Zukunftsthema Nachhaltigkeit für CFO als „New Normal“


 

Die Corona-Pandemie hat viele grundlegende Veränderungen angestoßen. Für den Finanzbereich haben sich zusätzliche Herausforderungen aufgetan: Ohne die Adressierung der Themen „Nachhaltigkeit“, „Digitalisierung“ und „Fachkräftemangel“ gelingt hier keine erfolgreiche Transformation, so das Kernergebnis der CFO-Studie 2022 der Managementberatung Horváth. Aktuell rücken steigende fossile Energiepreise das Thema „Nachhaltigkeit“ noch stärker in den Fokus.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Die am 21.3.2022 präsentierte CFO-Studie der Managementberatung Horváth zeigt, was CFOs (Chief Financial Officer; kaufmännische Geschäftsführer/innen) im Spannungsfeld von Corona, Digitalisierung und Nachhaltigkeit auf dem Weg aus der Krise beachten müssen und welche Herausforderungen, Chancen und Risiken auf den Finanzbereich zukommen. Laut der Studie rücken aktuell steigende fossile Energiepreise das Thema „Nachhaltigkeit“ noch stärker in den Fokus. Aber auch die weltweiten Klimakrisen sowie der Druck der Verbraucherinnen und Verbraucher befeuern den Trend zu nachhaltiger Produktion und Unternehmensführung.

Entsprechend sehen 60% der Befragten über alle Branchen hinweg Nachhaltigkeit als maßgebliche Herausforderung. Vorreiter ist hier die Automobilindustrie; dort geben 80% der CFOs Nachhaltigkeit als zentrales Thema an.

Auch im Finanzbereich wird ESG-konformes Handeln (Environmental, Social und Governance – ESG; auf Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) von externen und internen Stakeholdern vorausgesetzt. Somit müssen entsprechende Compliance- und Kontrollsysteme etabliert und der Wissensaufbau von Mitarbeitenden gefördert werden. Um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, haben Finance-Verantwortliche anhand von EU-Taxonomie und weiteren rechtlichen Rahmenbedingungen genau zu prüfen, welche Investitionen vertretbar sind.

Allerdings befinden sich nach den in der Studie abgefragten CFO-Einschätzungen viele Unternehmen noch am Anfangspunkt der grünen Transformation. Es lohnt also ein genauerer Blick, was nun zu tun ist.

 

 

Lösung

Aus Sicht der Mitarbeitenden mit besonderer Finanzexpertise aus den Bereichen Bilanzbuchhaltung und Controlling ist zunächst einmal positiv festzuhalten, dass man auf Finanzebene keinesfalls am Spielfeldrand steht und anderen die Beförderung des Fokusthemas „Nachhaltigkeit“ überlassen müsste. Vielmehr können gerade CFOs und deren Mitarbeitende nach der Überzeugung der Studienautoren nicht nur eine zentrale Rolle einnehmen, sondern sogar den Takt einer erfolgreichen Transformation zum New Normal vorgeben: Finanzverantwortliche sind in der Lage, die Fokussierung von Mitarbeitenden für das Zukunftsthema „Nachhaltigkeit“ und dessen Integration in den Finanzbereich entscheidend zu stärken. 91% der Befragten sind überzeugt, dass die Nachhaltigkeitstransformation ganzheitlich und funktionsübergreifend ablaufen muss, um erfolgreich zu sein.

Ein weiterer Schwerpunkt bei der Transformation liegt in der fortschreitenden Digitalisierung innerhalb des Finanzbereichs. Die Implementierung neuer Arbeitsmethoden, wie etwa agiles Arbeiten, Remote-Arbeit (remote = fern; ortsungebundenes Arbeiten) und Formen der digitalen Kollaboration, waren Kernelemente des Transformationsprozesses. Der Weg ist noch lang, denn auch heute sehen 2/3 der Befragten CFOs in Automatisierung und Digitalisierung der Kernprozesse eine Top-Chance für ihr Unternehmen. Gleichzeitig fehlen oft konkrete Projekte im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain (engl. für Blockkette: webbasiertes, dezentrales Buchhaltungssystem bzw. eine Datenbank zur einheitlichen Datenverknüpfung): Mehr als die Hälfte der Befragten hat noch keine Projekte zur Einführung von KI, Blockchain oder Machine Learning (lernende Systeme, die Muster auf Basis von vorhandenen Daten erkennen) ins Leben gerufen.

