Der Markt für Buchhaltungs- und Payroll-Dienstleistungen – ein Ausblick auf 2022


 

Geschäftsprozesse erleben einen coronabedingt sich verstärkenden Schub an Digitalisierung. In den schon realisierten Umwälzungen in unserer neuen Arbeitswelt mit weiter zunehmendem Technologie-Einsatz sehen Experten bisher nur die Spitze des Eisbergs. Dass hiervon in besonders intensiver Ausprägung auch das Rechnungswesen erfasst ist, zeigt der nachfolgend skizzierte Ausblick auf 2022.

 

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Was in unserer Zeit „mit Corona” in vielen Märkten geschieht, ist teilweise sehr bemerkenswert: Ganze Industrien wie das Reise- und Gastgewerbe stehen vor massiven Umbrüchen. Während in den Phasen mit weniger Einschränkungen schon fast von einem Nachholeffekt gesprochen wird, so gehen Branchenexperten davon aus, dass Geschäftsreisen nie wieder auf das alte Niveau ansteigen werden (zum mit Stand März 2021 erwarteten Restrukturierungsdruck siehe den Beitrag von Hillmer). In anderen Branchen wiederum erleben Geschäftsprozesse einen wahren Schub an Digitalisierung. Unsere „neue” Arbeitswelt ist geprägt durch Teams- und Zoom-Meetings, hybriden Besprechungen mit einer Fülle an neuer Technik und Technologie bei immer besserer Qualität.

Und was bedeutet das für das Rechnungswesen? Haben sich die bekannten Trends beschleunigt? Gibt es neue Trends, mit denen wir in den kommenden Jahren rechnen müssen? Eine Einschätzung haben Experten von Rödl & Partner vorgelegt, die diese mit Stand 8.12.2021 unter dem Titel „Alles neu, alles digital: Ausblick auf den Markt für Buchhaltungs- und Payroll-Dienstleistungen“ in der Ausgabe 10/2021 im sog. Unternehmerbriefing veröffentlicht haben. Wesentliche Kernpunkte werden nachfolgend skizziert.

 

 

Lösung

In der Verarbeitung von buchhaltungsrelevanten Daten wird keine Veränderung der Digitalisierungsgeschwindigkeit erwartet. Erfreulich sei dabei der Trend, dass die im Markt verfügbaren Lösungen immer skalierbarer (ausbaufähiger) werden und damit auch für mittelständische und kleine Mandanten und für internationale Strukturen wie Betriebsstätten, Niederlassungen oder Auslandstochtergesellschaften verfügbar und bezahlbar werden. Die durch die Pandemie befeuerte Bereitschaft, digitale Geschäftsprozesse aktiv einzuführen, dürfte auch in 2022 eher noch verstärkt werden. Mit dem Arbeiten im Homeoffice wurden viele digitale Prozesse unumgänglich; auch schrittweise Lockerungen gaben in 2021 keinen Anlass, die Entwicklung wieder rückgängig zu machen.

Als international präsent wie nie zuvor sehen die Rödl-Experten den Trend zum eAccounting. Damit ist die Integration insbesondere umsatzsteuerrelevanter Daten in Systeme der Steuerbehörden gemeint. Nur eine über solch ein System erstellte, eindeutige Rechnung kann der Empfänger auf seiner Seite wiederum zum Vorsteuerabzug bringen. Die in einigen EU-Staaten bereits umgesetzten Konzepte sind in der Planung vieler Steuerbehörden. Der nächste konsequente Schritt wäre eine länderübergreifende Vernetzung der Systeme.

In eine ähnliche Richtung geht das sog. „SAF-T Reporting”. Der „Standard Audit File for Tax“ geht dabei – so die Einschätzung im Rödl-Unternehmerbriefing – über die Idee unserer deutschen GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) oder eBilanz-Schnittstelle hinaus und liefert nicht nur zum Anlass der steuerlichen Betriebsprüfung oder der Steuerdeklaration Daten an das Finanzamt. Vielmehr gehe das dann laufend und in einem bisher nicht gewohnten Detailgrad vonstatten. Dazu seien in den kommenden Jahren große und schnelle Schritte der Behörden zu erwarten.

Als immense neue Herausforderung für Arbeitgeber und damit auch für Dienstleister wird das neue Bewusstsein der Fachmitarbeiter und Experten für mobiles Arbeiten gesehen. In Zeiten knapper Ressourcen im Bereich Accounting/Finance/Tax werden Arbeitgeber demnach viel zu leisten haben, um Experten zu halten und durch „Global-Mobility”-Konzepte ins Unternehmen zu integrieren. Steigende Kosten für die „Verwaltung” solcher Homeoffice-Mitarbeiter sind zwar zu verzeichnen, dürften aber nicht so hoch wie die Aufwendungen sein, die die Suche nach neuen Mitarbeitern und deren Einarbeitung mit sich bringen würden. Technisch unterstützen dabei auch die Anbieter der Payroll- und Legal-Dienstleistungen selbst.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Digitalisierung, Global Mobility und Tax Compliance bleiben – so die klare Darstellung im Rödl-Unternehmerbriefing 10/2021 – auch im Jahr 2022 die Trends, die den Markt für Accounting- und Payroll-Dienstleistungen bewegen werden. In vielen Unternehmen seien die Hausaufgaben bereits gemacht, andere hingegen seien noch dabei, aus den Provisorien der letzten Jahre nachhaltige Dauerlösungen einzuführen.
  • Allerdings steht der Wirtschaft zunächst noch ein schwieriger Winter bevor: Der steile Energiepreisanstieg dämpft die private Kaufkraft und belastet die Unternehmen kostenseitig. Gleichzeitig halten sich die Materialengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie die Störungen im globalen Transportsystem hartnäckig (so nachzulesen im aktuellen KfW-Konjunkturkompass vom 30.11.2021). Trotzdem ist nach Einschätzung der KfW-Research-Studien für 2022 ein Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,4% zu erwarten (nach 2,6% im Jahr 2021).
  • Stimmt das, werden die Bilanzbuchhalter/innen und Controller/innen demnächst wieder mehr Geschäftsvorfälle zu verbuchen haben. Gerade mit zunehmender Homeoffice-Tätigkeit sollte dabei das Gefahrenpotenzial der Cyberkriminalität mehr in den Blick genommen werden. Damit Unternehmen und Wirtschaftsprüfer bei der Bekämpfung von Cybergefahren besser unterstützt werden können, hat das IDW in einem Knowledge Paper eine faktenbasierte Grundlage zum Thema „Cyberrisk“ zusammengestellt. Darin werden die grundlegenden Arten von Cyberattacken anhand konkreter Beispiele vorgestellt. Verbunden wird dies mit einer Darstellung vielfältiger Präventions-, Schutz- und Abwehrmaßnahmen von Unternehmen gegen Cyberattacken.

 

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

 

BC 1/2022