Jahresabschlussfeier der Abteilung Rechnungswesen und Controlling: Bewirtungsaufwendungen


FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.2.2009, 5 K 1666/08 (rkr.)
  1. Ein Abteilungs- bzw. Bereichsleiter kann Bewirtungskosten für die Jahresabschlussfeier seiner Abteilung in vollem Umfang als Werbungskosten abziehen, wenn diese Kosten beruflich veranlasst sind.
  2. Die Abzugsbeschränkung für Betriebsausgaben nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG (Bewirtung aus geschäftlichem Anlass) greift nicht, wenn ein Arbeitnehmer aus beruflichem Anlass Aufwendungen für die Bewirtung von Arbeitskollegen trägt.

 

 

Praxis-Info!

 

 

Problemstellung

 

Im Streitjahr 2006 machte ein kaufmännischer Leiter (nichtselbstständig tätig) unter Vorlage einer Rechnung des Restaurants Bewirtungskosten in Höhe von 262,60 € als Werbungskosten geltend, mit dem Hinweis „Jahresabschlussveranstaltung mit eigener Abteilung“.

Das Finanzamt berücksichtigte die Bewirtungskosten im Einkommensteuerbescheid für 2006 nicht.

 

 

Lösung

 

Die geltend gemachten Bewirtungskosten sind in voller Höhe als Werbungskosten bei den Einkünften des kaufmännischen Leiters aus nichtselbstständiger Arbeit abzugsfähig.

Bewirtungsaufwendungen zählen dann zu den Werbungskosten eines Arbeitnehmers, wenn es sich um Aufwendungen aus beruflichem Anlass und nicht für die Lebensführung handelt. Eine berufliche Veranlassung ist gegeben, wenn die Aufwendungen objektiv mit dem Beruf zusammenhängen und subjektiv zu dessen Förderung erbracht werden.

Neben dem Anlass einer Feier ist für die Zuordnung der Aufwendungen zum beruflichen oder privaten Bereich von Bedeutung,

  • wer als Gastgeber auftritt,
  • wer die Gästeliste bestimmt,
  • ob es sich bei den Gästen um Kollegen, Geschäftsfreunde oder Mitarbeiter (des Steuerpflichtigen oder des Arbeitgebers), um Angehörige des öffentlichen Lebens, der Presse, um Verbandsvertreter oder um private Bekannte oder Angehörige des Steuerpflichtigen handelt,
  • an welchem Ort die Veranstaltung stattfindet,
  • ob sich die finanziellen Aufwendungen im Rahmen vergleichbarer betrieblicher Veranstaltungen bewegen und
  • ob das Fest den Charakter einer privaten Feier aufweist oder eben nicht.

Im vorliegenden Fall spricht für die berufliche Veranlassung der Feier, dass es sich um eine „Jahresabschlussfeier der Abteilung Finanzrechnungswesen und Controlling“ gehandelt hat, die während der Arbeitszeit stattfand. Außerdem waren dabei ausschließlich Kollegen bzw. Mitarbeiter des kaufmännischen Leiters geladen.

Darüber hinaus bestätigte der Arbeitgeber, die Durchführung der Jahresabschlussveranstaltungen im gesamten Unternehmen werde – zur Vermeidung von Ungleichbehandlungen aus organisatorischen Gründen – von den Abteilungs- bzw. Bereichsleitern selbst organisiert und finanziert (keine Bezuschussung durch das Unternehmen).

Ein weiteres Anzeichen für die berufliche Veranlassung ist in den variablen Bezügen des kaufmännischen Leiters zu sehen, dessen Entlohnung somit vom Erfolg seiner Arbeit abhängt. Demzufolge kann die Bewirtung auch als Belohnung der Mitarbeiter im Rechnungswesen und Controlling für besondere Leistungen angesehen werden.

 

Praxishinweise:

  • Eine private Veranlassung einer Jahresabschlussfeier wie im vorliegenden Streitfall kann jedoch unter Umständen angenommen werden, wenn die Feier auch in den vorangegangenen Jahren kurz vor (oder kurz nach) dem Geburtstag des kaufmännischen Leiters stattgefunden hätte.
  • Handelt es sich um Aufwendungen für die Bewirtung von Personen aus geschäftlichem Anlass – insbesondere zur Anbahnung von Geschäftsbeziehungen –, sind lediglich 70% der Ausgaben abzugsfähig (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG).
  • Die strengen Nachweis-Anforderungen (Angaben zu Tag, Ort, Teilnehmer, Anlass; Höhe der Aufwendungen) bei den Bewirtungen aus geschäftlichem Anlass werden von der Finanzverwaltung erfahrungsgemäß auch bei den Bewirtungen aus beruflichem Anlass im Bereich der Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit angewendet. Sie finden allerdings nur insofern Anwendung, als der Arbeitnehmer selbst als Bewirtender auftritt und nicht nur mittelbar an den Kosten beteiligt wird. Dennoch ist es ratsam, den strengen Nachweiserfordernissen zur einfacheren Nachprüfbarkeit nachzukommen. Bei der Bewirtung in einer Gaststätte genügen Angaben zum Anlass und zu den Teilnehmern der Bewirtung; die Rechnung über die Bewirtung ist beizufügen.

 

[Anm. d. Red.]
 
 
Heft 10/2009