Heft 5-6-2026
China zwischen Plan und Markt
Markus Taube
Globale Mindestbesteuerung: Grundlagen und Umsetzung
Stephan Meyering, Sven Boer-Weber und Gladys Znojek
Die globale Mindestbesteuerung ist ein Meilenstein der internationalen Steuerpolitik zur Bekämpfung von Gewinnverlagerungen und Steuervermeidung durch multinationale Unternehmen. Der Beitrag ordnet das Thema in den Kontext der OECD-Initiative „Pillar Two“ ein, erläutert die rechtlichen und technischen Grundlagen der 15 %-Mindeststeuer und zeigt anhand eines konkreten Rechenbeispiels die praktische Anwendung des deutschen Mindeststeuergesetzes.
Künstliche Intelligenz im HRM: Chancen, Risiken und neue Rollen für das Personalmanagement
Stephan Weinert
Der Beitrag untersucht die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf das Human Resource Management. Im Mittelpunkt stehen sowohl die Chancen – etwa Effizienzsteigerung, datenbasierte Entscheidungen und personalisierte HR-Prozesse – als auch Risiken wie algorithmische Verzerrung, Transparenzverlust und ethische Konflikte. Zudem analysiert der Artikel, wie sich HRJobprofile durch Künstliche Intelligenz verändern und neue Rollen entstehen.
Staatsverschuldung: Warum Fiskalregeln wichtig sind
Jörg König und Jörn Quitzau
Die weltweite Staatsverschuldung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mit dem Ende der Niedrigzinsphase steigen Zinslasten und Bruttofinanzierungsbedarfe, wodurch die Schuldentragfähigkeit vieler Staaten unter Druck gerät. Frühwarnindikatoren wie Ratings oder Renditen wirken jedoch nur eingeschränkt und werden teils durch Zentralbankinterventionen verzerrt. Vor diesem Hintergrund kommt glaubwürdigen und verbindlichen Fiskalregeln als zentrales Instrument nachhaltiger Finanzpolitik eine erhebliche Bedeutung zu.
Die Evolution der europäischen Geldpolitik 1999 bis 2024 (Teil 2)
Stefan Schäfer
Der Maastrichter Vertrag konzipierte die Europäische Zentralbank (EZB) als „europäische Bundesbank“. Wie die deutsche Notenbank sollte sie unabhängig sein, die Preisniveaustabilität als primäres Ziel anstreben und sich jeglicher Form der monetären Staatsfinanzierung enthalten. Davon hat sich die EZB im ersten Vierteljahrhundert ihrer Existenz schrittweise verabschiedet. Seit 2012 sieht sie sich als „Lender of last resort“ für die Mitgliedstaaten und ist seit 2015 am Staatsanleihemarkt aktiv.
Die aktuelle Grafik: Insolvenzen von Unternehmen nehmen deutlich zu
Standpunkte: Utopie vs. Dystopie
Nur wer Neues wagt, kann KI-Entwicklung zum Guten hin beeinflussen
Stefan Heng
ChatGPT katapultierte KI in die öffentliche Wahrnehmung. Freilich übernimmt KI längst viele Aufgaben; in Bereichen mit klar abgegrenzten Abläufen, aber auch solchen, die Wissen und Kreativität erfordern. Ihr Einfluss reicht von der Wirtschaft über die hoheitlichen Aufgaben bis in die Paarbeziehung hinein. Diese Arbeit stellt einem utopischen Szenario der KI-Entwicklung ein dystopisches gegenüber. Damit die Dystopie vom gestressten, degradierten, vereinsamten, radikalisierten, wissenschaftsskeptischen Menschen in prekären wirtschaftlichen und politischen Umständen nicht allzu bald wirklich wird, müssen Politik und Unternehmen etliche Aufgaben erledigen.
