Mangel an Digitalkompetenzen


 

Der digitale Wandel hat nicht nur die Großunternehmen, sondern mittlerweile auch die Breite des deutschen Mittelstands erfasst. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) führen Digitalisierungsprojekte durch, d.h., sie setzen verstärkt digitale Technologien in ihren Prozessen, Produkten und in der Kommunikation ein. Allerdings warnen studienbasierte Erfahrungen vor unzureichendem Datenmanagement und einem ausgeprägten Mangel an Digitalkompetenzen.

 

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Nur 6% der Unternehmen verwerten ihre Daten optimal. Nach Angaben unter https://www.inso-projects.de/daten-optimal-nutzen/ denken 48%, dass ihre Daten nur teilweise effektiv genutzt werden. Die Ursachen für die mangelnde Verwertung der Daten werden u.a. in fehlender Kommunikation und Interaktion gesehen, zumeist bedingt durch zu starre Unternehmensstrukturen. Viele Unternehmen beklagen dabei, dass Abteilungen gerne unter sich bleiben und sich dementsprechend hauptsächlich mit sich selbst beschäftigen. Nur in 34% der Unternehmen analysieren Experten abteilungsübergreifend die ungenutzten Datenschätze. Bei 24% übernehmen externe Experten die abteilungsübergreifende Auswertung. Nur in jedem fünften Unternehmen beschäftigt sich die Geschäftsführung mit der Analyse der eigenen Daten.

Genau hier liegt nach Erfahrungen des Datenmanagement-Experten Thomas Möllers in kritischen Konstellationen der Knackpunkt (vgl. dazu unter https://www.inso-projects.de/insone-data-platform/):

„Erforderlich ist eine harmonisierte Systemlandschaft, die die zentralen ERP-Anwendungen einschließt und durch ein BI-System ergänzt wird. Diese integrierte Landschaft ermöglicht ein nahtloses Reporting über alle Geschäftsprozesse hinweg. Das bleibt unabhängig davon, ob Daten in Echtzeit aus den Quellsystemen importiert werden oder ob diese erst im eigenen ‚Semantical Data Lake“ angereichert werden.“

Aber wer ist dazu in den mittelständischen Unternehmen in der Lage?

 

 

Lösung

Eine Sonderbefragung auf der Basis des KfW-Mittelstandspanels belegt, dass die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen hierzulande auf digitale Grundkompetenzen angewiesen ist:

  • 78% konstatieren einen großen Bedarf an der Bedienung von Standardsoftware und digitalen Endgeräten.
  • Online-Kompetenzen, wie z.B. Internet-Recherchen, Online-Marketing oder der Umgang mit sozialen Medien, sind für die Hälfte (51%) der Mittelständler von großer Bedeutung.
  • Doch auch die Bedienung von Spezialsoftware bzw. digitalen Produktionsmaschinen ist für 45% wichtig.
  • Mitarbeiter mit fortgeschrittenen Digitalkompetenzen wie Programmieren oder statistischer Datenanalyse benötigen immerhin 24% des Mittelstands.

Zusammengefasst ist für 8 von 10 Mittelständlern in Deutschland mindestens eine Digitalkompetenz von großer Bedeutung.

Schnelle Lösungen sind aber nicht in Sicht, jedenfalls nicht für alle. Denn eine neue KfW-Studie zeigt leider, dass die Digitalisierung des Mittelstands zunehmend durch einen Mangel an einschlägigen Kompetenzen in der Mitarbeiterschaft gebremst wird: Ein Drittel der KMU kann den Bedarf an digitalem Know-how und Fähigkeiten aktuell nicht decken. Und sogar 38% der Unternehmen bezeichneten im Jahr 2019 fehlende Kenntnisse des Personals als Digitalisierungshürde, wie eine neue repräsentative Analyse von KfW Research zeigt. Zwei Jahre zuvor betrug dieser Anteil noch 29%. Besonders groß ist der Engpass bei komplexeren Kenntnissen: Fast die Hälfte der Mittelständler mit Bedarf an Datenanalysten hat Probleme, den Bedarf zu decken (45%).

Die KfW-Experten unterscheiden drei Wege, um sich Digitalkompetenzen zu beschaffen: Rekrutierung, Auslagerung und Weiterbildung. Letztere Strategie wählt der Mittelstand am häufigsten. Für 70% spielt Weiterbildung eine Rolle beim Aufbau von Digitalkompetenzen. Allerdings dominieren kurze Weiterbildungsmaßnahmen mit oft begrenzter Qualifikationswirkung. Hürden für eine Intensivierung der Weiterbildung sind vor allem finanzieller Natur. Ein Drittel der Unternehmen bezeichnet die direkten Kosten als Problem (32%), ein Viertel den Arbeitsausfall abwesender Mitarbeiter (26%). Für kleine Unternehmen mit ihren knapperen Personalressourcen ist diese Hürde besonders hoch; denn Abwesenheiten können häufig schlechter durch Vertretung aufgefangen werden.

Die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, kommentiert die Ergebnisse der Studie so:

„Die Digitalisierung des Mittelstands hat in den letzten Jahren zwar Fahrt aufgenommen. Doch ein Bremsklotz tritt immer deutlicher zutage: Die Digitalkompetenzen der Beschäftigten bleiben hinter der Entwicklung zurück. Weiterbildung ist die wichtigste Lösungsstrategie, wird aber zu oft aus Kosten- und Zeitgründen unterlassen.“

 

 

Praxishinweise:

  • Die Ergebnisse von KfW Research zum Thema „Digitalkompetenzen“ sind abrufbar unter https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_564864.html.
  • Bilanzbuchhalter und Controller sind gefordert, die durch die KfW-Studie identifizierten Lücken zu füllen, um über entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen, z.B. als Datenanalysten, Angebote beim Arbeitgeber oder als Selbstständiger machen zu können. Noch wird viel zu häufig verkannt, dass Daten im digitalen Zeitalter von unschätzbarem Wert sind. Sie ermöglichen ein besseres Kundenverständnis, innovative Geschäftsideen und Produkte, reibungslose Geschäftsprozesse und fundiertere Management-Entscheidungen – und die Arbeitsplatzsicherung bzw. den Aufstieg für diejenigen, die sich entsprechend fortbilden.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 3/2020