Herstellungskosten: Umbau eines Großraumbüros in Einzelbüros


FG Düsseldorf, Urteil vom 17.6.2005, 12 K 7052/03 F (Revision beim BFH, Az: IX R 39/05)

Das Einziehen von Zwischenwänden stellt eine Substanzvermehrung dar, wenn es die Vermietbarkeit eines Gebäudes fördert. Die Umbaukosten sind somit als nachträgliche Kosten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands zu behandeln.

[Leitsatz d. Red.]

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Ein Großraumbüro wurde durch den Einbau von Rigips-Zwischenwänden in Leichtbauweise in vier unabhängig voneinander nutzbare Einzelbüros umgebaut. Zugleich wurde die Elektroinstallation erneuert. Dadurch sollte die weitere gewerbliche Vermietung der Räume gewährleistet werden. Die Eigentümerin machte die entstandenen Kosten als sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand geltend. Im Anschluss an eine steuerliche Außenprüfung erklärte das Finanzamt diesen Aufwand als aktivierungsfähige Herstellungskosten.

 

Lösung

Nach Auffassung des Finanzgerichts stellt der Einbau der Rigips-Wände im vorliegenden Fall keine Funktions- oder Wesensänderung des betroffenen Gebäudestockwerks dar. Vielmehr handelt es sich (gemäß § 255 Abs. 2 HGB) um eine Erweiterung, und zwar

  • durch Einfügen von bislang nicht vorhandenen Bestandteilen in das Gebäude (Substanzmehrung) sowie
  • durch längerfristige Erweiterung der Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes.

Unerheblich sei es, ob der nachträgliche Einbau der Zwischenwände einen vergleichsweise geringen bautechnischen Aufwand erfordert (ohne Neuberechnung der Statik). Anders als ein durch schlichte Raumteiler gegliedertes Großraumbüro bieten diese Räume neben einem separaten Zugang die für eine Vermietung an verschiedene Mieter unerlässliche optische, akustische und stromversorgungstechnische Individualität.

Auch die Höhe der Kosten für den Umbau einer Teiletage (im Streitfall lediglich ca. 15.000 €) sei nach Auffassung des Gerichts kein Kriterium, ob Herstellungs- oder Erhaltungsaufwand vorliegen.

Eine damit einhergehende Steigerung oder Minderung der Mieteinnahmen ist dabei unerheblich; sie haben keinen Einfluss auf die Erweiterung der Nutzungsmöglichkeit.

Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn es sich bei den Umbaumaßnahmen um die Vermeidung von Schäden am Gebäude gehandelt hätte.

 

Praxishinweis:

Das FG-Urteil steht im Gegensatz zum BFH-Beschluss vom 21.10.2005 (IX S 16/05, NV, hier). Danach kommt bei einem Einbau in vorhandene Einrichtungen Herstellungsaufwand nur bei einer wesentlichen Verbesserung in Betracht – die mit dem Einbau verbundene (geringfügige) Erweiterung ist somit nur ein zweitrangiges Merkmal.

Aufwendungen für eine reine Umgestaltung von vermieteten Räumen durch Verlegen und Entfernen von Zwischenwänden sind danach nicht als (nachträgliche) Herstellungskosten zu qualifizieren, solange die neu eingefügten Gebäudeteile dem Gesamtgebäude nicht das bautechnische Gepräge geben, z.B. wenn sie verbrauchte Teile ersetzen, die für die Nutzungsdauer bestimmend sind.

Sofern die Baumaßnahme allein für die Vermietbarkeit förderlich ist, können deshalb – entgegen der Ansicht des FG – nicht Herstellungskosten angenommen werden. Dies kommt nach Auffassung des BFH lediglich dann in Betracht, wenn die Baumaßnahme (z.B. im Rahmen eines Umbaus) zu einer Funktions- und Wesensänderung des Objekts führt.

 

[Anm. d. Red.]

BC 8/2006