Anforderungen an ein zeitgemäßes internes Reporting


 

Im Rahmen einer am 8.7.2020 veröffentlichten Studie wurden Anforderungen definiert, die ein zeitgemäßes internes Reporting erfüllen muss. Insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Rezessionserwartungen zeigt sich, wie sehr die digitalen Anforderungen an eine interne Berichterstattung gestiegen sind. Gerade das Controlling unterliegt einem enormen Veränderungsdruck, wobei vor allem dem Zeitbezug und den zugrunde liegenden Prozessen, aber auch den handelnden Personen zentrale Bedeutung zukommt.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Zwar lassen sich die Ursprünge des Controllings bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. In den aktuellen Zeiten zeigt sich jedoch umso mehr, welch drastische Veränderungen im Controlling erfolgen müssen, um neuen Anforderungen entsprechen zu können. Dies sind die Ergebnisse der Studie „Reporting 4.0“, die von Warth & Klein Grant Thornton in Kooperation mit der Hochschule Ruhr West kürzlich durchgeführt wurde. Ein wichtiges Ergebnis der Erhebung lautet, so der verantwortliche Studienexperte Dr. Dominique Hoffmann (Partner Digital Advisory, Warth & Klein Grant Thornton): „Ein modernes Reporting erfordert ein größeres Know-how in fortgeschrittenen Analysemethoden, eine Offenheit für neue Technologien und eine stärkere Zusammenarbeit mit Spezialisten wie Data Scientists und Informatikern. Die Realisierung eines Reporting 4.0 in der Unternehmenspraxis ist daher eng mit einer Neudefinition der Rolle des Controllers und seines Aufgabengebiets verbunden.“

Was bedeutet das konkret in der mittelständischen Unternehmenspraxis?

 

 

Lösung

Um das herauszufinden, wurde in der Studie im Einzelnen folgenden Fragen nachgegangen:

  • Wie sind Unternehmen derzeit im internen Reporting aufgestellt, und inwieweit werden neuere Technologien und Reportingtools eingesetzt?
  • Was sind die bedeutendsten Anforderungen an ein modernes Reporting, und wie gut werden diese tatsächlich erfüllt?
  • Wo liegen Defizite, und was sind Barrieren für die Einführung eines Reportings 4.0?

Die Auswertung der Studie mit Blick auf diese Fragen zeigt, dass die Digitalisierung im internen Reporting der Unternehmen zwar als wichtig empfunden wird, aber dennoch traditionelle Tools wie Excel dominieren. Dies bindet daher noch viel zu häufig hochqualifiziertes Personal mit zeitaufwendigen Tätigkeiten. Nur von einem kleinen Teil der befragten Unternehmen werden Potenziale der Automatisierung von Routineaufgaben tatsächlich ausgeschöpft; und auch auf der Nutzerseite könnten durch modernere Softwarelösungen mit einer höheren Bedienungsfreundlichkeit und besseren Verfügbarkeit der Informationen hohe Effizienzgewinne entstehen. Hierzu werden in der Befragung insbesondere neue Technologien und Systeme wie Business-Intelligence,Big Data Analytics oder Robotic Process Automation (RPA) genannt, welche Einzug in die Unternehmenspraxis gehalten haben und die digitale Transformation des Reportings weiter vorantreiben.

Demgegenüber herrscht bei den Teilnehmern der Befragung Zurückhaltung gegenüber weiteren technischen Features wie Visualisierungsmöglichkeiten und Endgerätefähigkeit (vgl. dazu den Bericht über den Ehrenpreis 2020 der BVBC-Stiftung, der Prof. Dr. Heimo Losbichler (FHS Oberösterreich, Steyr) als federführendem Autor des IRZ-Aufsatzbeitrags „Reporting 2.0 – Interaktive Dashboards als Erfolgsfaktor im Controlling“ verliehen wurde). Mit der bereits sehr hohen und zunehmenden Verbreitung und Akzeptanz mobiler Endgeräte sei aber zu erwarten, dass die Anforderungen aus Nutzersicht hier weiter steigen. Dies gelte nicht nur für die bloße Erhältlichkeit von Daten auf Endgeräten, sondern auch für die Darstellungsformen, die für mobile Geräte angepasst werden müssen.

