Verbilligte Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio als geldwerter Vorteil


FG Bremen, Urteil vom 23.3.2011, 1 K 150/09 (6)

 

  1. Ermöglicht der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern mit dem Abschluss eines Firmenfitnessvertrags vergünstigte Mitgliedschaften in einem Fitnessstudio, so führt dies zu einem lohnsteuerpflichtigen geldwerten Vorteil.
  2. Die monatliche 44-€-Freigrenze für Sachbezüge nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG ist anwendbar, wenn sie nicht schon anderweitig ausgeschöpft ist.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Bei Zuwendungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer stellt sich immer wieder die Frage, ob es sich um einen zu Arbeitslohn führenden geldwerten Vorteil oder um eine nicht steuerpflichtige Leistung im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers handelt.

Im Streitfall ging es um die Frage, ob und – wenn ja – in welcher Höhe die Verschaffung von vergünstigten Mitgliedschaften durch den Arbeitgeber zugunsten seiner Arbeitnehmer in verschiedenen Trainings- und Gesundheitseinrichtungen zu Arbeitslohn führt. Die Mitgliedschaft beinhaltete Gerätenutzung, Fitnesskurse, Sauna, Squash, Badminton sowie das „all you can drink – Angebot“. Die Arbeitnehmer leisteten für die vergünstigte Mitgliedschaft monatlich eine Eigenbeteiligung an ihren Arbeitgeber.

Im Gegensatz zum Arbeitgeber sah das Finanzamt in der Verschaffung der vergünstigten Mitgliedschaften in dem Fitnessstudio einen geldwerten Vorteil und erließ im Anschluss an die Lohnsteuer-Außenprüfung einen Nachforderungsbescheid über Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag nach § 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.

 

 

Lösung

Das Finanzgericht Bremen hat die Auffassung des Finanzamts bestätigt und die Klage des Arbeitgebers abgewiesen. Allein die Aussage des Arbeitgebers, die Gesundheit der Mitarbeiter stelle einen wesentlichen betrieblichen Wert dar, führe nicht zu einem ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers. Die Zuwendung sei nicht darauf ausgerichtet, drohende berufsbedingte Krankheiten zu vermeiden. Vielmehr dienen die Maßnahmen allgemein der körperlichen Ertüchtigung und Regeneration.

Das Interesse der Arbeitnehmer an der Zuwendung sei somit nicht unerheblich und trete daher gegenüber dem Interesse des Arbeitgebers nicht in solch einer Weise in den Hintergrund, dass es zu vernachlässigen sei. Auch die Trennung einer solch einheitlichen Zuwendung in Arbeitslohn und betriebliches Eigeninteresse scheide aus.

 

 

Praxishinweise:

  • Für die Bestimmung der Höhe des geldwerten Vorteils ist der Betrag maßgebend, den ein Privatkunde aufgrund eines Einzelvertrags zu zahlen hätte (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG); auf Gruppenverträge mit besonderen Tarifvergünstigungen kann nach Ansicht des Gerichts nicht abgestellt werden. Von dem Preis des Einzelvertrags ist ein Bewertungsabschlag von 4% vorzunehmen (R 8.1 Abs. 2 Satz 9 LStR) und anschließend die Zuzahlung des Arbeitnehmers (= Eigenbeteiligung) abzuziehen; ein höherer Abschlag als 4% kommt nur dann in Betracht, wenn dargelegt werden kann, dass Privatkunden üblicherweise einen höheren Rabatt erhalten.
    Beispiel: Zahlt der Arbeitnehmer bei einem Preis für Privatkunden von 100 € lediglich 52 € monatlich, ergibt sich ein geldwerter Vorteil von 44 € monatlich (100 € abzüglich 4% = 4 € abzüglich 52 €); die 44-€-Freigrenze für Sachbezüge ist nicht überschritten, der Vorteil ist steuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Stellt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern auf seine Kosten im Betrieb einen Fitnessraum zur Verfügung, so handelt es sich um eine nicht steuer- und sozialversicherungspflichtige Leistung im ganz überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers, da auch die Finanzverwaltung lediglich von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen ausgeht.
  • Seit 2008 sind die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbrachten Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung steuer- und sozialversicherungsfrei, soweit sie je Arbeitnehmer 500 € jährlich nicht übersteigen (§ 3 Nr. 34 EStG). Allein die Übernahme oder die Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen an einen Sportverein oder ein Fitnessstudio fällt aber nicht unter diese Steuerbefreiungsvorschrift.
  • Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu Benzingutscheinen/Tankkarten liegt ein Sachbezug auch dann vor, wenn eine Zahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer mit der Auflage verbunden wird, den empfangenen Geldbetrag in einer bestimmten Weise zu verwenden (z.B. zur Bezahlung eines Mitgliedsbeitrags in einem Verein; vgl. BFH-Urteile vom 11.11.2010, BStBl. 2011 II, S. 383, 386, 389 u.a. zu zweckgebundenen Geldzuwendungen – siehe hier).
 

Dipl.-Finanzwirt (FH) Jürgen Plenker

 

BC 10/2011