Gesetze, Effekte, Theoreme: Kapitalstruktur und Unternehmenswert
Zur Frage nach der optimalen Kapitalstruktur
Christian Foos und Dietmar Hillebrand
Die Kapitalstruktur ist ein zentraler Bestimmungsfaktor des Unternehmenswerts. Theoretische Modelle wie das Modigliani-Miller-Theorem, die Tradeoff-Theorie und die Pecking-Order-Theorie bieten unterschiedliche Erklärungsansätze zur Frage, ob und wie Finanzierungsentscheidungen den Unternehmenswert beeinflussen können. Eine allgemeingültige optimale Kapitalstruktur existiert nicht. Dieser Beitrag bietet eine systematische Einordnung der Theorien und zeigt Ansätze für eine dynamische Betrachtung von Kapitalstrukturentscheidungen auf.
Das aktuelle Stichwort: Triple Entry Accounting: Eine systemische Erweiterung der doppelten Buchführung im digitalen Zeitalter
Stefan Behringer und Jonas Miesner
Triple Entry Accounting (TEA) erweitert die doppelte Buchführung um einen fälschungssicheren, Blockchain-basierten Eintrag. Jede Transaktion wird durch alle Parteien kryptografisch signiert und in einem geteilten, dezentralen Buch gespeichert, wodurch Abstimmungsaufwände entfallen und Betrugsrisiken minimiert werden. Darauf aufbauend liegen valide Echtzeit-Daten vor, die fortlaufende Auswertungen und Überprüfungen ermöglichen. Herausforderungen bestehen in der Integration von TEA in bestehende Systeme und der Sicherstellung der Datenqualität.
Das aktuelle Stichwort: Generative Engine Optimization (GEO)
Erhöhung der Sichtbarkeit in generativen KI-Systemen
Franziska Weis, Benjamin von Walter und Sigrid Hofer-Fischer
Generative KI-Systeme wie ChatGPT ersetzen zunehmend klassische Suchmaschinen, da sie zusammengefasste Antworten generieren und damit den Web-Traffic auf Unternehmensseiten verringern. Generative Engine Optimization (GEO) verfolgt das Ziel, die Sichtbarkeit in diesen Systemen zu erhöhen, indem eigene Inhalte möglichst stark in solche Antworten integriert werden. Zentrale Strategien sind mehr Präsenz in Earned Media, die Einbindung KI-relevanter Textsequenzen, verbesserte maschinelle Lesbarkeit und Vertrauensbildung in die eigenen Inhalte.
Informationen für Studium und Beruf: Datenbasierte Kundenakquisition im Wealth Management
Eine Anwendung des Technology Acceptance Model (TAM)
Christoph Kley, Christoph Künzle und Niklas M. Ammann
Die Digitalisierung sowie fortlaufende technologische Entwicklungen prägen das Wealth Management und bringen tiefgreifende Veränderungen mit sich. Die Branche sieht sich zudem mit Herausforderungen wie Margendruck und einem internationalen Wettbewerbsumfeld konfrontiert. Auf der anderen Seite ergeben sich auch neue Möglichkeiten zur Kundengewinnung. Besonders die datenbasierte Kundenakquisition bietet dabei Potenzial, durch präzisere Zielgruppenansprache und effizientere Neukundengewinnung Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Unsere Studie untersucht die Akzeptanz derartiger Methoden durch die im Wealth Management maßgeblichen Relationship Manager. Auf Grundlage des Technology Acceptance Model (TAM) wird ermittelt, welche Faktoren die Akzeptanz beeinflussen und wie die datenbasierte Kundenakquisition effizienter gestaltet werden kann.
WiSt-Fallstudie: Crowdfunding als Mezzanine-Kapital im praktischen Einsatz zur Gestaltung der Finanzarchitektur
Teil 2: Lösungen
Ralf Jürgen Ostendorf
Die Auswahl einer geeigneten Finanzarchitektur hat einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil wirkt Rating-verbessernd, sorgt für geringe (fixe) Zinsaufwendungen und erschwert gleichzeitig die Erzielung einer hohen Eigenkapitalrendite. Die vorliegende Fallstudie vergleicht die Auswirkungen einer Crowdfunding-Finanzierung mit anderen konventionellen Alternativen der Kapitalbeschaffung.