Prof. Dr. Christian Zwirner und Sebastian Schöffel
FED belässt aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten ihren Leitzins in einer Bandbreite von 3,50% bis 3,75%


Nach mehreren Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte 2025 legt die US-Notenbank FED (Federal Reserve) nun zum zweiten Mal in Folge eine Zinspause ein. Die FED begründet die Zinspause mit ungewissen Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft.
Der Leitzins der FED bleibt daher unverändert zwischen 3,50% und 3,75%.
Praxis-Info!
Das makroökonomische Umfeld in den Jahren 2022 bis 2024 war durch die wirtschaftlichen und geopolitischen Ereignisse, insbesondere durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, geprägt. Auf die im Jahr 2022 hohe Inflation von in der Spitze ca. 9,10% reagierte die US-amerikanische Zentralbank FED in den Jahren 2022 und 2023 mit mehreren Leitzinserhöhungen auf ein Niveau von bis zu 5,25% bis 5,50%. Nachdem die Inflation im Jahr 2024 wieder sank und die Arbeitslosenzahlen zunahmen, senkte die FED ihren Leitzins im Jahr 2024 deutlich. Nach einer langen Zinspause im Jahr 2025, die bis September 2025 anhielt, senkte die FED ihren Leitzins erneut in mehreren Schritten (letztmals im Dezember 2025) auf eine Zinsspanne zwischen 3,50% und 3,75%. Nach einer Zinspause Ende Januar hat die FED nun verkündet die Leitzinsen erneut unverändert zu lassen. Der Leitzins der FED bleibt daher in einer Spanne zwischen 3,50% und 3,75%.
Obwohl das Inflationsgeschehen in den USA von 2,70% im Dezember 2025 auf 2,40% im Januar und Februar 2026 sank, könnte der Anfang März begonnene Iran-Krieg einen neuen Inflationsschub erzeugen, denkt man allein an die zwischenzeitlich stark gestiegenen Ölpreise. Das Inflationsziel der FED liegt, wie bei der Europäischen Zentralbank (EZB), langfristig bei 2,00%. Aufgrund der derzeit anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und der damit weiterhin erhöhten Öl- und Gaspreise bleibt die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten hoch.
Ziel der Zinsanpassung durch die FED im vergangenen Jahr war die Stärkung des US-amerikanischen Arbeitsmarkts. Im vergangenen Jahr 2025 hatten sich die Arbeitsmarktzahlen in den USA schlechter entwickelt als erwartet. Durch die nach den Zinssenkungen nun niedrigeren Zinsen können Privatpersonen leichter Kredite aufnehmen, um beispielsweise Immobilien oder Konsumgüter zu erwerben. Zudem erleichtern günstigere Kredite Unternehmen die Umsetzung geplanter Investitionen und Expansionen, wodurch insgesamt eine höhere Nachfrage nach Arbeitskräften erreicht werden kann. Zinssenkungen sollen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stimulieren und das Wirtschaftswachstum antreiben.
FED-Chef Jerome Powell verweist weiterhin auf die nach wie vor hohen Inflationsraten und spricht sich daher für ein vorsichtiges Vorgehen hinsichtlich möglicher Zinssenkungen aus. Trotz der durch den Iran-Krieg ausgelösten Inflationssorgen schließen die Notenbanker jedoch Zinssenkungen im Laufe des Jahres 2026 nicht vollständig aus. Die Amtszeit von FED-Chef Jerome Powell endet im Mai 2026. Bis zu diesem Zeitpunkt erwarten Analysten keine weiteren Zinsschritte mehr. Analysten rechnen erst ab der ersten FED-Sitzung unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell im Juni 2026 mit weiteren Zinssenkungen. Für das Gesamtjahr 2026 wurden Anfang Februar noch zwei Zinsschritte der FED nach unten prognostiziert. Aufgrund des Iran-Kriegs wird für dieses Jahr nun nur noch mit einer Zinssenkung gerechnet.
Der für Unternehmensbewertungen relevante Basiszinssatz stieg trotz der anhaltenden Zinspause der FED im Februar 2026 von 3,25% gerundet auf 3,50%. Aktuell (Stand 19.03.2026) beträgt der gerundete Basiszinssatz weiterhin 3,50%. Der Basiszinssatz wird kapitalmarktorientiert abgeleitet, daher werden die aktuellen und künftigen Zinssatzanpassungen der führenden Notenbanken wie FED und EZB mittelbar auch Auswirkungen auf den Basiszinssatz haben.
Im Unterschied zu den Leitzinsen der Notenbanken dient der Basiszinssatz nach IDW S 1 als Grundlage für die Diskontierung zukünftiger Cashflows im Rahmen von Unternehmensbewertungen. Eine Änderung des Basiszinssatzes nach IDW S 1 hat relevante Auswirkungen auf Unternehmenswerte. Sinkt das allgemeine Zinsniveau, dürfte dies auch einen sinkenden Basiszinssatz und damit tendenziell bei ansonsten unveränderten Bedingungen wieder steigende Unternehmenswerte zur Folge haben.
Im Ergebnis ist die weitere Zinsentwicklung für das aktuell laufende Jahr 2026 noch nicht abschätzbar. Wenn das allgemeine Zinsniveau weiter sinkt, dürfte dies die Kapitalkosten der Unternehmen in der Weise beeinflussen, dass auch diese sinken könnten. In der Folge würden dann bei ansonsten unveränderten Bewertungsparametern die Unternehmenswerte steigen und etwaige Wertminderungsrisiken abnehmen.
WP/StB Prof. Dr. Christian Zwirner,
Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München (www.kleeberg.de)
StB Sebastian Schöffel, Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München
BC 4/2026
BC20260420