.wpk.de/nachhaltigkeit/kompass/bedeutung-der-nachhaltigkeit-fuer-den-berufsstand/) ein Überblick über die regulatorischen Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung gegeben werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Hilfen zur Erstellung und zur Prüfung folgen.

Der Nachhaltigkeitskompass (WPK) hat eine rein unterstützende Funktion mit dem Schwerpunkt auf den Regelungen der CSRD und der EU-Taxonomie-Verordnung für Unternehmen im Nicht-Finanzdienstleistungsbereich. Er kann eine intensive Befassung des WP/vBP mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ nicht ersetzen, sondern ist als eine Unterstützung beim Einstieg in das Thema zu verstehen. Da die im Kompass enthaltenen Ausführungen, insbesondere die Hilfen zur Erstellung und zur Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung, nicht unter berufsrechtlichen Gesichtspunkten analysiert werden, kann sich ein Einblick auch für Nicht-WP lohnen. Derzeit allerdings liegen einige Regelungen, insbesondere die CSRD, erst im Entwurfsstadium vor. Bis zur Verabschiedung der finalen Version können die Hilfen nur eine erste Orientierung bieten.

Der Nachhaltigkeitskompass (WPK) besteht neben der Startseite aus fünf Bereichen, die über das Menü in dem rechten Block angewählt werden können.

  • Im Bereich „Aktuelle Nachrichten“ sind die jeweils letzten drei Newsmeldungen der WPK zur Nachhaltigkeitsberichterstattung aufrufbar.
  • Unter „Regulatorische Anforderungen“ an die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eine Übersicht zu den einzelnen Gesetzen und Verordnungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verfügbar (Beratung und Zusammenspiel der EU-Vorschriften).
  • Die „Hilfen zur Erstellung der Nachhaltigkeitsberichterstattung“ und
  • die „Hilfen zur Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung“ beinhalten nützliche Hinweise zum Thema aus Berater- bzw. Prüfersicht.
  • Unter dem Bereich „Weiterführende Informationen“ sind aufrufbar
    – Gesetzesvorhaben, wie insbesondere der EU-Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD),
    – einschlägige WPK-Stellungnahmen,
    – Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, wie z.B. seitens der EFRAG der ED ESRS (ED European Sustainability Reporting Standards – Entwurf eines europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards) sowie
    – sonstige Informationen, wie die EFAA-Broschüre: What SMPs and SMEs need to know about Sustainability Reporting (PDF – Was kleinere/mittelgroße Wirtschaftsprüfungspraxen und KMU über Nachhaltigkeitsberichterstattung wissen müssen), und letztlich
    weiterführende Links, wie der zur IFRS Foundation: Sustainability-related Reporting, zur Global Reporting Initiative und zum Rat für nachhaltige Entwicklung.

 

 

Praxishinweise:

  • Der neue Kompass zur Nachhaltigkeit ist neben dem Digitalisierungskompass (WPK)® das zweite Online-Tool, mit dem die WPK den Berufsstand bei einem wichtigen Thema unterstützen will. Davon dürften auch andere Berufsgruppen profitieren. Fragen oder Anregungen zum Nachhaltigkeitskompass (WPK) nimmt Herr WP/StB M. Weber unter nachhaltigkeit@wpk.de entgegen.
  • Die berufsrechtlichen Anforderungen ergeben sich aus den einschlägigen Gesetzen und Satzungen und bleiben von den Ausführungen in diesem Kompass unberührt.
  • Die Fokussierung auf das Thema „Nachhaltigkeit“ beruht auf europäischer Ebene darauf, dass die EU-Kommission mit dem sog. Green Deal beabsichtigt (Agenda zum ökologischen Umbau des EU-Wirtschaftssystems), die Treibhausgas-Emissionen in der EU bis 2050 auf null zu reduzieren. Dieser Green Deal soll dabei unterstützen, die sechs Klimaziele der EU umzusetzen:
    1. Klimaschutz,
    2. Anpassung an den Klimawandel,
    3. Schutz der Wasser- und Meeresressourcen,
    4. Stärkung der Kreislaufwirtschaft,
    5. Verringerung der Umweltverschmutzung und
    6. Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.
    Dazu umfasst der Green Deal eine Reihe von Maßnahmen zu nachhaltigem Wirtschaften und nachhaltiger Finanzierung, insbesondere in den Bereichen Energie, Verkehr, Handel, Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft.
  • Die Entwicklung auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit als Leitmotiv der Unternehmensbesteuerung und der darauf bezogenen Berichterstattung ist so dynamisch, dass beinahe täglich neue Informationen zu verarbeiten sind. So hat beispielsweise gemäß DRSC-Angaben vom 12.7.2022 die Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen einen Berichtsentwurf zur Anwendung der Vorschriften zum (sozialen) Mindestschutz nach Art. 18 EU-Taxonomieverordnung veröffentlicht. Der Entwurf konkretisiert insbesondere die in der EU-Taxonomieverordnung enthaltenen Referenzen in Bezug auf die Gewährleistung des Mindestschutzes und erweitert die Betrachtungen auf neue EU-Regulierungsinitiativen. Eingegangen wird u.a. auf den Entwurf der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (sog. EU-Lieferkettenrichtlinie), auf die internationale Charta der Menschenrechte, auf UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, auf OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sowie auf die Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit. Der Berichtsentwurf kann bis zum 22.8.2022 unter https://ec.europa.eu/info/publications/220711-sustainable-finance-platform-report-minimum-safeguards_en kommentiert werden.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 8/2022