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Aufdeckung von Risiken in Lieferketten

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Checkliste zu Problemfeldern mit Handlungsempfehlungen

 

Zwar haben viele Unternehmen unter dem Eindruck der schon seit einigen Jahren aktuellen Krisenlagen ihre Lieferketten angepasst, aber oft noch nicht grundlegend verbessert. Eine einfach gehaltene Checkliste kann ggf. dabei helfen, im Rahmen einer Selbstdiagnose Defizite aufzudecken und Problemlösungen auf den Weg zu bringen.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Strukturelle Schwächen in Lieferketten belasten weiterhin Liquidität, Kosten, Planbarkeit und Lieferfähigkeit. Darauf fokussierte Beratungsexperten haben am 18.3.2026 für die Probleme, die meist abteilungsübergreifend entstehen und gelöst werden müssen, eine einfache Checkliste zur Verfügung gestellt.

 

 

Lösung

Die Checkliste von Kloepfel by EPSA ermöglicht Managern aller Abteilungen eine auf fünf Problemursachen zugeschnittene Schnell-Selbstdiagnose dahingehend, inwieweit verwundbare Lieferketten vorhanden sind.

 

 

1. Silodenken behindert Teamarbeit

Ein zentrales Problem wird in der unzureichenden Abstimmung zwischen Einkauf, Planung, Produktion und Vertrieb gesehen. Beispielsweise werden Informationen verzögert oder unvollständig weitergegeben und Entscheidungen isoliert getroffen. In einzelnen Abteilungen vorgenommene Optimierungen beseitigen Probleme meist nicht, sondern sie verlagern Risiken, Engpässe und Kosten entlang der Lieferkette.

Lösung: Klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige, verbindliche Abstimmungen über Abteilungsgrenzen hinweg ersetzen isolierte Einzeloptimierungen.

 

 

2. Nicht abgestimmte Excel-Analysen verhindern Transparenz

Vielerorts werden Bestandsplanungen sowie Lieferzusagen parallel in unterschiedlichen Systemen und teils weiterhin in Excel gepflegt. Dies führt zu unterschiedlichen Datenständen. Ohne eine einheitliche Datengrundlage hängen Entscheidungen damit vom Wissen Einzelner ab, nicht von transparenten, gemeinsamen Zahlen.

Lösung: Abteilungsübergreifend einzusetzende Planungstools führen Daten aus allen relevanten Systemen zusammen und schaffen eine verlässliche Grundlage für Planung, Bestände und Lieferzusagen.

 

 

3. Dezentrale Einkäufe ohne Einbindung in Lieferantenstrategie

Wenn aktuell eine in vielen Bereichen stagnierende Nachfrage zu einem Käufermarkt führt, geben Unternehmen zunehmend bei Lieferterminen, Mengen oder Preisen nach. Diese Kompromisse werden schnell zum Normalzustand. So sinkende Verhandlungsmacht deutet als ein Symptom auf strukturelle Schwächen in der Lieferkette hin.

Lösung: Eine abteilungsübergreifend abgestimmte Lieferantenstrategie mit klaren Prioritäten, Alternativen und definierten Verhandlungsspielräumen stärkt die eigene Position und reduziert Abhängigkeiten.

 

 

4. Kostenanstieg schränkt Wertschöpfungsfokus ein

Steigende Transport-, Bestands- und Koordinationskosten sind häufig nicht das eigentliche Problem, sondern nur das sichtbare Symptom. Hohe Lagerbestände binden Working Capital, verschlechtern die Liquidität und erhöhen das Risiko, ohne die Lieferfähigkeit verlässlich zu verbessern.

Lösung: Bestände, Durchlaufzeiten und Prozesse müssen ganzheitlich gesteuert werden, um Kapitalbindung zu reduzieren und Kosten nachhaltig zu senken.

 

 

5. Aktionismus steht Ursachenarbeit im Wege

Entscheidungen basieren häufig auf unvollständigen, widersprüchlichen oder veralteten Daten. Expresslieferungen, kurzfristige Umplanungen und manuelle Eingriffe prägen dann vielerorts den Alltag. Ursachen werden einzelfall-orientiert operativ kaschiert statt systematisch-strategisch behoben.

Lösung: Wiederkehrende Störungen müssen transparent gemacht, systematisch analysiert und über funktionierende Prozesse dauerhaft behoben werden, statt sie durch kurzfristige Notlösungen zu überdecken.

 

 

Praxishinweise:

  • Die skizzierte Problemlage trifft viele. Der bei Kloepfel by EPSA tätige Lieferkettenexperte Ingo Glawe warnt deshalb nicht ohne Grund: „Wenn Lieferketten nur noch durch Kompromisse, Feuerlöschen und steigende Kosten funktionieren, ist das ein strukturelles Problem.“ Dem ist zuzustimmen, es ist nach der – nicht selbstverständlichen – Identifikation dann entsprechend nicht auf Bereichsebene, sondern im Rahmen einer Gesamtstrategie zu lösen.
  • Das ist umso dringlicher, weil sich Lieferkettenprobleme mittlerweile auch in auf Rekordniveau zusteuernden Ausfallraten manifestieren. So wurde kürzlich im Creditreform Rating vom 12.3.2026 die höchste Ausfallrate seit der Finanzkrise prognostiziert (die aktuelle Default Study 2026 von Creditreform Rating zeigt, dass sich die empirische Ausfallrate im Jahr 2025 auf 1,88% erhöhte; für das Jahr 2026 erwartet die Ratingagentur einen weiteren Anstieg auf 2,08 %). Zusätzliche Risiken ergeben sich aus ersten Abschwächungstendenzen am Arbeitsmarkt sowie aus weiterhin restriktiven Kreditvergabestandards der Banken und im Vergleich zur Niedrigzinsphase deutlich höheren Finanzierungskosten. Insbesondere risikobehaftete Engagements geraten dadurch zunehmend unter Druck.

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 4/2026

BC20260419

 

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