ICV Controlling Excellence Award 2021: Neues Rollenverständnis


 

Die Digitalisierung stellt unter Corona-Rahmenbedingungen besonders hohe Anforderungen an das Controlling und Reporting. Aktuelle Entwicklungen erfordern ein dynamisches Selbstverständnis im Controlling und damit ein systematisches Vorgehen bei der Entwicklung neuer Controller-Rollen. Mit dem diesjährigen ICV Controlling Excellence Award wurde die insoweit vorbildliche Arbeit bei Bosch prämiert. Außerdem wurden neue Analytics-Lösungen sowie ein Konzept zum Product-Lifecycle-Controlling ausgezeichnet.

 

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Alljährlich zeichnet der ICV (Internationaler Controller Verein) vorbildliche praxisnahe Controlling-Leistungen mit dem renommierten Controlling Excellence Award aus (für 2019 siehe hier). Die mit Praktikern und Professoren gleichermaßen besetzte Fachjury leitet der Vorsitzende des ICV-Kuratoriums, Prof. Dr. Utz Schäffer, von der WHU Otto Beisheim School of Management, Vallendar. Am 26.4.2021 ist nun in München auf dem 45. Congress der Controller als der europaweit führenden Controlling-Fachtagung der „ICV Controlling Excellence Award 2021“ verliehen worden. Dabei war zwischen vielen eingegangenen Bewerbungen zu entscheiden.

 

 

Lösung

Der renommierte ICV Controlling Excellence Award ging in diesem Jahr an Bosch für sein Konzept „Controller of the Future – People make the Difference!“. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen überzeugte mit der Entwicklung neuer Controller-Rollen als Unterstützung für die eigene Transformation. Ausgangspunkt für das Sieger-Projekt des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens Bosch ist die Tatsache, dass das Unternehmen mit der fortschreitenden Digitalisierung auch das Controlling weiterentwickelt. So unterstützen die Controller mit neuen Steuerungskonzepten, Methoden, Systemen und Tools die operativen Geschäftseinheiten im Wandel hin zum führenden Anbieter im Internet der Dinge und für Mobilitätslösungen. Da die digitale Transformation auch zu neuen Geschäftsmodellen für Bosch führt, ist es vordringliche Aufgabe für die Controller, diese mit angemessenen und angepassten sowie neuen Steuerungsinstrumenten in ihrem Auf- und Ausbau zu unterstützen.

Dazu gehört auch, das zunehmend einheitenübergreifende Geschäft wirksam zu steuern und abzubilden. Gleichzeitig steigern die Controller im eigenen Funktionsbereich ihre Effizienz u.a. durch die Prozessautomatisierung mit Robotic Process Automation (RPA), die Erstellung von maschinellen Forecasts mit Predictive Analytics, z.B. für den Umsatz, und durch den Einsatz von hochintegrierten Reportingsystemen mit kundenorientierten Dashboards.

Im Rahmen des Konzepts arbeitete Bosch fünf neue Rollen für die insgesamt 4.000 Controller des Unternehmens aus und implementiert diese seit Anfang 2021. Neben dem altbekannten Profil Business-Partner gibt es dabei

  • den Business Analyst,
  • den Subject Matter Expert,
  • den Governor und
  • den Data Scientist.

