Neuer Arbeitskreis Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR)


 

Am 4.7.2022 fand die erste Sitzung des BVBC-Arbeitskreises (AK) Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) in Hamburg statt. In dieser Sitzung wurde die Ausrichtung des Arbeitskreises festgelegt. Dazu hat der BVBC-AK bereits entschieden, an der aktuell laufenden Konsultation zu den Entwürfen der ESRS (European Sustainability Reporting Standards; EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards) der EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group; Europäische Beratungsgruppe zur Rechnungslegung) teilzunehmen.

 

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Die erste Sitzung des neuen BVBC-Arbeitskreises Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSR) fand am 4.7.2022 in den Räumen des AGA Unternehmensverbands in Hamburg statt. An der Veranstaltung nahmen insgesamt 26 Personen teil, die entweder nach Hamburg gekommen sind oder sich online zugeschaltet haben. Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaftsprüfung und Beratung, Unternehmensverbänden sowie Unternehmensvertretern verschiedener Branchen zusammen. In der ersten Sitzung wurde die Ausrichtung des Arbeitskreises festgelegt, welche zum einen den Austausch unter den Mitgliedern in den Vordergrund stellt und zum anderen auch die Einflussnahme auf aktuelle Entwicklungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung anstrebt.

Der Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist zurzeit sehr dynamisch aufgrund der steigenden Anforderungen durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU und die in diesem Rahmen entwickelten Entwürfe der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS). Der aktuell dem EU-Parlament übergebene Stand der CSRD sieht vor, dass ab 2025 alle großen Kapitalgesellschaften, die zurzeit nicht der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung unterliegen, und ab 2026 auch kapitalmarktorientierte KMU über Nachhaltigkeitsbelange zu berichten haben. Darüber hinaus werden mittelbar besonders viele KMU betroffen sein.

 

 

Weiteres Vorgehen

Prof. Dr. Stefan Müller wurde mit der Einrichtung des Arbeitskreises beauftragt, um dem Mittelstand in Bezug auf die sich rasant entwickelnden Regulierungen eine (weitere) Stimme zu verleihen.

In Anbetracht der steigenden Anforderungen wurde schon in der ersten Sitzung angeregt über die aktuellen Entwicklungen und die Entwürfe zu den ESRS diskutiert. Besonders intensiv erörtert wurden

  • die geforderte Prüfung der Nachhaltigkeitsinformationen,
  • die Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Subunternehmen,
  • das Wesentlichkeitsverständnis und
  • der große Umfang der in den Entwürfen der ESRS geforderten Angabepflichten.

Anlass dazu gaben kurz zuvor bekannt gewordene neue EU-Vorschriften für Nachhaltigkeitsberichte. Der Rat der EU und das Europäische Parlament haben am 21.6.2022 eine vorläufige politische Einigung über die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) erzielt. Der Vorschlag zielt darauf ab, Lücken in den geltenden Vorschriften über die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen zu schließen, deren Qualität für eine angemessene Berücksichtigung insbesondere durch Kapitalmarktakteure bislang als unzureichend angesehen wird (mehr dazu hier).

Aus Mittelstandssicht ist sehr bedeutsam, dass im zugrunde liegenden EU-Dokument ausdrücklich anerkannt wird, dass den vielen KMU, die durch die verpflichtende Betrachtung der gesamten Lieferkette und Geschäftsbeziehungen mittelbar betroffen sind, Erleichterungen gewährt werden müssen. Konkret heißt es im Interinstitutionellen Dossier: 2021/0104(COD) 6292/22 vom 18.2.2022 auf S. 5:

„Darüber hinaus wurde klargestellt, dass Unternehmen, die aufgrund fehlender Angaben von Unternehmen in ihren Wertschöpfungsketten nicht in der Lage sind, bestimmte Informationen bereitzustellen, insbesondere KMU, während eines dreijährigen Übergangszeitraums Flexibilität eingeräumt wird.“

Die Herausforderungen sind dennoch erheblich. Viele Unternehmen müssen ihre internen Systeme, etwa zum Risikomanagement und zur Informationsgenerierung, umbauenoder aber neue aufbauen, eine auch vom AK-Leiter Prof. Dr. Stefan Müller schon häufiger ausgesprochene Empfehlung. Etwas mehr Zeit gibt Luft, sollte jedoch nicht zur Untätigkeit verleiten. Und ob Kreditanalysten entsprechend den etwas zeitlich gestreckten Regulierungsvorgaben warten werden, steht ohnehin auf einem anderen Blatt.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Um aktiv Einfluss auf die aktuellen Entwicklungen zu nehmen, hat der AK entschieden, an der Konsultation zu den Entwürfen der ESRS der EFRAG teilzunehmen.
  • Der AK wird vom WIB-Ehrenpreisträger Prof. Dr. Stefan Müller geleitet und tagt drei- bis viermal pro Jahr (zur Ehrenpreis-Verleihung und der dabei schon angekündigten AK-Gründung siehe hier). Bei Interesse an bzw. Fragen zum AK melden Sie sich gerne bei ihm (smueller@hsu-hh.de) oder beim Verfasser dieser Nachricht.
  • Die Gründung des Arbeitskreises war von Prof. Dr. Ludwig Hierl (Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des WIB) ausdrücklich unterstützt worden. Auch er hob implizite Verpflichtungen hervor, wenn z.B. für Lieferanten die Gefahr besteht, ausgelistet zu werden (Stakeholder-Wünsche, Wettbewerbsdruck etc.). Zukünftig werden auch Selbstfinanzierer ohne Kapitalmarktorientierung betroffen sein. Die Prüfung solle eventuell durch Nicht-WP erfolgen, sodass sich insoweit möglicherweise eine große Geschäftschance für selbstständige Bilanzbuchhalter/innen ergebe. Der Beitritt zum AK wäre also anzuraten.
  • Das gilt auch für Controller/innen. Über die gelungene Integration von ESG-Dimensionen im Controlling wurde anlässlich der Verleihung des ICV Controlling Excellence Award 2022 bereits berichtet.

 

 

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 8/2022