Neuer Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung


 

Eine neue Broschüre soll insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen sowie Prüfungsgesellschaften helfen, die anstehenden Herausforderungen im Zusammenhang mit dem EU-Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung besser zu verstehen. Die European Federation of Accountants and Auditors for SMEs (EFAA) – die europäische Dachorganisation nationaler Assoziationen von Wirtschaftsprüfern und Rechnungslegern, deren Mitglieder vorwiegend Dienstleistungen an kleine und mittelgroße Gesellschaften erbringen – gibt darin konkrete Praxishinweise.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Der EFAA-Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung greift den EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive) auf und soll den Zielen der europäischen Sustainable-Finance-Strategie (Sustainability = Nachhaltigkeit) Rechnung tragen. Dieser Richtlinienvorschlag ist deshalb so bedeutsam, weil damit der weitreichende Anspruch verfolgt wird, die nichtfinanzielle Berichterstattung mit der Finanzberichterstattung gleichzusetzen. Diese anspruchsvolle Zielsetzung fordert also keineswegs nur einige wenige Großunternehmen heraus, weshalb die Bekanntgabe der neuen Broschüre im WPK-Newsletter vom 12.8.2021 auch mit der Headline betitelt wurde: „Was kleine und mittlere Unternehmen und Prüfungsgesellschaften über Nachhaltigkeitsberichterstattung wissen müssen.“

 

 

Lösung

In der zwar in Englisch gefassten, aber mit 12 Seiten Umfang handhabbar gehaltenen Broschüre werden verschiedene Fragenkomplexe behandelt, wobei ausgehend von einer Definition des „Sustainability Reporting“ zunächst eine Kurz-Übersicht der aktuellen und künftigen europäischen Rechtsvorschriften enthalten ist. Schon das nächste Hauptkapitel befasst sich spezifisch mit den Erfordernissen im SME-Bereich (KMU), die bereits für Unternehmen ab 250 Arbeitnehmern greifen sollen. Auch bei den hierfür maßgeblichen Rechnungslegungs- und Prüfungsstandards wird gesondert auf die KMU-Belange eingegangen. Berichtsorte und -fristen werden ebenfalls thematisiert.

Für Bilanzbuchhalter/innen, die insoweit nun in Vorbereitungsmaßnahmen einsteigen wollen, enthält die Broschüre einen 9-Stufen-Plan, der vorgibt, wie ein solches Projekt angegangen und umgesetzt werden sollte. Zunächst einmal ist es im ersten und zweiten Schritt insoweit besonders wichtig, dass die potenziellen Berichtsinhalte an sich bestimmt (Schritt 1) und in ihrer Relevanz für das jeweilige Unternehmen abgegrenzt (Schritt 2) werden. Hier ist beispielsweise festzulegen, inwieweit Umweltbelange durch die Unternehmenstätigkeit tangiert werden oder welche Auswirkungen für die Beschäftigten zu beachten sind (z.B. Arbeitsbedingungen generell, Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften im Besonderen). Auch die gesellschaftlichen Bezüge des Unternehmens spielen eine wichtige Rolle; dies reicht bis zum Dialog mit den lokal agierenden Behörden. Es schließen sich u.a. Strukturierungs- und Konsolidierungsschritte hinsichtlich der verfügbaren Informationen an, bevor es dann an die konkrete Berichtsvorbereitung geht. Weitere Prüfungsschritte münden dann in die Berichtsveröffentlichung als Schritt 9.

 

 

Praxishinweise:

  • Als Einstieg ist die Broschüre durchaus empfehlenswert; sie vermittelt dem Anwender Einblicke in die internationale Sichtweise. Die Internetseite der EFAA bietet weiterführende Informationen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, siehe unter https://efaa.com/tag/smps-supporting-sustainability/.
  • In dem WPK-Beitrag vom 12.8.2021 wird auch auf die WPK-Stellungnahme zum EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung verwiesen, den die WPK (WPK) an die Europäische Kommission am 21.6.2021 übermittelt hat. Darin sind vor allem Punkte angesprochen, die schon Gegenstand der Stellungnahme vom 4.6.2021 gegenüber dem BMJV (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) waren. Hierzu zählen die Forderungen, dass der vorgesehene Zeitplan überdacht werden sollte (weil zu ambitioniert) und dass bei der Entwicklung europäischer Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards internationale Rahmenwerke einbezogen werden sollten.
  • Um dem sog. Greenwashing vorzubeugen, kommt es für die Unternehmen auf belegbare Nachhaltigkeitsaktivitäten an. Inwieweit diese als Voraussetzung bei der Kapitalaufnahme gelten und auch Ratingergebnisse beeinflussen, wurde zuletzt hier thematisiert.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

 

BC 9/2021