Für jede dieser Rollen wurde ein spezifisches Kompetenzprofil und ein dazu passendes Trainings-Curriculum erstellt. Ausschlaggebend für die Jury war, dass bei Bosch die Rollen- und Kompetenzprofile sehr fundiert abgeleitet wurden; nicht zuletzt flossen die Ergebnisse interner Kundenbefragungen, der Austausch mit anderen Unternehmen, die Sammlung konzerninterner Best Practices und wissenschaftliche Studien ein. Das Konzept wurde intern zudem gut verankert: Insbesondere die Finance Transformation Working Group, das Netzwerk der Finance Controlling Academy und der Finance Transformation Board waren in die Erstellung intensiv eingebunden, so dass verschiedene Perspektiven früh einflossen und projektkritische Themen adressiert werden konnten. Ferner wurde im Rahmen der Prämierung hervorgehoben, dass sich die Lösung nicht in neuen Rollen- und Kompetenzprofilen erschöpft, sondern auch ein umfassendes Implementierungskonzept beinhaltet. So umfasst das Trainingsportfolio neben Präsenztrainings und Webinaren auch zahlreiche autodidaktische Angebote wie z.B. Web-Based-Trainings, Impulse-Talks und Videos. Daneben wurde umfassendes Kommunikationsmaterial erarbeitet und ein systematisches Tracking der Umsetzungsschritte inklusive Lessons-Learned-Workshops geplant.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Der ICV würdigte außerdem ein Projekt von A1 Telekom Austria mit dem Titel „Finance Analytics @ A1 Austria“ (ein Prozess zur Einführung von Advanced Analytics) sowie das Projekt „Einführung eines Produkt Lifecycle Controllings im Segment Robotics der KUKA“ der KUKA Deutschland GmbH. Mehr Informationen zur Preisverleihung siehe unter https://www.icv-controlling.com/de/verein/presse/presseinformationen/ansicht/icv-controlling-excellence-award-2021-an-bosch.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Controlling+eNews+EXTRA.
  • Zur Tagung selbst siehe unter https://www.icv-controlling.com/de/verein/presse/presseinformationen/ansicht/wir-richten-den-blick-nach-vorne-45-congress-der-controller-eroeffnet.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Controlling+eNews+EXTRA. Der 45. Congress der Controller ist vom Vorsitzenden des gastgebenden ICV, Prof. Dr. Heimo Losbichler, eröffnet worden: Jetzt gelte es, nach dem „kurz getakteten Tunnelblick des Krisenmanagements“ nun langfriste Trends und Herausforderungen der Post-COVID-Ära in den Mittelpunkt zu rücken, „mit den zentralen Themen digitale Transformation und Nachhaltigkeit“. Die Keynote sprach Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, Dt. Akademie der Technikwissenschaften (acatech), Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Er vertiefte das Thema Qualifizierung. Künstliche Intelligenz (KI) erfordert Kompetenzen, Kreativität und Adaptionsfähigkeit. Unternehmen müssen den Bedarf für Weiterbildung rechtzeitig erkennen und entsprechende passgenaue Angebote (inhaltlich und methodisch) vorausschauend entwickeln.
  • Interessant ist Spaths Übersicht „KI und zukünftige Berufe“, bei der er einige Beispiele für künftige Berufe vorstellte:
    – Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner,
    – Datenlieferkettenbeauftragter,
    – Ethikbeauftragter (Chief Ethics Officer),
    – Persönlicher Gesundheitsberater,
    – Empathie-Trainer etc.
  • Daran anschließend sei aus der Vielzahl der Vorträge (siehe dazu unter https://blog.icv-controlling.com/) hier noch auf den Schlussvortrag verwiesen: Traditionell endet der Congress der Controller mit einem Beitrag, der für die Menschen persönlich bereichernd ist. 2021 zeigte der österreichische Erfolgssportler Wolfgang Fasching, wie positives Denken den Alltag jedes Menschen aufwerten kann. Ein paar Beispiele seiner Empfehlungen:
    – Der Gipfel des Berges ist erst die Halbzeit.
    – Denke an die Lösung, nicht an das Problem.
    – Am Anfang ist alles schwer, so lange, bis es leichter wird.
    – Weniger ist mehr als nichts!
  • Nicht von Wolfgang Fasching, sondern von Andreas Hoffjan (Professor für Controlling an der TU Dortmund) stammt die folgende, kürzlich in der WiWo vom 15.4.2021 (S. 92) zu lesende Charakterisierung des Aufgabenzuschnitts von Controllern: „Wenn man von seinen eigenen Ideen besoffen ist, sperrt der Controller einen in die Ausnüchterungszelle.“ Dass man dort allerdings auch schon Controller angetroffen hat, steht auf einem anderen Blatt.

 

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2021