Weiterhin HGB-Bilanzierung statt ''abgespeckter'' IFRS?


Umfrage-Ergebnisse des BC-Trend-Barometers

Die Entwurfsfassung „IFRS for SMEs“ (Small Medium Sized Entities) führt in ihrer Anwendung nicht notwendigerweise zu einer vollständigen Neuregelung der Bilanzierung im Vergleich zu den bislang geltenden HGB-Vorschriften: Durch entsprechende Ausübung von Wahlrechten kann eine weitgehende Konformität erreicht werden, die sich allerdings beispielsweise bei der Bilanzierung von Fremdwährungsforderungen, Fertigungsaufträgen sowie bestimmten Wertpapieren und Derivaten zurzeit nicht ermöglichen lässt (siehe hierzu Engel-Ciric, BC 6/2007, S. 161 ff.). Es ist auf signifikante Ansatz- und Bewertungsunterschiede zwischen (den bislang geltenden) HGB-Regelungen und den „IFRS for SMEs“ zu achten (siehe Kirsch, BC 6/2007, S. 167 ff.).

Durch den Standardentwurf „IFRS for SMEs“ soll den Rechnungslegungsbedürfnissen der Klein- und mittelständischen Unternehmen besser entsprochen werden. Stichpunkte hierzu sind beispielsweise:

  • Reduzierung des Regelungsumfangs auf (derzeit) 258 Seiten – gegenüber den etwa 2.358 Seiten der „full-IFRS“,
  • Vereinfachungen bei Ansatz- und Bewertungsprinzipien (z.B. bei der Bewertung von Finanzinstrumenten),
  • Entschlackung der Vielfalt der IFRS-Anhangangaben.

Trotz dieser Bestrebungen der „IFRS for SMEs“ tendiert nach Einschätzung von Rechnungswesenpraktikern ein Großteil der Unternehmen dazu, sich auch weiterhin nach Möglichkeit auf die HGB-Bilanzierung zu beschränken – dies sicherlich noch mehr mit Blick auf das derzeitige Gesetzgebungsverfahren zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz:

  • 75,8% beschränken sich weiterhin auf die HGB-Bilanzierung,
  • 13,1% werden aller Voraussicht nach die „IFRS for SMEs“ in ihrem Rechnungswesen einführen,
  • 11,1% hat bereits die „full-IFRS“ (die bestehenden umfassenden internationalen Rechnungslegungsstandards) eingeführt oder wird künftig die „full-IFRS“ den „IFRS for SMEs“ (der mittelständischen Variante) vorziehen.

Berufspraktiker gaben in der Online-Befragung des BC-Trend-Barometers (www.bc-online.de) im Zeitraum von Mitte Juni letzten Jahres bis 4.1.2008 an, welche Tendenz sich für ihr Unternehmen in Sachen „internationale Rechnungslegungsstandards“ – sofern es nicht börsennotiert ist – in den nächsten 2 bis 3 Jahren abzeichnet (Voraussetzung: Die IFRS werden für den Einzelabschluss in Deutschland vorerst nicht verpflichtend sein). Mit Blick auf die internationalen Anforderungen insbesondere für grenzüberschreitend operierende mittelständische Unternehmen zeigen die Einschätzungen der Fachkollegen/innen die für Klein- und mittelständischen Unternehmen nur langsam und erst längerfristig zunehmende Praxisbedeutung der internationalen Rechnungslegungsstandards.

 

Weiterführende Informationen:

  • Standardentwurf IFRS für kleine und mittlere Unternehmen in deutscher Sprache Pressemitteilung des DRSC vom 4.6.2007, siehe hier
  • Engel-Ciric, Prof. Dr. Dejan, Standardentwurf „IFRS for SMEs“: Übereinstimmungen und Unterschiede zum HGB in BC 6/2007, S. 161 ff.
  • Kirsch, Prof. Dr. Hanno, Standardentwurf „IFRS for SMEs“: Fallstudie zur Erstellung einer Eröffnungsbilanz in BC 6/2007, S. 167 ff.

 

BC 2/2008