Digitalisierung des Controllings im Aufwind


 

Zum Umsetzungsstand hinsichtlich der Digitalisierungsanforderungen im Controlling werden im Rahmen einer aktuellen Befragung zwar Fortschritte vermeldet. Einerseits gibt es kaum noch „Digitalisierungsverweigerer“, andererseits besteht aber noch viel Handlungsbedarf, denn nur 10% der Unternehmen schätzen ihren Entwicklungsstand im Controlling als „weit fortgeschritten“ ein.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die Digitalisierung fordert den Controlling-Experten viel ab: Kürzere Reaktionszeiten und Automatisierung sind die treibenden Hauptziele. Schon in 2017 wurde im Rahmen einer Befragung festgestellt (siehe unter https://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-20170510-controlling-muss-schneller-werden), dass Controller ihre Prozesse beschleunigen müssen, um ihrer Funktion auch in Zukunft gerecht zu werden. Als Treiber des Zeitdrucks wurde primär das Top-Management identifiziert. Damit seien interne Ursachen für die Beschleunigung im Controlling häufiger verantwortlich als externe Treiber.

Das erhöhte Anspruchsniveau des Managements führe in weiterer Folge dazu, dass vor allem Ad-hoc-Prozesse schneller werden müssen. In der aktuellen Neuauflage des sog. Controlling-Panels der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) wurden insoweit nach den am 18.7.2019 publizierten Ergebnissen zwar Fortschritte festgestellt, aber Vieles ist immer noch Zukunftsmusik. Die Orchestrierung ist den Antworten zu entnehmen, die 280 Controlling-Leiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Rahmen der EY-Befragung gegeben haben.

 

 

Lösung

Nach den Ergebnissen des Controlling-Panels beschäftigen sich 65% der deutschen Unternehmen intensiv mit der Digitalisierung im Controlling. „Digitalisierungsverweigerer“ sind praktisch nicht mehr anzutreffen; denn nur noch 3,5% der Unternehmen geben an, sich selten oder gar nicht mit diesem Thema zu beschäftigen.

Trotz der intensiven Beschäftigung sehen aber nur 10% der deutschen Unternehmen die Digitalisierung im eigenen Controlling als weit oder sehr weit fortgeschritten an. Damit liegt Deutschland deutlich hinter Österreich (19,5%), aber vor der Schweiz mit rund 5%. Bemerkenswert ist, dass der Untersuchung zufolge nur 1% der befragten deutschen Unternehmen glaubt, dass die Controlling-Digitalisierung sehr weit fortgeschritten ist.

Immerhin sagten aber 50% der deutschen Controller, die Digitalisierung im Controlling aktiv oder sehr aktiv mitzugestalten. In die digitale Transformation des Gesamtunternehmens sind Controller dagegen deutlich seltener eingebunden: Knapp 9% der deutschen Controlling-Leiter gaben an, sehr intensiv mitzuarbeiten. Allerdings kam auch von 26% in Deutschland die Aussage, das Digital Business nicht oder nur in sehr geringem Umfang mitzugestalten. Der Studienleiter Mirko Waniczek, Associate Partner für Performance Improvement bei EY, stellt mahnend fest: „Der Fortschritt der Digitalisierung im Controlling hat in den letzten Jahren oftmals mit anderen Unternehmensbereichen nicht Schritt gehalten.“

Aus den Befragungsergebnissen schlussfolgern die EY-Experten (siehe dazu die Mitteilung unter https://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-20190718-digitalisierung-im-controlling-nimmt-in-deutschen-unternehmen-fahrt-auf), dass die deutschen Controller mit der zunehmenden Digitalisierung vor allem zwei Ziele verfolgen: Kürzere Reaktionszeiten sowie mehr Automatisierung in den Prozessen. Jeweils knapp 90% der Befragten schätzen diese Themenbereiche als wichtig oder sehr wichtig ein. Qualitätssteigerungen und eine verbesserte Unternehmenssteuerung werden von 83% bzw. 82% als bedeutend erachtet.

Dennoch: Die Anwendung der meisten Digitalisierungstechnologien fristet noch ein Nischendasein im Controlling. Als Ausnahme kann derzeit der Einsatz von interaktiven Reporting-Tools (Dashboarding) gelten, welche bereits bei 58% der deutschen Unternehmen in Anwendung oder zumindest im Projektstadium sind. Für viele weitere Technologien werden aber starke Wachstumsraten erst in den nächsten Jahren erwartet. So schätzen derzeit nur 16% der deutschen Controller Advanced und Predicitive Analytics als relevant ein. In zwei bis drei Jahren erwarten aber mehr als 50% eine hohe Bedeutung. Ähnlich hohe Zuwachsraten sind in den nächsten Jahren für die Bereiche Robotics, Artificial Intelligence sowie Blockchain zu erwarten, jedoch ausgehend von einer sehr geringen aktuellen Nutzung.

 

 

Praxishinweise:

  • Controller und Bilanzbuchhalter sollten insbesondere beachten, dass die zunehmende Digitalisierung auch Auswirkungen auf die Anforderungsprofile im Controlling haben wird (vgl. dazu bereits Rieg, BC 2019, 262 ff., Heft 6). Rund 92% der befragten Controlling-Leiter in Deutschland sehen hier eine neue Rollenverteilung im Controlling – so besteht vor allem Handlungsbedarf in Bezug auf Tool- und Technologiekenntnisse; 82% erwarten, dass Digital-Tool-Spezialisten, IT-Spezialisten, Projekt- und Prozessmanager sowie Data Scientists künftig wesentlich häufiger im Controlling verankert werden.
  • Und auch die von dem renommierten Rechnungswesenexperten Prof. Dr. Carl-Christian Freidank formulierte Erwartung, dass es künftig auf die Entwicklung ganzheitlicher Digitalisierungslösungen ankommen wird (siehe Hillmer, BC 2019, 385 ff., Heft 8, in Vorbereitung), wird mit der Studie bestätigt; denn Mirko Waniczek äußerte sich am 18.7.2019 so: „Neben den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Enterprise Performance Management sind ControllerInnen auch angehalten, einen wesentlich stärkeren Beitrag bei der Unterstützung innovativer Geschäftsmodelle zu leisten.“
  • Insgesamt gesehen belegen die Ergebnisse des aktuellen Controlling-Panels, dass die Digitalisierung im Controlling in den nächsten Jahren stark zunehmen und damit zu einer wesentlichen Optimierung des Enterprise Performance Management führen kann. Die vom Verfasser schon öfter im BC-Newsletter und anderenorts angemahnte Notwendigkeit einer Qualifizierungsoffensive für Bilanzbuchhalter und Controller wird auch durch den abschließenden Appell des Studienleiters Waniczek unterstrichen: „Von den Controllern und Managern ist jetzt ein proaktives Vorgehen notwendig, um die Vorteile der Digitalisierung in der Unternehmenssteuerung zu nutzen und so international wettbewerbsfähig zu bleiben.“

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 8/2019