Liquiditätssicherung mittels Überbrückungshilfe III


 

Mit der fortgesetzten Abwehr der sog. 2. Corona-Welle sind die aus den Medien hinlänglich bekannten Maßnahmen mittlerweile mehr als drei Monate (seit dem 2.11.2020) in Kraft bzw. mehrfach ergänzt und neu strukturiert worden. Im Zentrum der Wirtschaftshilfen steht nun die sog. Überbrückungshilfe III. Wichtig sind im Vergleich mit bisherigen Hilfen insbesondere neu ansetzbare Kostenpositionen wie beispielsweise im Zusammenhang mit der Digitalisierung anfallende Ausgaben.

 

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Im Anschluss an die Überbrückungshilfe II wurde mit der Überbrückungshilfe III ein weiteres Förderprogramm zur Unterstützung der von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen aufgesetzt; Beantragungen sind nun seit dem 10.2.2021 möglich, wie Zwirner/Vodermeier mit ihrem Beitrag über die sog. Live-Schaltung im heutigen Newsletter vom 11.2.2021 näher ausführen. Detailinformationen zu den inhaltlichen Rahmenbedingungen sind vom BMWi (Bundeswirtschaftsministerium) am 10.2.2021 in einer Pressemitteilung zusammengefasst worden, siehe unter https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2021/02/20210210-antragstellung-fuer-ueberbrueckungshilfe-lll-ist-gestartet.html, aus denen Kernpunkte nachfolgend skizziert werden. Das BMWi hat hiermit frühere Ankündigungen (so durch das BMF am 19.1.2021, siehe dazu hier) bestätigt und präzisiert.

Bilanzbuchhalter/innen und Controller/innen haben somit eine verlässliche Orientierungshilfe, wenn sie sich fragen, welche Kosten in welchen Branchen nun bei der Beantragung konkret berücksichtigungsfähig sind. Insbesondere ist zu beachten, dass es den BMWi-Angaben zufolge wesentliche Neuerungen gegenüber den bisher ansatzfähigen Kostenpositionen und -beträgen gegeben hat.

 

 

Lösung

 

Die Antragstellung für die Überbrückungshilfe III erfolgt nach wie vor über die bundesweit einheitliche Plattform www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de. Für mit der Liquiditätssicherung befasste kaufmännische Experten ist zunächst einmal wichtig, dass Unternehmen ab sofort Abschlagszahlungen von bis zu 100.000 € pro Fördermonat erhalten können. Die ersten Abschlagszahlungen mit Beträgen von bis zu 400.000 € sollen wenige Tage später ab dem 15.2.2021 starten.

 

Als Grundlage für konkrete Berechnungen kann zunächst ein schon bekannter Musterkatalog fixer Kosten dienen, die erstattet werden können. Dazu zählen:

  • Pachten, Grundsteuern, Versicherungen, Abonnements und andere feste Ausgaben sowie Mietkosten für Fahrzeuge und Maschinen,
  • Zinsaufwendungen, der Finanzierungskostenanteil von Leasingraten,
  • Ausgaben für Elektrizität, Wasser, Heizung etc.,
  • Personalaufwendungen, die nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst sind (sie werden pauschal mit 20% der Fixkosten gefördert),
  • bauliche Maßnahmen zur Umsetzung von Hygienekonzepten sowie
  • Marketing- und Werbekosten.

Neu bei den erstattungsfähigen Kostenpositionen sind Abschreibungen auf Wirtschaftsgüter bis zu einer Höhe von 50% sowie Investitionen in Digitalisierung. Zusätzlich zu den Umbaukosten für Hygienemaßnahmen werden Investitionen in Digitalisierung (z.B. Aufbau oder Erweiterung eines Online-Shops, Eintrittskosten bei großen Plattformen) bei den Fixkosten erfasst. Für beide Bereiche werden nunmehr auch Kosten berücksichtigt, die außerhalb des Förderzeitraums entstanden sind. Konkret werden entsprechende Kosten für bauliche Maßnahmen bis zu 20.000 € pro Monat erstattet, die im Zeitraum März 2020 bis Juni 2021 angefallen sind bzw. anfallen werden. Für Digital-Investitionen können einmalig bis zu 20.000 € gefördert werden.

