EU-Leitlinien zur klimabezogenen Berichterstattung


 

In Auswertung einer Konsultation hat die EU-Kommission am 17.6.2019 Leitlinien zur Berichterstattung über klimabezogene Informationen veröffentlicht (Guidelines on reporting climate-related information). Diese (unverbindlichen) Leitlinien enthalten praktische Empfehlungen, wie Unternehmen über die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf das Klima sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft berichten können.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Mit Beginn des Jahres 2019 ist insbesondere die klimabezogene Berichterstattung der Unternehmen verstärkt in den EU-Fokus geraten – hierüber wurde unter https://rsw.beck.de/cms/main?docid=415027 und zuletzt in BC 2019, 306 f., Heft 7, näher informiert. Hintergrund ist die Richtlinie 2014/95/EU (Non-Financial Reporting Directive), die mit dem am 19.7.2017 in Kraft getretenen CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz in nationales Recht transformiert wurde. Angestrebt wird vor allem auch, dass Unternehmen eine längerfristige Perspektive einnehmen, als es im Rahmen der finanziellen Berichterstattung üblich ist. Darüber hinaus sollen Unternehmen darüber berichten, welche klimabezogenen Risiken identifiziert wurden. Um eine bessere Vergleichbarkeit klimabezogener Informationen zu ermöglichen, wurde die Verwendung von Schlüsselgrößen (Key Performance Indicators) vorgeschlagen.

 

 

Lösung

Um bei der Erreichung dieser Ziele zu unterstützen, hat die EU-Kommission nun die Leitlinien zur Berichterstattung über klimabezogene Informationen mit Stand 17.6.2019 veröffentlicht. Diese Leitlinien betreffen beispielweise das Geschäftsmodell, die Unternehmensprozesse und -ergebnisse sowie die Risiken des Unternehmens. Zudem enthalten die Leitlinien etliche Beispiele zur Berichterstattung über wesentliche Erfolgsfaktoren (Key Performance Indicators). Eine Übersicht der Inhalte ist im Kasten (unten) aufgeführt.

 

 

Inhalte der Leitlinien (Auszug)

2 How to use these guidelines

2.1 General considerations

2.2 Materiality

2.3 Climate-related risks, dependencies, and opportunities

2.4 Structure of the proposed disclosures

2.5 Consistency with recognised reporting frameworks and standards

3 Recommended disclosures and further guidance

3.1 Business Model

3.2 Policies and Due Diligence Processes

3.3 Outcomes

3.4 Principal Risks and their Management

3.5 Key Performance Indicators

Annex I: Further guidance for banks and insurance companies

Annex II: Mapping of Non-Financial Reporting Directive Requirements and TCFD Recommended Disclosures

 

 

Gemäß den Leitlinien kann eine bessere Offenlegung klimabezogener Informationen für das berichterstattende Unternehmen selbst von Vorteil sein, z.B.

  • erhöhtes Bewusstsein für und besseres Verständnis von klimabedingten Risiken und Chancen innerhalb des Unternehmens, besseres Risikomanagement sowie sachkundigere Entscheidungsfindung und strategische Planung (better disclosure of climate-related information can have benefits for the reporting company itself, such as: increased awareness and understanding of climate-related risks and opportunities within the company, better risk management, and more informed decision-making and strategic planning);
  • breiter gefächerte Investorenbasis und potenziell niedrigere Kapitalkosten, die sich beispielsweise durch die Aufnahme in aktiv verwaltete Investment-Portfolios und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Indizes oder aus besseren Bonitätseinstufungen für die Emission von Anleihen sowie besseren Kreditwürdigkeitsbewertungen für Bankdarlehen ergeben (a more diverse investor base and a potentially lower cost of capital, resulting for example from inclusion in actively managed investment portfolios and in sustainability-focused indices, and from improved credit ratings for bond issuance and better credit worthiness assessments for bank loans);
  • konstruktiverer Dialog mit Interessenträgern, insbesondere Investoren und Anteilseignern (more constructive dialogue with stakeholders, in particular investors and shareholders);
  • besserer Ruf des Unternehmens und Erhalt der gesellschaftlichen Akzeptanz für den Betrieb des Unternehmens (better corporate reputation and maintenance of social licence to operate).

Im Vorfeld hatte die EU-Kommission eine Konsultation durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Konsultation wurden letzte Woche veröffentlicht und weisen erwartungsgemäß – so die Angaben der Wirtschaftsprüferkammer vom 24.6.2019 – ein heterogenes (uneinheitliches) Meinungsbild auf:

  • Die Ersteller der nichtfinanziellen Berichte plädieren für weniger umfassende Angaben, Organisationen der Aufsicht und des Enforcement, während die Nutzer der Berichtsinformationen die meisten Vorschlägeunterstützen oder sogar darüber hinausgehende Verschärfungen fordern.
  • Viele Teilnehmer sahen die Gefahr, dass Berichte und Angaben durch die neuen Leitlinien zu lang würden. Einige Teilnehmer äußerten Bedenken, dass bestimmte vorgeschlagene Angaben über die bestehenden Anforderungen der Richtlinie hinausgehen.

 

 

Praxishinweise:

  • Controller und Bilanzbuchhalter sollten den neuen Trend zur CSR- bzw. Nachhaltigkeitsberichterstattung trotz der für manchen vielleicht ungewohnten Ausrichtung auf nichtfinanzielle Aspekte nicht links liegen lassen. Die neuen Leitlinien zur Berichterstattung klimabezogener Informationen bieten für die Praxis zumindest für den Einstieg gute Anwendungshilfen.
  • Die Leitlinien (mit einem Umfang von 37 Seiten) sowie die zusammengefassten Ergebnisse der Konsultation, die vom 20.2.2019 bis 20.3.2019 lief, sind über die Internetseite der EU-Kommission abrufbar. In Zuge der Konsultation wurden 113 Stellungnahmen ausgewertet (siehe unter http://ec.europa.eu/finance/docs/policy/190618-climate-related-information-reporting-guidelines_en.pdf bzw. unter https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/2019-non-financial-reporting-guidelines-feedback-statement_en.pdf.
  • Mit den jetzt vorgelegten Anwendungserläuterungen werden die bereits vorhandenen Leitlinien zur Veröffentlichung von nichtfinanziellen Informationen ergänzt. Letztere wurden bereits im Juni 2017 veröffentlicht. Hintergrund ist hier Art. 2 der Richtlinie 2014/95/EU, wonach die Kommission unverbindliche Leitlinien zur Methode der Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen, einschließlich der wichtigsten allgemeinen und sektorspezifischen nicht-finanziellen Leistungsindikatoren verfassen muss. Damit soll eine relevante, zweckdienliche und vergleichbare Angabe nichtfinanzieller Informationen durch Unternehmen erleichtert werden.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 8/2019