Nichtfinanzielle Berichterstattung im Aufwind


 

Spätestens mit der Umsetzung der EU-CSR-Richtlinie hat die nichtfinanzielle Berichterstattung in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Einerseits stellen die neuen gesetzlichen Regelungen börsennotierte Gesellschaften vor große Herausforderungen, die ihrerseits Anforderungen im Konzernverbund an Mittelständler weiterreichen. Andererseits eröffnen sie Unternehmen neue Chancen – insbesondere bei der Investorenansprache.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

In der Praxis gibt es zwar nicht wenige Unternehmen, die eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung schon seit vielen Jahren praktizieren. Dennoch versäumen es gerade kleinere Gesellschaften nach wie vor, das sich bietende Potenzial zu nutzen. Dies ist ein Kernergebnis, das am 24.9.2019 in Auswertung der Studie „Nachhaltig gut berichten! – Verdrängt die CSR-Berichtspflicht die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung?“ von der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Kirchhoff Consult AG bekannt gegeben wurde.

In dieser Studie wurde die nichtfinanzielle Berichterstattung im DAX160 eingehend analysiert: Bei der freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattung zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Indizes:

  • Nur 50% der SDAX-Unternehmen veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht.
  • Bei den DAX30- bzw. MDAX-Gesellschaften liegt der Anteil derjenigen Unternehmen, die keinen Nachhaltigkeitsbericht publizieren, bei 7% bzw. 25%. Damit verschenken diese Gesellschaften großes Potenzial bei der Investorenansprache.

Klaus Rainer Kirchhoff, Founder und CEO der Kirchhoff Consult AG, bringt die Problematik in der Mitteilung vom 24.9.2019 wie folgt auf den Punkt: „Nachhaltigkeit ist heute nicht mehr ‚nice to have’, sondern ein unabdingbares ‚must have’. Immer mehr Investoren legen ihr Geld vor allem unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens an. Dies stellt auch viele Vertreter der DAX160-Unternehmen vor neue Herausforderungen, denen sie derzeit nur bedingt gerecht werden.“

 

 

Lösung

Festgestellt wurde, dass die neue gesetzliche CSR-Berichtspflicht die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht verdrängt hat. Sie wird vielmehr in die freiwillige Berichterstattung integriert und wirkt ergänzend: Mit 67% (Vorjahr: 64%) aller DAX160-Unternehmen berichten nahezu unverändert viele Gesellschaften zusätzlich zur gesetzlichen Verpflichtung freiwillig über ihre Nachhaltigkeitsleistung. Experten wie z.B. Ellen Simon-Heckroth (Partnerin bei der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) gehen davon aus, dass sich der Anteil in den nächsten Jahren weiter steigern wird. Bemerkenswert sei, dass sowohl die gesetzliche als auch die freiwillige nichtfinanzielle Berichterstattung in zunehmendem Ausmaß einer externen Prüfung unterzogen werde: „In über 95% der Fälle wurden Wirtschaftsprüfer mit den Prüfungen der Berichterstattung beauftragt.“

Im Detail bestehen erhebliche Unterschiede bei der Art und Weise der Berichterstattung, so beispielsweise in der Anwendung eines Rahmenwerks zur Berichterstattung oder der Berücksichtigung der unternehmensindividuell wesentlichen SDGs (17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung = Sustainable Development Goals). Während über 90% der DAX30- und MDAX-Unternehmen nach der Global Reporting Initiative (GRI) berichten, tun dies nur rund 70% der SDAX-Unternehmen, wovon 1/3 die schwächste Form „Referenced“ in ihrer Kommunikation nutzen, und lediglich 36% beziehen die SDGs in ihre Kommunikation ein. Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzdebatten wird das SDG Nr. 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ der Studie zufolge in 80% der Fälle als relevant eingestuft.

 

 

Praxishinweise:

  • Ein CSR- bzw. Nachhaltigkeitsreporting (siehe zur BC-Vorberichterstattung u.a. unter https://rsw.beck.de/cms/main?docid=418222) ist zunehmend gefragt. Denn in – der sehr begrüßenswerten – Abkehr vom einseitigen Shareholder-Value-Postulat der letzten Jahrzehnte hat sich in den letzten Jahren das Streben nach einem Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Interessen immer häufiger vom Nischendasein zum festen Bestandteil unternehmerischen Handelns entwickelt. Konsequenterweise ist die Veröffentlichung von Informationen über die eigene Nachhaltigkeitsleistung für viele Unternehmen mittlerweile selbstverständlich und wird als reputationsfördernde Kommunikation angesehen. Der deutlich zunehmende Erwartungsdruck von Kunden, Investoren, Mitarbeitern und weiteren Stakeholdern veranlasst Unternehmen dazu, freiwillig über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit zu berichten.
  • Zusätzlich sind bestimmte (größere) Unternehmen aufgrund des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes nunmehr zum zweiten Mal verpflichtet, in ihrem (Konzern-)Lagebericht eine nichtfinanzielle (Konzern-)Erklärung abzugeben oder einen gesonderten nichtfinanziellen Bericht vorzulegen.
  • Mit der CSR-Berichterstattung befasste oder daran interessierte Controller und Bilanzbuchhalter können weiterführende Informationen zu der Studie unter https://www.bdo.de/de-de/insights-de/weitere-veroffentlichungen/studien/nachhaltig-gut-berichten abrufen. In der Studie erfahren Sie, welche Form der Berichterstattung die Unternehmen bevorzugen, wie viele wesentliche Themen nach welchen Reportingstandards adressiert werden und ob eine Prüfung von Inhalten bzw. Kennzahlen durch unabhängige Dritte erfolgt.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 11/2019