ICV Controlling Excellence Award 2019


 

Die Digitalisierung stellt sehr hohe Anforderungen an das Controlling und Reporting. Mit dem diesjährigen ICV Controlling Excellence Award wurden neue Lösungen der Unternehmenssteuerung, zum Aufbau einer Finanzierungsplattform und für das Beschaffungscontrolling ausgezeichnet.

 

Praxis-Info!

 

Hintergrund

Am 13.5.2019 ist in München auf der europaweit führenden Controlling-Fachtagung der „ICV Controlling Excellence Award 2019“ an die Unitymedia GmbH verliehen worden. Die Jury-Entscheidung orientiert sich am gemeinsamen Controllerleitbild des ICV und der International Group of Controlling (IGC). Eine vorbildliche Controllerarbeit liegt demnach dann vor, wenn Controller damit eine spürbare Veränderung erzielen, die Lösung praxiserprobt ist und diese Veränderung nicht nur das Controlling selbst betrifft, sondern das Unternehmen auch insgesamt erfolgreicher macht. Die Veränderung muss zudem von den Controllern intern erarbeitet worden und innovativ sein.

 

 

Lösung

Der ICV (Internationaler Controller Verein) zeichnet alljährlich vorbildliche Controllerarbeit in Unternehmen und anderen Organisationen aus. Die Jury unter Leitung des ICV-Kuratoriumsvorsitzenden, Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber (Otto Beisheim School of Management, Institut für Management und Controlling, Vallendar), war mit der Qualität der Einreichungen, zumeist „passend für die Digitalisierungs-Zeit“, sehr zufrieden.

Ausgezeichnet wurde auf dem 44. Congress der Controller die Lösung: „Value Steering Roadmap, Etablierung einer wertorientierten Steuerung bei Unitymedia“. Auf den weiteren Plätzen folgten Munich RE und Metro AG.

Bei der Unitymedia-Lösung würdigte die Jury, wie die Idee der Steuerung nach Kundenwert umgesetzt wurde. Bislang sei im Unternehmen über Produkte gesteuert worden, ohne den Verbund der Produkte bei den Kunden zu berücksichtigen. Bei der Umstellung seien diverse systembezogene Schwierigkeiten bewältigt sowie agile Techniken genutzt und modifiziert worden.

Unitymedia in Köln ist einer der führenden Kabelnetzbetreiber in Deutschland und eine Tochter von Liberty Global. „Strom“ (Steering Roadmap) ist ein Gemeinschaftsprojekt des Controllings und der Business Units mit dem Ziel, eine wertorientierte Steuerung zu etablieren. Neue Perspektiven sind zu schaffen, um Unitymedia eine den aktuellen Marktentwicklungen entsprechende Steuerung zu ermöglichen. Dies erfordert ein Ersetzen des mengengetriebenen Kapitaleinsatzes durch einen wertgenerierenden Kapitaleinsatz. Voraussetzung dafür ist, dass vor dem gezielten Einsatz von Kapital der zu erwartende Mehrwert dieser Transaktion bekannt ist. Aus dem datengetriebenen Projekt „Strom“ wird die Basis für eine standardisierte wertorientierte Steuerung erarbeitet.

Neben dem Primärziel, kundenwertorientiert zu steuern, vereint das Datenmodell alle relevanten Businesstreiber unter einem Dach im Controlling. Das Steuerungsinstrument schafft Transparenz und versetzt Unitymedia in die Lage, aus verschiedenen Dimensionen relevante Fragestellungen zu beantworten.

Durch eine wertorientierte Provisionierung können so große Einsparpotenziale freigesetzt werden. Hauptmotivation ist dabei, zu verstehen, welche Kundenereignisse den Wert des Kunden beeinflussen und mit welchen Kenngrößen diese Veränderungen optimiert werden können.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Auf Platz zwei landete die Lösung der Munich RE zum Aufbau einer „Digital Finance Plattform“. Diese wurde von der Jury als „sehr gut ausgearbeitet“ und als ein „erfolgreiches Digitalisierungsprojekt“ bewertet. Die Lösung habe mehr wegen der erreichten Breite als wegen einzelner innovativer Ideen überzeugt, ebenso die Professionalität des Ansatzes, der u.a. auch eine Evaluation und sehr sinnvolle nächste Schritte enthalte. Mit einem interdisziplinären Team aus IT- und Controllingexperten wurde eine virtuelle Datenplattform („Digital Finance Platform“) entwickelt, die eine vollautomatisierte Datenübernahme aus verschiedenen unternehmensinternen und -exernen Datenquellen (z.B. SAP BW,  Bundesbank) in die analytischen Modelle ermöglicht. Die Analyseergebnisse können damit automatisiert erstellt und mit einem einzigen „Click“ in einer Datenbank gespeichert sowie dem Vorstand in Echtzeit über ein Dashboard zugänglich gemacht werden.
  • Das Thema der drittplatzierten Metro-Lösung lässt sich funktional dem Beschaffungscontrolling zuordnen, das bislang laut dem Jury-Vorsitzenden Prof. Weber eher unterbelichtet sei. Hier wird das Thema „Datenqualität“ fokussiert; neben internen Vereinfachungen würden mit der Lösung neue zusätzliche Erlöse möglich. „Damit ist die Arbeit geradezu ein Idealfall für die Digitalisierung: Interne Prozessverbesserungen können zu neuen Geschäften führen.“ Das Projektziel bestand darin, eine Markenauflistung zu schaffen, die sämtliche Informationen abbildet, um so ein schnelles, einfacheres Reporting zu erstellen, Datenweiterverarbeitung zu ermöglichen und einen globalen Blick auf die Markenperformance der einzelnen Produkte zu erhalten, und zwar sowohl für Metro als auch für die Lieferanten. Die Lösung besteht in einem Tool mit konsistenten Markeninformationen, das mit der Artikellistung im Warenwirtschaftssystem verknüpft ist. Das vom Controlling entwickelte Brand-Data-Management-Tool (BDM-Tool) führt alle wesentlichen Markeninformationen zusammen. Diese sind ein wichtiger Bestandteil aller digitalen Interaktionen mit den Kunden. Das gesamte Unternehmen profitiert von dem Projekt, lokal und international, indem das Single-Brand-Attribut direkt im Quellsystem den Nutzen für alle Abteilungen sichert.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, Coesfeld

 

 

BC 6/2019