GOP: Version 3.0 der BDU-Planungsgrundsätze


 

Eine aktualisierte Version seiner Grundsätze für fundierte Unternehmensplanungen hat der BDU am 12.4.2022 unter der Bezeichnung „Grundsätze Ordnungsgemäßer Planung (GOP) Version 3.0“ herausgegeben. Die GOP sollen die Voraussetzung für eine gesicherte Bilanz-, Finanz- und Erfolgsentwicklung von Unternehmen schaffen. Der BDU verbindet das mit dem Zusatznutzen, dass sich unter Anwendung der GOP Haftungsrisiken vermeiden lassen und das Einwerben von Fremdkapital begünstigt werde.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) hat seine Grundsätze Ordnungsgemäßer Planung (GOP) überarbeitet und dabei Anforderungen berücksichtigt, die sich für Unternehmen durch neue gesetzliche Vorgaben oder im Hinblick auf eine größere Nachhaltigkeit ergeben. Eine plausible, nachvollziehbare und transparente Unternehmensplanung erachtet der BDU als elementare Grundlage für eine auf Dauer und Erfolg ausgerichtete wirtschaftliche Tätigkeit. In der Unternehmensberater-Praxis werde immer wieder deutlich, wie wichtig realistische Annahmen, zukunftsbezogene Analysen und gut aufbereitete Daten seien. BDU-Präsident Ralf Strehlau:„Seit der ersten Veröffentlichung vor 16 Jahren haben sich die GOP zu einem Planungsstandard entwickelt, der Eingang in zahlreiche weitere Leitlinien und Regeln gefunden hat, zum Beispiel in den IDW S6 des Instituts der Wirtschaftsprüfer.“ Bedeutsam sind die GOP vor allem für haftungsbegrenzte Unternehmen.

 

 

Lösung

Als haftungsbegrenzte Unternehmen sind neben Aktiengesellschaften insbesondere auch GmbH und GmbH & Co. KG unabhängig von der Größe des Unternehmens verpflichtet, sog. bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Vorsorge zu gewährleisten. Ralf Presber, Leiter des Arbeitskreises zur GOP-Neuauflage, hebt dazu hervor: „Eine Planung, die den aktuellen Stand von Wissenschaft, Recht und Praxis berücksichtigt, sichert Unternehmen die Überlebensfähigkeit und bietet zusätzlich eine Haftungsvermeidung bzw. einen -ausschluss. Gleichzeitig schafft der Anwender durch eine genaue, nachvollziehbare Dokumentation die Voraussetzung für eine erfolgreiche Eigen- und Fremdfinanzierung.“ Dabei komme es darauf an, die strategische Planung auf die operative Ebene zu übertragen. Das gelte auch für kleinere Unternehmen, wobei man hier den zeitlichen und finanziellen Aufwand im Rahmen der GOP-Empfehlungen in angemessenem und situativ sinnvollem Umfang anpassen könne.

Die GOP-Neuauflage berücksichtigt die neuen gesetzlichen Vorgaben bei der Unternehmensplanung. Aufgenommen wurden auch Handlungsempfehlungen für den Einsatz von massenbasierenden Methoden, wie Predictive Planning & Forecasting (Planung & Prognose unter Durchsuchung großer Datenbestände) oder auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende IT-Systeme, um Planungsgrundlagen bzw. -daten zu erhalten. Deren Arbeitsweise ist verständlich zu beschreiben und der Unternehmensplanung beizufügen. Weiterhin sind nun auch die Anforderungen an eine nachhaltige Unternehmensentwicklung stärker einbezogen worden. Nachhaltigkeitsrisiken müssen im Rahmen der Planung erfasst und insbesondere die durch volkswirtschaftliche Risiken drohenden Wirtschaftskrisen und ihre Auswirkungen für das Unternehmen benannt werden. Zudem wurde das Kapitel „Kennzahlen“ erweitert, um speziell kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) einen Anreiz zu verschaffen, ein eigenes Kennzahlensystem einzuführen.

 

 

Praxishinweise:

  • Die Erstveröffentlichung der GOP liegt mittlerweile 16 Jahre zurück. Die Version 2.1 der GOP wurde auf der BC-Homepage seinerzeit näher beschrieben (siehe hier). Für die GOP-Neuauflage hat ein Arbeitskreis im BDU mit Experten aus unterschiedlichen Fachverbänden über mehrere Monate zusammengearbeitet. Anlass für die Überarbeitung zum jetzigen Zeitpunkt war insbesondere das im letzten Jahr in Deutschland in Kraft getretene Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG). Hierin sind klare Vorgaben für die Risikofrüherkennung enthalten, für die eine optimale Analyse der eigenen Unternehmensdaten als Kennzahlensystem unerlässlich ist.
  • Die Neufassung ist verfügbar unter https://www.bdu.de/media/3706/gop-grundsaetze-ordnungsgemaesser-planung.pdf. Der BDU erachtet die GOP als Standard mit Mindestanforderungen und insofern als Maßstab für Consultants sowohl für die Erstellung als auch für die Beurteilung von Unternehmensplanungen. Daneben sollen die Planungsgrundsätze den Unternehmen als Orientierung und Leitfaden dienen, wenn eine Unternehmensplanung erstmalig erstellt oder angepasst werden soll. Insofern sind sie auch als Hilfestellung für mit Planungsaufgaben befasste Bilanzbuchhalter/innen und Controller/innen gedacht und anwendbar.
  • Letzteres ist besonders wichtig, wenn sie bei kleinen Unternehmen beschäftigt sind, die sich von den Vorgaben der GOP in Bezug auf interne und externe Analysen oft überfordert fühlen und die den damit verbundenen zeitlichen und finanziellen Aufwand scheuen. Eine der informationellen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angemessene Unternehmensplanung darf daher, so betonen die GOP-Verfasser, bei kleinen Unternehmen Erleichterungen in Anspruch nehmen, ohne deshalb die Konformität mit den GOP zu verlieren. Erleichterungen können aber auch für den Fall, dass keine Strategieänderungen, wesentlichen Wettbewerbs- bzw. Marktveränderungen oder Investitionen etc. im Planungszeitraum zu berücksichtigen sind, in Anspruch genommen werden.
  • Abweichungen von den GOP sind zu beschreiben, zu begründen und den Planungsprämissen zu Dokumentationszwecken beizufügen.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2022