Sehr bedeutsam sind zudem branchenspezifische Neuerungen bei den erstattungsfähigen Kosten. Sie betreffen insbesondere die Reisebüros und Reiseveranstalter, den Einzelhandel und die sog. Solo-Selbständigen:

  • Für Einzelhändler mit Saisonware wird der Wertverlust für verderbliche Ware und für Saisonware der Wintersaison 2020/2021 als Kostenposition anerkannt. Das gilt u.a. für Weihnachtsartikel, Feuerwerkskörper und Winterkleidung. Es betrifft aber auch verderbliche Ware, die unbrauchbar wird, wenn sie nicht verkauft werden konnte, z.B. Kosmetika. Diese Warenabschreibungen können zu 100% als Fixkosten zum Ansatz gebracht werden. Dies ergänzt die bereits vorgesehene Möglichkeit, handelsrechtliche Abschreibungen für Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in Höhe von 50% des Abschreibungsbetrags als förderfähige Kosten in Ansatz zu bringen.
  • Die Reisebranche gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen. Mittels einer umfassenden Berücksichtigung der Kosten und Umsatzausfälle durch Absagen und Stornierungen wird zusätzliche Unterstützung geboten. Die bisher vorgesehenen Regelungen wurden nunmehr ergänzt, so dass externe Vorbereitungs- und Ausfallkosten um eine 50%ige Pauschale für interne Kosten erhöht und bei den Fixkosten berücksichtigt werden.
  • Solo-Selbständige, die nur geringe Betriebskosten haben, können im Rahmen der Überbrückungshilfe III die „Neustarthilfe“ beantragen, was noch im Februar 2021 möglich sein soll. Mit diesem einmaligen Zuschuss von maximal 7.500 € werden Solo-Selbständige unterstützt, deren wirtschaftliche Tätigkeit im Förderzeitraum 1.1. bis 30.6.2021 coronabedingt eingeschränkt ist. Die Neustarthilfe beträgt in der Regel 25% des Jahresumsatzes 2019. Der Zuschuss wird als Vorschuss ausgezahlt, bevor die tatsächlichen Umsätze im Förderzeitraum feststehen. Erst nach Ablauf des Förderzeitraums, also ab Juli 2021, wird auf Basis des endgültig realisierten Umsatzes der Monate Januar bis Juni 2021 die Höhe des Zuschusses berechnet, auf den die Solo-Selbständigen Anspruch haben.

 

 

 

 

Praxishinweise:

  • Die konkrete Höhe der Zuschüsse orientiert sich – wie auch bislang – am Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum entsprechenden Monat des Jahres 2019 und ist gestaffelt:
    – Bei einem Umsatzrückgang von 30% bis 50% werden bis zu 40% der förderfähigen Fixkosten erstattet,
    – bei einem Umsatzrückgang von 50% bis 70% werden bis zu 60% der förderfähigen Fixkosten erstattet und
    – bei einem Umsatzrückgang von mehr als 70% werden bis zu 90% der förderfähigen Fixkosten gezahlt.
  • Auch zu der Frage, inwieweit ein Verlustnachweis erforderlich ist, gibt es Änderungen (siehe dazu auch die auf der BMWi-Mitteilung basierenden Informationen der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) in ihrem Newsletter vom 11.2.2021, abrufbar unter https://www.wpk.de/neu-auf-wpkde/sonstiges/2021/sv/coronavirus-start-der-antragstellung-fuer-ueberbrueckungshilfe-iii/, dort Abschnitt 4.
  • Sogar an die Pyrotechnikindustrie, die sehr stark unter dem Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk gelitten hat, wurde gedacht und eine branchenspezifische Regelung geschaffen. Entsprechend tätige Unternehmen können eine Förderung für die Monate März bis Dezember 2020 beantragen. Zusätzlich können Lager- und Transportkosten für den Zeitraum Dezember 2020 bis Juni 2021 zum Ansatz gebracht werden.
  • Bleibt nur zu hoffen, dass an dieser Stelle im Jahr 2022 nicht wieder ähnlich berichtet werden muss und zum Jahreswechsel 2021/2022 zumindest ein wenig und ohne Ausgangssperre geböllert werden darf. Der Osterhase jedenfalls, so hört man in Virologen-Kreisen, hat sich in diesem Jahr noch auf ein Andauern der bundesweit geltenden Reiseverbote einzustellen. Aber vielleicht kann er ja eine berufliche Veranlassung geltend machen, wenn er doch in unsere Gärten hoppelt.

 

 

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 3/2021