Eigenkapitalstärkung mittels Beteiligungskapital


 

Die sog. 2. Corona-Welle läuft länger als erwartet, da die am 28.10.2020 beschlossenen und seit dem 2.11.2020 geltenden Maßnahmen das Infektionsgeschehen noch nicht ausreichend eindämmen. Die Liquiditätsprobleme vieler Unternehmen nehmen damit nochmals zu. Neben den weiterlaufenden Überbrückungshilfen und der sog. November-Hilfe 2020 könnte für Finanzverantwortliche auch ein in der Fachpresse bisher nicht so stark hervorgehobener Ansatz interessant sein, der die Eigenkapitalstärkung über Beteiligungsangebote des Bundes speist.

 

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die meisten Unternehmen des Mittelstands verfügten bis zum März 2020 in der Regel über eine gute Eigenkapitalausstattung. Viele von ihnen sind jetzt aber von starken Umsatzeinbrüchen durch die Corona-Pandemie betroffen, die auch deren Eigenkapitalsituation zunehmend belasten. Um die Auswirkungen der Corona-Krise im Mittelstand abzufedern, hatte sich der Bund neben den mehr im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehenden Überbrückungshilfen auch zum Ziel gesetzt, die Rekapitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) über Beteiligungsangebote zu fördern. Dazu wurde nun gemäß BMF-Mitteilung vom 26.11.2020 beschlossen, die bereits bestehenden Angebote der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) in Kooperation mit den Bundesländern deutlich auszubauen. Ziel ist es, die Eigenkapitalbasis von Mittelständlern zu stärken.

 

 

Lösung

Zu diesem Zweck haben das Bundesfinanzministerium (BMF) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhebliche Erleichterungen für die Übernahme von Beteiligungen durch die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften beschlossen. Dafür wurden die Rückgarantieerklärungen des Bundes angepasst und verbessert. Mit dieser Rekapitalisierungsinitiative sollen vor allem die Unternehmen unterstützt werden, die trotz eines erfolgreichen Geschäftsmodells durch Corona in Finanznöte geraten sind, aber eine positive Fortführungsperspektive vorweisen.

MBGen bieten Beteiligungskapital als eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Bankkredit an. Mit einer Beteiligungsfinanzierung (zumeist in Form einer stillen Beteiligung) lässt sich die wirtschaftliche Eigenkapitalquote erhöhen und die Bilanzrelation von Existenzgründern sowie schon länger agierenden KMU verbessern. Zusammen mit der eigenkapitalstärkenden Wirkung des Kurzarbeitergelds, den Überbrückungshilfen sowie den November-/Dezemberhilfen und der Unterstützung von KMU über die Säule II des Start-up-Programms besteht nun insgesamt eine breite Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen auf der Eigenkapitalseite.

Damit möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen von den Programmverbesserungen profitieren können und insoweit der coronabedingte Eigenkapitalverzehr kompensiert werden kann, werden gemäß den Erläuterungen vom 26.11.2020 (siehe hier) die in der Tabelle aufgeführten Maßnahmen ab sofort umgesetzt.

 

 

Maßnahmen für den Einsatz von Beteiligungskapital als Ergänzung zum klassischen Bankkredit

Maßnahme

Ausgestaltung

Anhebung der Regelobergrenze

Die bisherige Regelobergrenze für stille Beteiligungen wird von 1 Mio. € auf 2,5 Mio. € erweitert.

Zustimmungserfordernis

Das bisher in der Entscheidung notwendige Zustimmungserfordernis durch den Bund bei Überschreitung des bisherigen Regelbetrags entfällt.

Mittelverwendung

Die Verwendung der über Beteiligungskapital bereitgestellten Mittel ist flexibel für jeglichen Finanzierungsbedarf möglich, z.B. auch für Betriebsmittelfinanzierungen.

Erhöhung von Rückgarantien

Durch erhöhte Rückgarantien von Bund und Land gegenüber den Bürgschaftsbanken reduziert sich das Eigenrisiko der MBGen, was eine aktive Förderung mittelständischer Unternehmen mit Eigenkapital auch in schwierigen Zeiten erleichtert.

Kumulation

Die Kombination mit anderen Hilfsprogrammen soll ausdrücklich erlaubt sein, insbesondere auch mit dem KfW-Schnellkredit.

 

 

 

 

Praxishinweise:

  • Interessierte Bilanzbuchhalter und Controller sowie sonstige Experten aus dem Bereich der kaufmännischen Führung können sich auf den Homepages der mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in den einzelnen Bundesländern informieren. Eine Übersicht findet sich unter www.vdb-info.de/mitglieder (beispielsweise für Bayern die Bürgschaftsbank Bayern GmbH, die BGG Bayerische Garantiegesellschaft mbH für mittelständische Beteiligungen und die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH; in NRW sind es die Bürgschaftsbank Nordrhein-Westfalen GmbH und die Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen mbH – KBG).
  • Eine aktuelle Übersicht der verschiedenen Corona-Liquiditätshilfen ist dem WPK-Newsletter vom 26.11.2020 zu entnehmen. Dort wird u.a. dazu berichtet, dass die Coronavirus-Überbrückungshilfe II als Überbrückungshilfe III bis Ende Juni 2021 verlängert und erweitert wurde (besondere Unterstützung für Solo-Selbstständige) und dass die außerordentliche Wirtschaftshilfe November/Dezember 2020 nun mit Abschlagszahlungen startet (zum Thema siehe auch den Bericht über BMF-Informationen vom 5.11.2020).
  • Da es sich in der Regel um stille Beteiligungen handelt, dürften Befürchtungen, der Staat wolle sich so indirekt über Mitspracherechte in die Geschäftsführung einbringen, zumeist unbegründet sein. Im Übrigen darf nicht übersehen werden, dass in Zeiten von Finanznöten und sich verschlechternden Eigenkapitalrelationen herkömmliche Bankfinanzierungen nicht nur teurer, sondern auch – z.B. über entsprechende Financial Covenants (d.h. die Einhaltung bestimmter Bilanzrelationen) – beobachtungsintensiver werden. Das wiederum lässt sich mit dem englischen Politiker und Schriftsteller George Savile auch als Selbstschutz verstehen: „Ein Mensch passt am besten auf sich auf, wenn ihn auch andere beobachten.“ Dieses Zitat des First Marquess of Halifax, der von 1633 bis 1695 unbeeinflusst von Corona-Sorgen lebte, führt direkt zum nun coronabedingt leider besonders aktuellen Schluss-Appell: Passen Sie gut auf sich – und Ihre Geschäfte – auf!

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

 

BC 12/2020