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Neue Besen … Zur Tarifeinigung zwischen DB Konzern und GDL

Dr. Klaus Linde, Deutsche Bahn AG, Berlin

Heft 6/2026

Foto des Autors von NZA-Editorial Heft 6/2026 Dr. Klaus Linde

Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist aktuell ein Tarifabschluss der Deutschen Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL gelungen und ohne einen einzigen Tag Streik. Das ist nicht nur ein wichtiges Signal an alle Reisenden und Kundinnen für die Verlässlichkeit des Angebots der Bahn, sondern ist ebenso von großer Bedeutung in der aktuellen Sanierungssituation des DB Konzerns, vielleicht sogar für die Infrastruktur in Deutschland insgesamt. Während andernorts die Nahverkehrsunternehmen mit Streiks überzogen werden und die Piloten den Luftverkehr lahmlegen, sind es ausgerechnet die DB AG und die GDL, die auf dem Verhandlungsweg zu Lösungen kommen. Wie war das – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und ohne kämpferische Pressekonferenzen – möglich? 

Ein Teil der Erklärung liegt sicherlich in der derzeitigen Verfassung des DB Konzerns. Mehrere seiner Konzerngesellschaften sind defizitär, teilweise schon seit Jahren. Hohe Aufwände in den Personalressourcen und finanziellen Mitteln sind gebündelt über die nächste Dekade weiterhin notwendig, um die Folgen des bekannten Sanierungsstaus und der fehlenden Investitionen in die Bahninfrastruktur aufzuarbeiten. Die Beschäftigten in der Bahn haben jeden Tag mit den Folgewirkungen zu kämpfen, insbesondere diejenigen im direkten Kundenkontakt. In dieser Situation wäre es kaum zu vermitteln gewesen, diese durch Streiks weiter zu verschärfen.

Zu der Verhandlungslösung maßgeblich beigetragen haben zudem die nun gefundenen Kompromisse zwischen DB Konzern und GDL zur Handhabung des Tarifeinheitsgesetzes. Denn beiden Seiten ist es gelungen, zentrale Konfliktfelder der letzten Jahre zu befrieden: die Frage der Bestimmung der gewerkschaftlichen Mehrheiten im jeweiligen Betrieb ebenso wie die Frage der Anwendung tarifvertraglicher Regelungen des jeweils eigenen Tarifwerks auch in Mehrheitsbetrieben der jeweils anderen Gewerkschaft. 

Es ist ein Versuch, zu einem neuen Umgang mit dem Tarifeinheitsgesetz zu kommen: Dieser Ansatz ist befristet, offen in seinem Gelingen und gegenüber einer späteren Bewertung. Aber er lohnt und bringt eine Bewegung in die tarifautonome Gestaltung durch alle Tarifvertragsparteien im DB Konzern, die zuvor über Jahre nicht realisierbar war. Ermöglicht auf der Grundlage der notwendigen Befriedungs- und Ordnungsfunktion des Tarifeinheitsgesetzes, die sich auch und gerade bei der – vom Gesetzgeber als vorrangig angesehenen – gemeinsamen Ausgestaltung durch die Tarifvertragsparteien bewährt. 

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