Nachhaltigkeitsranking des CSR-Reporting


 

Ein Ranking von Nachhaltigkeitsberichten zeigt, dass viele Unternehmen zur Jahrhundertherausforderung „Klimaschutz“ zwar beitragen und selbst klimaneutral werden wollen. Über konkrete Strategien dafür informieren sie bislang allerdings wenig. Bei den ökologischen und sozialen Bedingungen in ihren Lieferketten erfüllen die Unternehmen Mindeststandards an Transparenz, erläutern aber seltener, wie sie ihre Lieferantenbeziehungen zukünftig nachhaltiger entwickeln wollen.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Der im BC-Newsletter vom 31.3.2022 näher erläuterten CFO-Studie der Managementberatung Horváth ist zu entnehmen, was CFOs und deren Mitarbeitende im Spannungsfeld von Corona, Digitalisierung und Nachhaltigkeit auf dem Weg aus der Krise beachten müssen und welche Herausforderungen, Chancen und Risiken auf den Finanzbereich zukommen (siehe unter https://rsw.beck.de/cms/?docid=447673). Eine wichtige Rolle spielen dabei regulatorische EU-Vorgaben, die auch eine Umlenkung von privatem Kapital in nachhaltige Geschäftsaktivitäten sowie Investitionen in Klima- und Umweltmaßnahmen bewirken sollen. Zu diesem Zweck wird mit der EU-Taxonomie-Verordnung (EU 2020/852) als Teil des EU-Aktionsplans Finanzierung nachhaltigen Wachstums ein EU-weites Klassifizierungssystem eingeführt, um die ökologische Nachhaltigkeit von Wirtschaftstätigkeiten zu bestimmen, mit dem Ziel, die Bereitstellung von Finanzmitteln in die als nachhaltig definierten Aktivitäten zu steuern.

Zwar befinden sich nach den in der oben genannten Studie abgefragten CFO-Einschätzungen viele Unternehmen noch am Anfangspunkt der grünen Transformation. Es gibt aber auch die sog. Vorreiter. Und so lässt sich ohne umgesetzte EU-Vorgaben bereits darauf verweisen, dass einzelne deutsche Unternehmen in Bezug auf Themen wie „Klimakrise“, „Gesundheitsschutz“ oder „Lieferkette“ schon Verantwortung übernommen haben.

Wie gut Unternehmen über ihre Auswirkungen auf Menschen, Gesellschaft und Umwelt informieren, untersuchen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensvereinigung Future bereits seit einigen Jahren. Auf der Online-Konferenz „Next Generation CSR-Reporting“ wurden (in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)) am 31.3.2022 sechs Vorreiterunternehmen in Sachen Transparenz ausgezeichnet:

  • die Großunternehmen Deutsche Telekom, Rewe-Gruppe und Merck sowie
  • die Mittelständler Assmann, Lebensbaum und Neumarkter Lammsbräu.

Die Auszeichnungen beruhen auf dem regelmäßigen Ranking der Nachhaltigkeitsberichte, in dem das IÖW und Future die Transparenz der 100 größten deutschen Unternehmen sowie freiwillig eingereichte Berichte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bewerten. Was kann die noch nicht so weit fortgeschrittene Mehrheit davon lernen, und was gibt es auch bei Vorreitern noch zu verbessern?

 

 

Lösung

Im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2021 haben das IÖW und Future die Nachhaltigkeitsberichte von 62 Großunternehmen und von 39 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf der Basis umfassender Kriteriensets analysiert. Anlässlich der Preisverleihung betonte Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), bei der Urkundenüberreichung, dass Nachhaltigkeit für viele Unternehmen heute so wichtig sei wie nie zuvor. „Aber nur, wenn Unternehmen substanziell und transparent berichten, kann sich die Öffentlichkeit ein umfassendes Bild über Ziele und Maßnahmen zur Einhaltung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards machen. Die transparente Berichterstattung ist auch für Unternehmen selbst wichtig, um Lernprozesse zu initiieren und Impulse zur Weiterentwicklung des CSR-Reporting zu geben. Daher braucht es systematische und regelmäßige Qualitätschecks. Mit ihrem Ranking leisten IÖW und Future seit Jahren einen wertvollen Beitrag für aussagekräftiges Nachhaltigkeitsreporting in Deutschland.“ In Bezug auf Klimaneutralität, Lieferketten und die Corona-Wirkungen wurden die nachfolgenden Ergebnisse ermittelt.

(1) Ziel Klimaneutralität: Von den 100 größten deutschen Unternehmen veröffentlichen immerhin schon 62 eigenständige Nachhaltigkeits- oder integrierte Unternehmensberichte, die im Ranking ausführlich untersucht wurden. Klimaneutral werden zu wollen, gehört mittlerweile bei vielen dieser Unternehmen zum guten Ton: 46 schreiben sich das Ziel Klimaneutralität auf die Fahnen. Auch fast die Hälfte der 39 kleinen Unternehmen und Mittelständler, deren Berichte bewertet wurden, gibt dieses Ziel an. „Was sie genau unter ‚klimaneutral‘ verstehen, machen viele Unternehmen allerdings nicht deutlich – etwa welche Emissionen sie in ihre Betrachtung einbeziehen und welche Rolle die Kompensation von Treibhausgasemissionen dabei spielt“, kommentiert Projektleiter Christian Lautermann vom IÖW und fügt hinzu: Generell berichten die Unternehmen besser über ihre Ziele als über die Maßnahmen, wie sie diese erreichen wollen. Noch weniger erfährt man darüber, wie die bisher ergriffenen Maßnahmen wirken und welche Schlussfolgerungen die Unternehmen aus dem Fort- oder Rückschritt ziehen.”

(2) Verantwortung für Lieferketten: Umweltschutz und Menschenrechte in den Lieferketten sind zentrale Themen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Fast alle Unternehmen greifen diese Themen auf. Doch insbesondere die Großunternehmen tun sich noch immer schwer, angemessen über die menschenrechtlichen und ökologischen Risiken ihrer Lieferketten zu informieren. So zeigt sich, dass die Unternehmen zwar i.d.R. die Mindestanforderungen an Transparenz darüber erfüllen, wie sie ihre Lieferanten überprüfen. Doch ob oder wie sie sich engagieren, um ihre Lieferanten bei sozialen und ökologischen Herausforderungen zu unterstützen, wird nur teilweise deutlich. „Nur einzelne Großunternehmen, etwa die Deutsche Telekom oder die Rewe-Gruppe, machen diese Aktivitäten deutlich. Bei den KMU demonstrieren neben regional orientierten Unternehmen wie Neumarkter Lammsbräu und Bohlsener Mühle auch Mittelständler mit internationalen Lieferketten wie Lebensbaum und Hakro fortschrittliche Ansätze der Lieferantenentwicklung“, so Lautermann.

(3) Corona-Einflüsse auf das CSR-Reporting: Durch die Nachhaltigkeitsberichte zieht sich ein Thema, das vor der Pandemie deutlich weniger präsent war: Home-Office. Für viele Unternehmen waren umfangreiche Home-Office-Regelungen eine zentrale Maßnahme des Gesundheitsschutzes ihrer Belegschaft. „Unsere Auswertung zeigt, dass die Unternehmen nicht planen, zum Status vor der Pandemie zurückzukehren“, so Udo Westermann, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Future. Viele denken ganz im Gegenteil darüber nach, die Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten, künftig zusätzlich auszuweiten. Über Schutzmaßnahmen für Beschäftigte, die nicht im Home-Office arbeiten können, wird demgegenüber weniger berichtet.

 

 

Praxishinweise:

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2022