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Eine großartige Menschheit: KI und die Würde der Arbeit

Professor Dr. Gregor Thüsing, LL.M. (Harvard), Bonn

Heft 12/2026

Autor von NZA-Editorial Heft 12/2026 Dr. Gregor Thüsing

Der Titel dieses Editorials wird wohl viele verwundern. Er muss erklärt werden. Die neue KI-Enzyklika Papst Leos beginnt mit diesen Worten. Sie ist ein hoffnungsvolles Bekenntnis: Jede Generation erbt die Aufgabe, die eigene Zeit zu gestalten, damit die Geschichte zu einem Ort reifen kann, an dem die Würde jedes Menschen gewahrt und Gerechtigkeit gefördert wird. Der Menschheit kann dies gelingen, doch sie muss sich dieser Aufgabe bewusst sein.

 Auch der Arbeitsrechtler wird das Sendschreiben mit Interesse lesen können. Nicht zufällig hat sich der Heilige Vater ein Jubiläum zur Veröffentlichung gewählt. 135 Jahre ist es her, dass sich die erste Sozialenzyklika Rerum novarum mit kraftvollen Worten der neuen sozialen Frage widmete. Eben daran knüpft der aktuelle Text an: Die Arbeit bleibt eine grundlegende Dimension der menschlichen Erfahrung. Sie ist nicht nur ein Mittel zum Lebensunterhalt, sondern ein Ort, um sich auszudrücken, in Beziehung zu treten und zur Gemeinschaft beizutragen. Das Zusammenspiel von Automatisierung, Robotik und KI verändert heute in rasantem Tempo die Struktur der Arbeit selbst.  Es bedarf einer neuen gemeinsamen Anstrengung von politischen Entscheidungsträgern, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen, der Wirtschaft und der Wissenschaft, um rasch angemessene und einvernehmliche Regeln und Schutzmaßnahmen auszuarbeiten, auch auf internationaler Ebene.

Die Forderungen, die daraus resultieren, sind dann ganz konkret: „In diesem Wandel reicht es nicht aus, erst zu reagieren, wenn Arbeitsplätze verschwinden. Es ist notwendig, den Wandel im Voraus zu gestalten. Ein gangbarer Weg besteht zunächst darin, soziale Kriterien für Innovationen festzulegen: Jede Einführung von Automatisierung und KI sollte mit überprüfbaren Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigung, zur Umschulung der Arbeitnehmer und zur Gewährleistung ihrer Mitbestimmung einhergehen, damit die Technologie darauf ausgerichtet ist, dem Menschen Zeit und Fähigkeiten freizusetzen, statt Ausgrenzung zu erzeugen. Zweitens ist es nötig, dass durch politische Maßnahmen für alle Menschen kontinuierliche Weiterbildung und berufliche Wechsel möglich werden, ohne die gesamten Kosten der
Anpassung an den Wandel auf den Einzelnen abzuwälzen. Und schließlich bedarf es einer unternehmerischen Verantwortung, die die Qualität und Würde der Arbeit zu den Erfolgsindikatoren zählt. Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann Innovation als Verbündete für sicherere, kreativere und menschlichere Arbeit dienen; fehlen sie, wird sie zu einem Beschleuniger der Ungerechtigkeit.“ Ja, noch weitergehend: „Die Politik hat die Aufgabe, die wirtschaftlich-technologischen Dynamiken auf das Gemeinwohl auszurichten und menschenwürdige Arbeit, soziale Inklusion sowie eine gerechte Verteilung der Vorteile der Innovation zu fördern … Jede technische oder wirtschaftliche Entscheidung wird … zu einer Gelegenheit, um zu prüfen, ob die Fortschritte der KI Räume für Gerechtigkeit und Teilhabe eröffnen oder Reichtum und Macht in den Händen einiger weniger konzentrieren.“ 

Die Worte kommen zum rechten Augenblick. Sie laden ein zur Diskussion. Sie stoßen an, was weitergedacht werden muss!

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