Steuerberatungskosten: Wegfall des Sonderausgabenabzugs ab 2006


OFD Koblenz, Kurzinformation vom 15.1.2007, S 2350 A – St 32 3

Die Abziehbarkeit von Steuerberatungskosten als Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG wurde mit Wirkung ab Veranlagungszeitraum 2006 (VZ 2006) aufgehoben (Gesetz zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm vom 22.12.2005, BStBl. I 2006, S. 79, vgl. BC 2/2006, S. VIII, hier). Davon unberührt bleibt die Berücksichtigung von Steuerberatungskosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten.

Es ist geplant, ein BMF-Schreiben zur Zuordnung von Steuerberatungskosten zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Kosten der Lebensführung herauszugeben. Bis dahin sind die allgemeinen Zuordnungs- und Abgrenzungskriterien zu beachten, d. h.,

  • für die Berücksichtigung von Sonderausgaben ist das Abflussprinzip maßgeblich. Daher können Steuerberatungskosten, die nach dem 31.12.2005 gezahlt werden, steuerlich nicht mehr als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Dabei ist unerheblich, für welchen Zeitraum sie angefallen sind.
  • für einheitliche Aufwendungen, die sowohl den Bereich der Einkünfte als auch den der Lebensführung betreffen (§ 12 Nr. 1 Satz 2 EStG), bedarf es für die Berücksichtigung bei den Einkünften eines objektiven Aufteilungsmaßstabs (vgl. R 12.1 EStR 2005). Die in R 10.8 Satz 2 EStR 2005 enthaltene Vereinfachungsregel, wonach bei Aufwendungen bis 520 € der Zuordnung des Steuerpflichtigen gefolgt wird, ist mit Wirkung ab VZ 2006 nicht mehr anwendbar. Denn die Vereinfachungsregel betrifft das Verhältnis von Sonderausgaben (und nicht Kosten der Lebensführung) zu Betriebsausgaben/Werbungskosten.
  • dass von Steuerpflichtigen erhobene Mitgliedsbeiträge der Lohnsteuerhilfevereine mangels objektiven Aufteilungsmaßstabs gänzlich dem Bereich der Lebensführung zuzuordnen sind. Denn die Erhebung von Beiträgen hat bei allen Mitgliedern grundsätzlich in gleichem Umfang zu erfolgen und kann allenfalls aufgrund sozialer Aspekte gestaffelt sein. Sie ist jedoch unabhängig von der Beratungsleistung und sagt daher nichts über den Umfang und Aufwand der Beratungsleistung aus. Auch ist es den Lohnsteuerhilfevereinen nicht gestattet, daneben ein besonderes Entgelt zu erheben (vgl. § 14 Abs. 1 Nr. 5 StBerG sowie gleichlautender Ländererlass vom 30.5.1990, BStBl. I, S. 244).

 

Praxis-Info!

Zwischenzeitlich ist zwar ein BMF-Schreiben (vom 17.4.2007, IV C 8 – S 2301/07/0002) zum Abzug der Steuerberatungskosten ergangen; es bezieht sich allerdings lediglich auf die Anwendung eines EuGH-Urteils (vom 6.7.2006, C-346/04, „Conijn“). Danach dürfen beschränkt Steuerpflichtige für Veranlagungszeiträume bis einschließlich 2005 den Sonderausgabenabzug von Steuerberatungskosten vornehmen, soweit er bislang ausgeschlossen war. Voraussetzung: Der beschränkt Steuerpflichtige ist Staatsangehöriger eines EU-Mitgliedstaates oder eines Staates, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, und hat im Hoheitsgebiet eines dieser Staaten seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt.

Ab Veranlagungszeitraum 2006 ist dagegen (aufgrund des Wegfalls von § 10 Abs. 1 Nr. 6 EStG) der Sonderausgabenabzug für Steuerberatungskosten sowohl bei unbeschränkt als auch bei beschränkt Steuerpflichtigen gleichermaßen ausgeschlossen.

 

Vertiefungshinweis:

Welche Aufwandsarten vom Sonderausgabenabzugsverbot für Steuerberatungskosten im Einzelnen betroffen sind und inwieweit sich diese noch als Werbungskosten abziehen lassen, finden Sie in dem Beitrag aus BC 2/2006, S. VIII, hier .

 

[Anm. d. Red.]

BC 5/2007