Liquiditäts-Tool und Stress-Test


 

Bereits seit vielen Wochen kämpfen Unternehmen mit den Auswirkungen der Corona-Krise. Für die Unternehmen heißt das in erster Linie, kurzfristig die Kosten zu senken, um die Liquidität sicherzustellen. Langfristig werden alle Unternehmen aber andere Lehren aus der jetzigen Situation ziehen müssen.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

In der gegenwärtigen Lage ist es insbesondere erforderlich, sich einen schnellen Überblick über die Liquidität für die nächsten Wochen und Monate zu verschaffen. Vorrangig ist der Stand der Bankkonten sowie der offenen Forderungen und Verbindlichkeiten. Darüber hinaus zeigt sich auch in der jetzigen Situation, dass einige Unternehmen die momentane Situation weniger stark als andere trifft. Dies ist in vielen Fällen kein Glücksfall, sondern das Ergebnis einer methodischen Herangehensweise: Robustheit ist kein Zauberwerk, sondern erlern- und planbar.

 

 

Lösung

Helfen könnte bei akuter Bedrohung die DATEV Toolbox Liquiditätsvorschau. Die notwendigen Daten werden aus dem aktuellen Buchhaltungsbestand eingespielt und aktualisiert. Zudem können weitere liquiditätsrelevante Sachverhalte manuell erfasst werden, wie z.B. Lohnzahlungen, Mieten oder Darlehen. Je aktueller der Stand, desto mehr Sicherheit wird dahingehend im Betrieb aufgebaut, finanzielle Engpässe zu vermeiden (vgl. ausführlich Rinker, Liquiditätsplanung und Überblick über Staatshilfen bei Liquiditätsengpässen, BC 2020, 173 ff., Heft 5). Die DATEV stellt ihre Toolbox Liquiditätsvorschau Neuanwendern – also auch selbstbuchenden Unternehmen ohne StB-Kanzlei-Anbindung – bei Bestellungen von April bis einschließlich Juni 2020 dauerhaft kostenlos zur Verfügung.

Aktuell Vorteile ausspielen können möglicherweise solche Unternehmen, die Krisenerfahrung haben. Im TCW-Zentrum (TCW Transfer-Centrum für Produktions-Logistik und Technologie-Management GmbH & Co. KG, Prof. Dr. Horst Wildemann, TU München) spricht man von „Krisen-Surfern“, die frühzeitig die eigenen Lieferketten oder das eigene Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt haben, um die Robustheit zu untersuchen. In einem spezifischen vom TCW-Zentrum entwickelten Tool können anhand individueller Risiken verschiedene Stresssituationen eingestellt werden. Im ersten Schritt zeigt das Tool keine Risikoauswirkungen an; denn das bestimmt der Anwender. Anhand von Schiebereglern kann der Anwender das Risiko für sein Unternehmen abschätzen und in Echtzeit die Veränderung auf die Unternehmenskennzahlen einsehen. Die Auswirkungen auf die Unternehmenskennzahlen errechnet das Tool auf der Basis der aktuellen Finanzdaten des Unternehmens.

 

 

Praxishinweise:

  • Zusätzlich wird allen Anwendern der DATEV Toolbox Liquiditätsvorschau kostenlos ein Lernvideo zur Verfügung gestellt, das einen Überblick vermittelt und Voraussetzungen für den optimalen Werkzeugeinsatz erläutert. Mehr dazu finden Sie hier.
  • Das TCW-Zentrum bietet das sog. TCW-Stresstest-Tool an. Unterstützt werden die Unternehmen dabei, die eigene Wertkette auf Risiken zu testen und stabile Strukturen zu schaffen, um bei Krisenwellen vorbereitet zu sein.
  • Der Leiter des TCW-Zentrums, Prof. Dr. Horst Wildemann, hat unter dem Eindruck der Corona-Herausforderungen eine Video-Serie zur Krisenbewältigung erstellt, die unter https://www.tcw.de/ aufrufbar ist. Prof. Wildemann ist vielen auch als Veranstalter des Münchener Management Kolloquiums bekannt, das als eine der letzten großformatigen Veranstaltungen vor Corona am 10./11.3.2020 stattfand (zu den Inhalten siehe unter https://www.management-kolloquium.de/). Bleibt zu hoffen, dass die nächste Veranstaltung, die für den 9./10.3.2021 geplant ist, nicht nur virtuell stattfinden kann.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2020