Sorgen, dass über die Digitalisierung und den KI-Einsatz Beschäftigungsprobleme beispielsweise im Controlling auftreten könnten, hat man nicht mehr. Ganz im Gegenteil ist offenbar der Fachkräftemangel für den Finanzbereich ein großes Problem, da 65% der Befragten dies als größte Herausforderung in ihrem Unternehmen ansehen. Agile Arbeitsmethoden und Organisationsformen werden noch vorwiegend als Problem und seltener als wertvolle Perspektive gesehen: 66% der befragten Finance-Verantwortlichen betrachten Agilität als eine Herausforderung, nur 46% als Chance.

Zusammenfassend werden in der Studie sieben Thesen als Grundpfeiler einer erfolgreichen ganzheitlichen Finanztransformation abgeleitet, die im Kasten (unten) dargestellt sind.

 

 

Grundpfeiler einer erfolgreichen ganzheitlichen Finanztransformation

  1. „Green“ und „Sustainable Finance“ (Sustainability = Nachhaltigkeit) müssen fest verankert werden.
  2. Eine rollenbasierte Finanzorganisation ist Katalysator für Effizienz und Management-Support.
  3. Datengetriebene Analysen schaffen die Grundlage für Entscheidungsempfehlungen.
  4. Agilität und Virtualität prägen die Zusammenarbeit im Finanzbereich.
  5. CFOs treiben die Finanztransformation proaktiv und visionär voran.
  6. Die prozessuale und organisatorische Ende-zu-Ende-Ausrichtung sichert eine funktionsübergreifende Zusammenarbeit.
  7. Anwenderdigitaler Methoden mit Beratungs-Skills werden fachlichen Expertinnen und Experten im Finance-Bereich vorgezogen.

 

 

Die Studienautoren zeigen sich zusammenfassend überzeugt, dass die Summe aller entsprechend abzuleitenden Maßnahmen einen tiefgreifenden strukturellen, prozessualen und kulturellen Wandel herbeiführen wird. Dafür bedürfe es starker Vorbilder, die in der Lage sind, zu motivieren, zu überzeugen und bestehende Funktionssilos aufzubrechen. Die insoweit prädestinierten (in hohem Maße geeigneten) CFOs werden damit in der Zukunft der Unternehmen eine noch wichtigere Rolle spielen.

 

 

Praxishinweise:

  • Die CFO-Studie „Finance im Spannungsfeld von Corona, Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ ist unter https://www.horvath-partners.com/de/media-center/studien/cfo-studie-2022 online verfügbar. Allerdings kann sie dort nicht unmittelbar abgerufen werden, sondern nur indirekt über die Eingabe von Adressdaten.
  • Wichtig für Finanzexperten, die CFOs auf dem skizzierten Erfolgsweg begleiten wollen, sind das richtige Mindset (Denkweise, Mentalität) und die Weiterbildung, besonders mit Blick auf die digitale Expertise. Kritisiert wird seitens der Studienautoren, dass in den Unternehmen noch viel zu selten auf Remote-Arbeitende gesetzt werde. Nur 25% glauben an die Vorteile durch einen ortsunabhängigen Zugang für Fachkräfte. Den Studienautoren zufolge sind flexible und virtuelle Arbeitsmodelle zunehmend ein Auswahlkriterium bei potenziellen neuen Mitarbeitenden – auch im Bereich Finanzen.
  • Auf der am 31.3.2022 in Köln veranstalteten Schmalenbach-Tagung wurde die Zukunft der Finanzfunktion etwas pathetisch so charakterisiert: Die Finanzfunktion sei der „Custodian of performance“ (Hüter/Verwalter der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens). Als „Wächter“ oder „Hüter“ nehme sie eine übergeordnete Rolle ein, steuere auf Unternehmensebene die Leistungserbringung und unterstütze die Organisationen beim effizienten Einsatz von Ressourcen. Die vorgetragenen Erwartungen wurden auch mit dem Schlagwort „Hybrid-Finance-Funktion“ versehen: Die Finanzfunktion wird demnach eine schlanke, hybride (zwitterhafte) Unternehmensfunktion in Form einer Symbiose aus Finanzspezialistinnen und -spezialisten und dem digitalen Ökosystem – mit Mitarbeitenden, die sich auf Aktivitäten mit hohem Wertbeitrag fokussieren.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2022