Liquiditätsplanung: Kostenloser Bonitätsnachweis für Hilfskredite


 

Damit Unternehmen in der Corona-Krise an die von der Bundesregierung beschlossenen und von der staatlichen Förderbank KfW bereitgestellten Fördermittel kommen, müssen sie einen Antrag über ihre Hausbank stellen. Eine Voraussetzung für die Bewilligung der Darlehen ist, dass das Unternehmen vor der Corona-Krise wirtschaftlich gesund war und jetzt nur wegen der Auswirkungen der Pandemie Kreditbedarf hat. Ein kostenloses Creditreform-Angebot könnte vielen schnell und sicher helfen.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die Bundesregierung hat ein Bündel an Maßnahmen beschlossen, um die Wirtschaft angesichts der Corona-Krise mit Blick auf die Liquiditätssicherung zu unterstützen. Nach den Erstmaßnahmen im März 2020 (siehe im BC-Newsletter vom 12.3.2020) wurde ein weiteres Programm aufgelegt, um kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland mit weitreichenden Kredithilfen zu unterstützen. Beantragt und abgewickelt werden diese Kredite über die Hausbanken der Unternehmen. Das neue Programm basiert auf dem von der EU-Kommission veröffentlichten angepassten Beihilferahmen (Temporary Framework, siehe tabellarische Erläuterung); es wendet sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise jetzt sehr schnell Unterstützung benötigen.

 

 

 

Erweiterter EU-Rahmen für staatliche Beihilfen

Die EU-Kommission unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Bewältigung der Corona-Viruskrise. Ein bereits am 19.3.2020 erlassener sog. „Befristeter Rahmen für staatliche Beihilfen zur Stützung der Wirtschaft“ wurde nun gemäß EU-Mitteilung vom 6.4.2020 geändert und erweitert. Insbesondere erfolgte eine Erweiterung bestehender Formen der Unterstützung, die die EU-Mitgliedstaaten Unternehmen in Not gewähren können. Die Änderung erweitert den befristeten Rahmen um weitere fünf Arten von Beihilfemaßnahmen:

  • Unterstützung für Forschung und Entwicklung (FuE): Zur Bewältigung der derzeitigen Gesundheitskrise können die EU-Mitgliedstaaten Beihilfen in Form von direkten Zuschüssen, rückzahlbaren Vorschüssen oder Steuervorteilen für FuE gewähren, die der Bekämpfung des Corona-Virus und anderer Viren dienen. Bei grenzübergreifenden Kooperationsprojekten mehrerer EU-Mitgliedstaaten ist ein Aufschlag möglich.
  • Staatliche Beihilfen für den Auf- und Ausbau von Erprobungseinrichtungen: Die EU-Mitgliedstaaten können Beihilfen in Form von direkten Zuschüssen, Steuervorteilen, rückzahlbaren Vorschüssen und Verlustausgleichsgarantien zur Unterstützung von Investitionen gewähren, die den Auf- oder Ausbau von Infrastrukturen ermöglichen, die benötigt werden, um Produkte, die für die Bewältigung des Corona-Virusausbruchs gebraucht werden, bis zur ersten gewerblichen Nutzung zu entwickeln und zu erproben. Hierzu gehören Arzneimittel (einschließlich Impfstoffe) und Behandlungen, Medizinprodukte und medizinische Ausrüstung (einschließlich Beatmungsgeräte und Schutzkleidung sowie Diagnoseausrüstung), Desinfektionsmittel sowie Instrumente für die Datenerfassung und -verarbeitung, die für die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus von Nutzen sind. Zur Förderung der Zusammenarbeit und zur Unterstützung raschen Handelns können Unternehmen einen Bonus erhalten, wenn ihr Investitionsvorhaben von mehr als einem EU-Mitgliedstaat unterstützt wird und wenn es innerhalb von zwei Monaten nach Gewährung der Beihilfe abgeschlossen wird.
  • Unterstützung für die Herstellung von relevanten Produkten: Die EU-Mitgliedstaaten können Beihilfen in Form von direkten Zuschüssen, Steuervorteilen, rückzahlbaren Vorschüssen und Verlustausgleichsgarantien zur Unterstützung von Investitionen gewähren, die die rasche Herstellung von Produkten für die Bekämpfung des Corona-Virus ermöglichen. Zur Förderung der Zusammenarbeit und zur Unterstützung raschen Handelns können Unternehmen einen Bonus erhalten, wenn ihr Investitionsvorhaben von mehr als einem EU-Mitgliedstaat unterstützt wird und wenn es innerhalb von zwei Monaten nach Gewährung der Beihilfe abgeschlossen wird.
  • Steuerstundung und/oder Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge: Um durch die Corona-Viruskrise verursachte Liquiditätsengpässe bei Unternehmen weiter zu verringern und Arbeitsplätze zu erhalten, können die EU-Mitgliedstaaten in den Branchen und Regionen oder für die Arten von Unternehmen, die von dem Ausbruch am härtesten getroffen sind, die Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen gezielt stunden. 
  • Lohnzuschüsse für Arbeitnehmer: Um die Auswirkungen der Corona-Viruskrise auf die Arbeitnehmer begrenzen zu helfen, können die EU-Mitgliedstaaten einen Beitrag zu den Lohnkosten der Unternehmen in den Branchen oder Regionen leisten, die am stärksten unter dem Ausbruch des Corona-Virus zu leiden haben und andernfalls Mitarbeiter entlassen müssten.
  • Darlehensgewährung: Darüber hinaus erweitert die Änderung des befristeten Rahmens auch die bestehenden Formen der Unterstützung, die die EU-Mitgliedstaaten Unternehmen in Not gewähren können. Z.B. können die Mitgliedstaaten nun bis zu einem Nennwert von 800.000 € pro Unternehmen zinslose Darlehen oder Garantien für Darlehen zur Deckung von 100% des Risikos gewähren oder Eigenkapital bereitstellen.

