Arbeitgeberdarlehen: Maßgebender lohnsteuerlicher Zinssatz


FG Köln, Urteil vom 10.3.2005, 10 K 999/01 (Revision zugelassen)
Das Finanzamt darf keinen geldwerten Vorteil als Arbeitslohn ansetzen, wenn der Zinssatz für ein Arbeitgeberdarlehen zwar unter dem vorgegebenen Zinssatz von 5% (gemäß R 31 Abs. 11 LStR), aber nicht unter dem Marktniveau liegt. Die Finanzverwaltung muss den pauschalierten Satz zumindest jährlich anpassen, damit er noch als maßgeblich gelten kann. [Leitsatz d. Red.]


Praxis-Info!

Gewährt der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein zinsloses oder zinsgünstiges Darlehen, gehört der Zinsvorteil als geldwerter Bezug zum Arbeitslohn, wenn (gemäß R 31 Abs. 11 LStR)

  • der Effektivzins für das Darlehen 5% (bis 2003: 5,5%) unterschreitet und

  • die noch offene Kreditsumme am Ende des Lohnzahlungszeitraums mehr als 2.600 € beträgt.

Nach Auffassung des FG Köln ist dieser Ansatz dann nicht anzuwenden, wenn der allgemeine Marktzins unter dem von der Finanzverwaltung vorgegebenen Prozentsatz liegt.

Im Streitfall betrug der Zinssatz für das Arbeitgeberdarlehen nominal 4,88% und effektiv 4,99% (Zinsbindung: 10 Jahre). Der Arbeitgeber versteuerte Zinsvorteile von 1,01%, da der lohnsteuerliche Satz im Jahr 1999 noch bei 6% lag. Im maßgeblichen Zeitraum berechnete hingegen die Bundesbank durchschnittliche Effektivzinssätze zwischen 4,86% und 5,80%. Demnach lag der gewährte Zinssatz im durchschnittlichen Rahmen.

Schlussfolgerungen: Der von der Verwaltung festgesetzte durchschnittliche Zinssatz, bei dessen Unterschreiten ein geldwerter Vorteil angenommen werden kann, müsse sich (so das FG) regelmäßig am Marktniveau orientieren. Wegen der Schwankungen am Kapitalmarkt ist dieser jährlich zu überprüfen und realitätsnah festzusetzen.

Da dies nicht geschehen ist, binden die LStR das Gericht nicht. Daher sind die Sätze laut Bundesbank maßgebend; ein geldwerter Vorteil in Form eines zinsverbilligten Darlehens war somit nicht gegeben.


Praxishinweise:

Mit Blick auf die derzeitig niedrige Zinsphase am Kapitalmarkt hat dieses Urteil besondere Bedeutung; denn die Hypothekenzinsen sind aktuell so niedrig wie nie zuvor. Ein fünfjähriges Darlehen beispielsweise ist für deutlich unter 4% Effektivzins erhältlich.

Sofern Arbeitgeber zu diesen günstigen Konditionen ein Darlehen ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen, sollten sie ihre Mitarbeiter auf die Zinslücke (Differenz bis zu 5% gemäß den LStR) hinweisen. Arbeitnehmer sollten ihre Einkommensteuerbescheide in dieser Hinsicht offen halten.


Sofern der lohnsteuerlich maßgebliche Zinssatz nicht zur Anwendung kommt, stellt sich die Frage: Welcher Zinssatz (Referenzzins) ist zu Grunde zu legen – der von der Bundesbank ermittelte bundesweite Wert oder lediglich der in der näheren Umgebung des Arbeitnehmers übliche Wert? Dies bedarf noch der höchstrichterlichen Klärung. [Anm. d. Red.]