Hinsichtlich der größten Hindernisse vor einer Digitalisierung wurde in der Studie ein sehr ähnliches Bild wie in einer vorangegangenen Digitalisierungsstudie 2018/19 herausgearbeitet, in der die Einführung von Digitalisierungstechnologien untersucht worden war. Die am häufigsten genannten Gründe für eine mangelnde Digitalisierung des Reportings sind wie in der Grafik für 2020 ausgewiesen: fehlendes Know-how und mangelnde Veränderungsbereitschaft. Anders formuliert lautet ein Kernergebnis der Studie: Die Hemmnisse zur Digitalisierung liegen weniger in einer unausgereiften Technik als vielmehr in den Fähigkeiten und dem Willen der Menschen, sprich der handelnden Controller bzw. kaufmännischen Experten insgesamt.

 

 

Abb.: Gründe für eine mangelnde Digitalisierung des Reportings (Quelle: erstellt in Anlehnung an Abb. 10 des Studienberichts)

 

  

Praxishinweise:

  • Insgesamt gesehen lässt sich mittels Auswertung der Studie festhalten: Basisanforderungen im internen Reporting werden zwar in der Regel gut bis sehr gut erfüllt , aber sowohl in der Erstellung als auch in der Nutzerfreundlichkeit ist noch viel „Luft nach oben“. Ein Download des Studienberichts ist unter https://www.wkgt.com/themen/studie-reporting-2020/ möglich. Die Befragung von CFOs und Controllingexperten wurde von Oktober 2019 bis Januar 2020 durchgeführt und dann ausgewertet.
  • Prof. Dr. Isabel Lausberg, Professorin für Allgemeine BWL sowie Controlling an der Hochschule Ruhr West, fasst im Fazit zusammen, dass vor allem die Anforderungen an das technische Know-how, die Verbesserung der Toolbox sowie neue inhaltliche Aufgaben für den Controller von morgen entscheidend sein werden. Die Realisierung eines „Reporting 4.0“ in der Unternehmenspraxis ist für sie, wie oben skizziert, insbesondere verbunden mit einer Neudefinition der Rolle und des Aufgabengebiets des Controllers. In diesem Zusammenhang ist oft auch vom Wandel des „Herren der Zahlen“ zum Business-Partner die Rede: Nur wer diese Herausforderung persönlich annimmt, sichert das eigene berufliche Fortkommen, das ohne Veränderungsbereitschaft nicht zu haben ist; dies gilt eigentlich schon immer, aber mit den unaufhaltsamen Digitalisierungseffekten mehr denn je (siehe in BC 6/2019).
  • Zum in der neuen Studie herausgearbeiteten Problem der Bindung an nicht mehr zeitgemäße Excel-Tools hatte der Preisträger Losbichler in seinem oben genannten Beitrag ausgeführt, dass diese als „Verhinderer interaktiver Dashboard-Lösungen für Big Data“ wirken. In dem von der Jury der BVBC-Stiftung ausgezeichneten IRZ-Beitrag sind Erkenntnisse zur aktuellen Nutzung von Visualisierungstechniken, Ergebnisse aus experimentellen Untersuchungen zum Design und zur Eignung von neuartigen, interaktiven Visualisierungen sowie aus Laboruntersuchungen zur Dashboard-Gestaltung enthalten. Da im Editorial des betreffenden IRZ-Hefts nicht nur von einem „hoch interessanten Beitrag über neue Trends, über Machbares und Zukunftsmusik“ gesprochen, sondern den Lesern sogar der Zugang zu einer „Schatzkammer an Möglichkeiten der interaktiven Berichterstattung“ angeraten wird, empfiehlt sich nach den von Hoffmann/Lausberg neu vorgelegten Studienergebnissen die bereits empfohlene Lektüre des Beitrags umso mehr, und es darf erneut viel Erfolg bei der Schatzsuche gewünscht werden!

  

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

  

 

BC 8/2020