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Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD/ESRS – Eine Analyse börsennotierter Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025

Christian Thurow

 

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) haben ein erstes Update zu ihrer Studie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung börsennotierter Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht. Bei dem Update der Studie wurden 69 Unternehmen berücksichtigt, deren Unternehmensberichte bis zum 13.3.2026 vorlagen.


 

Praxis-Info!

Betrachtet man die Zusammensetzung der in der Studie berücksichtigten Unternehmen, so fällt auf, dass die großen im DAX gelisteten Unternehmen deutlich früher berichten als die Unternehmen in den anderen Indizes:

 

 

Index Anzahl der in der Studie betrachteten Unternehmen Anteil am Gesamtindex
DAX 31 78%
MDAX 22 44%
SDAX 16 23%

 

 

Die wesentlichen Erkenntnisse aus der Studie sind:

  • 73% der in der Studie erfassten Unternehmen berichten unter vollständiger Beachtung der Europäischen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS European Sustainability Reporting Standards), während 20% in Anlehnung an die ESRS berichten. 7% berichten ohne Berücksichtigung der ESRS. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Unternehmensgröße. „Größere“ Unternehmen berichten deutlich häufiger vollumfänglich nach ESRS als „kleinere“ Unternehmen. So berichten 87% der in der Studie berücksichtigten DAX-Unternehmen unter vollständiger Beachtung der ESRS, während es im SDAX nur 31% der aufgeführten Unternehmen sind.
  • Bei 90% der Unternehmen ist der Nachhaltigkeitsbericht als gesonderter Abschnitt im Lagebericht enthalten, bei 10% wurde ein eigenständiger Bericht außerhalb des Lageberichts angefertigt. Dies ist eine deutliche Verschiebung zum Vorjahr, als noch 28% der Unternehmen einen eigenständigen Bericht außerhalb des Lageberichts erstellt hatten.
  • Die durchschnittliche Seitenanzahl hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Durchschnittlich umfassen die Berichte im DAX 144 Seiten, im MDAX 137 Seiten und im SDAX 110 Seiten. Dabei ist weiterhin die große Bandbreite auffällig. So haben 22% der DAX-Gesellschaften eine durchschnittliche Seitenzahl von 51 bis 100 Seiten, während ebenfalls 22% eine durchschnittliche Seitenanzahl von über 150 Seiten aufweisen. Dabei spielt häufig die Verwendung von Grafiken und Bildern eine Rolle.
  • Die Anzahl der als wesentlich eingeschätzten ESRS-Themen liegt zwischen drei und zehn. Durchschnittlich wurden sieben ESRS-Themen als wesentlich identifiziert. Indexübergreifend sind dabei vor allem Klimawandel (E1), Arbeitskräfte des Unternehmens (S1) und Unternehmensführung (G1) die Hauptthemen.
  • Ein Kernaspekt der Nachhaltigkeitsberichterstattung sind die sogenannten IROsImpacts, Risks and Opportunities (Auswirkungen, Risiken und Chancen). Mithilfe der IROs lassen sich Nachhaltigkeitsthemen zu den branchenspezifischen Geschäftsfeldern zuordnen und bewerten. Die Anzahl der identifizierten wesentlichen IROs variiert wie schon im Vorjahr stark – zwischen 10 und 116 IROs. Durchschnittlich wurden insgesamt 42 IROs pro Unternehmen identifiziert. Auch hier sind wieder große Unterschiede und Bandbreiten zwischen einzelnen Branchen und Index-Klassen festzustellen.
  • Fast alle Berichte wurden einer externen Prüfung unterzogen, wobei für 79% der geprüften Berichte eine Prüfung mit begrenzter Sicherheit (limited assurance) gewählt wurde.

    Die großen Unterschiede zwischen Branchen und Unternehmensgrößenklassen sowie die große Bandbreite im Umfang der Berichterstattung erschweren die Vergleichbarkeit. Interessant ist, dass – wie schon im Vorjahr – keine Prüfung zu einem eingeschränkten Prüfungsvermerk oder einem Versagungsvermerk geführt hat.

 

 

Christian Thurow, Dipl.-Betriebsw. (BA), Senior Risk Manager, London (E-Mail: c.thurow@thurow.co.uk)

 

 

BC 4/2026

BC20260423 

 

 

 

 

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