 

 

Besonders wichtig ist im Rahmen des „KfW-Schnellkredit 2020“, dass die den Kredit ausreichende Hausbank zu 100% von der Haftung freigestellt ist (siehe auch BMF-Pressemitteilung vom 14.4.2020). Damit schafft die Bundesregierung die Voraussetzungen dafür, dass die Hausbanken die Kredite rasch und unkompliziert bereitstellen können. Dennoch geht es natürlich nicht völlig ohne Prüfvorgänge. Denn es gilt u.a. die Voraussetzung, dass das Unternehmen zum 31.12.2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein darf und bis zu diesem Zeitpunkt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufgewiesen hat.

 

 

Lösung

Der Verband der Vereine Creditreform e.V. (kurz Creditreform) möchte betroffenen Unternehmen hierbei helfen und stellt dafür eine spezielle Bonitätsauskunft kostenfrei zur Verfügung. Nach Angaben vom 8.4.2020 sieht Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, damit die Vermutung erfüllt, dass der jeweilige Kreditbedarf erst durch die Corona-Krise entstanden ist.

Die Auskunft weist mittels Bonitätsindex nach, wie sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens bis zum 31.12.2019 entwickelt hat. Inhalte des Bonitätsnachweises 2019 sind

  • die Firmenidentifikation (Firmierung, Adress- und Kontaktdaten, Identifikationsnummern, Firmenstatus),
  • die Bonitätsentwicklung für das Jahr 2019 (grafische Darstellung im Zeitverlauf mittels Creditreform Bonitätsindex) sowie
  • Strukturdaten (Rechtsform, Geschäftsführung und Vertretungsbefugnisse).

Hintergrund ist, dass die Hausbanken trotz der Ausnahmesituation vorschriftsmäßig prüfen müssen, wie sich die individuelle Lage des Unternehmens derzeit darstellt und wie sie bis zum 31.12.2019 war. Dazu zwingen sie bereits die unverändert gültigen Vorgaben der Bankenaufsicht. Hinzu kommt die gewaltige Antragsflut der vergangenen Tage, die die Prüfkapazitäten der Banken enorm belastet und für einen Bearbeitungsstau sorgt. Der Bonitätsnachweis 2019 wurde speziell für diesen Anlass entwickelt. Nach Bestellung der Auskunft über www.creditreform.de wird diese, so verspricht es Creditreform, innerhalb eines Tages verschickt und kann den Antragsunterlagen für das Kreditinstitut beigelegt werden. Dieser Blick zurück auf den Stichtag 31.12.2019 dürfte für die Kreditinstitute eine zeitsparende Entscheidungshilfe sein.

 

 

 

Praxishinweise:

  • Weiterführende Informationen zum „KfW-Schnellkredit 2020“ stehen online zur Verfügung. Die Praxis hatte zuvor gezeigt, dass aufgrund des Eigenrisikos der Hausbanken bei der Kreditvergabe vor allem mittelständischen Unternehmen Hilfsmaßnahmen verwehrt wurden.
  • Das Kreditvolumen pro Unternehmen beträgt bis zu drei Monatsumsätze des Jahres 2019, maximal 800.000 € für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Mitarbeitern, maximal 500.000 € für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50. Aktuell ist von einem Zinssatz von 3% mit einer Laufzeit von zehn Jahren auszugehen.
  • Erforderlich sind nach Angaben der Wirtschaftsprüferkammer vom 7.4.2020 die Jahresabschlüsse der letzten beiden Jahre. Sofern für 2019 noch kein Jahresabschluss vorliegt, genügt die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) vom Dezember 2019.
  • Zum kostenlosen Bonitätsnachweis finden sich nähere Angaben hier. Dort ist auch das Antragsformular aufrufbar. Der Creditreform-Bonitätsnachweis 2019 kann grundsätzlich von allen deutschen Unternehmen schnell und unkompliziert beantragt werden. Einzige Voraussetzung ist, dass der Bonitätsindex des angefragten Unternehmens zum 31.12.2019 vorgelegen hat.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 5/2020