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Stilllegungspläne im Mittelstand

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Nachfolge-Monitoring der KfW

 

Im Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 bestätigt die staatliche deutsche Förderbank KfW den zuletzt beobachteten Trend, dass mittelständische Unternehmen mehr Stilllegungspläne aufstellen. Bewusste Geschäftsaufgaben ohne eine Nachfolgelösung werden nochmals häufiger ins Auge gefasst als in den Vorjahren. Die KfW-Ergebnisse enthalten auch Anhaltspunkte für die Formulierung von Kaufpreisvorstellungen: Was darf ein mittelständisches Unternehmen kosten?


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Bewusste Geschäftsaufgaben ohne eine Nachfolgelösung werden laut den KfW-Feststellungen im Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 nochmals häufiger ins Auge gefasst als in den Vorjahren. Jedes vierte Unternehmen will diesen Weg nach Ausscheiden der Senior-Generation gehen – jährlich rund 114.000 bis Ende des Jahres 2029.

Den Spitzenplatz der Ursachen geplanter Stilllegungen belegt wie zuvor das nahende Rentenalter der Inhaber, die für die Unternehmensführung verantwortlich sind. Das kommt für den Studienleiter Dr. Michael Schwartz im KfW-Bericht Nr. 526 vom 9.1.2026 wenig überraschend, da das Durchschnittsalter der Inhaberinnen und Inhaber bei über 54 Jahren liegt; über 2 Mio. (!) sind demnach bereits 55 Jahre oder älter. Mangelndes Familieninteresse ist ebenso ein unvermindert bedeutender Faktor. Daneben hat Bürokratie als Faktor massiv an Bedeutung gewonnen.

 

 

Lösung

Nachfolge steht dennoch weiterhin hoch im Kurs: Jährlich werden rund 109.000 Nachfolgewünsche bis Ende 2029 verzeichnet. Aktuell rücken vor allem Management-Buy-Outs (MBOs, also Übernahme durch Führungskräfte) wieder vermehrt in den Fokus der Nachfolgeplaner; aber der Verkauf an Externe und vor allem familieninterne Übergabewünsche dominieren die präferierten Nachfolgevarianten weiterhin. Vor allem die Kurzfristnachfolgen mit Planungen für die Jahre 2025 und 2026 weisen einen sehr guten Planungsstand auf. Ungewollte Stilllegungen aufgrund unerfüllter Nachfolgewünsche sind, so die Feststellungen des KfW-Experten Schwartz, aktuell seltener zu erwarten.

Die Durchschnittsbewertungen der angestrebten Kaufpreise haben seit dem Jahr 2019 (dem Jahr der letztmaligen Erhebung) merklich angezogen, und zwar um rund +34% für den Mittelstand insgesamt. Soll die Unternehmensnachfolge zwischen 2025 und 2029 vollzogen werden, liegt der durchschnittliche angestrebte Verkaufspreis eines mittelständischen Unternehmens bei rund 499.000 €. Die Erhöhung der Kaufpreisvorstellungen liegt damit über der Inflation im selben Zeitraum. Preisbereinigt haben die Kaufpreisvorstellungen im Mittelstand rund 9,5% seit 2019 zugenommen. Im Durchschnitt streben die Nachfolgeplaner im Mittelstand einen Kaufpreis an, der beim 1,2-Fachen ihres Jahresumsatzes liegt.

 

 

Praxishinweise:

  • Die Einigung auf einen für alle Beteiligten akzeptablen Kaufpreis ist meist der schwierigste Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge. Denn aufgrund naturgemäß unterschiedlicher Blickwinkel ist es nicht erstaunlich, dass die Senior-Generation und potenzielle Nachfolgekandidaten bei ihren Vorstellungen weit auseinander liegen. Zur Begründung führt Schwartz an: „Während der aktuelle Inhaber vermutlich eher eine retrospektive [rückblickende] Betrachtung der Unternehmensentwicklung einnimmt (Investitionen, Aufwand, persönlicher Verzicht, Wachstum etc.), stehen beim möglichen Nachfolger stärker künftige Potenziale im Fokus (Wettbewerbssituation, Kundenstamm, Auftragsbestand, Modernisierungsgrad etc.).“
  • Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, die Unsicherheit auf Inhaberseite zu mindern oder möglichst gänzlich abzubauen. Dann werde auch bei bevorstehender Nachfolge investiert. Das zeige das Investitionsverhalten bei denjenigen mittelständischen Unternehmen, die ihre Nachfolgepläne bereits umgesetzt haben: Eine geklärte Nachfolgeregelung lässt die Investitionen laut den KfW-Ergebnissen noch einmal ansteigen.
  • Allerdings wird erfahrungsgemäß dennoch vielen Unternehmen eine Nachfolge trotz aktiven Engagements aufgrund der Vielzahl der zu überwindenden Hürden nicht vergönnt sein wird. Positiv wird im Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 aber diesbezüglich herausgestellt, dass nur sehr wenige Inhaberinnern und Inhaber mit kurzfristigen Nachfolgeplänen entweder noch gar nicht in den Prozess eingestiegen sind (4% der Befragten im KfW-Mittelstandspanel) oder bislang nur Informationen gesammelt haben (10%). Mit dem Scheitern ihrer Nachfolgepläne müssen aktuell demnach „nur“ rund 14% der Unternehmen rechnen, die eine Nachfolge in den kommenden zwei Jahren realisieren möchten. Da das aber immerhin ca. 26.000 Unternehmen sind, könnte diese Zahl für selbstständige Bilanzbuchhalter ein zusätzlicher Ansporn sein, Nachfolgeberatung als attraktives Betätigungsfeld aufzubauen oder als solches auszuweiten. Für insoweit interessierte BC-Leser empfiehlt sich der Einblick in die umfangreichen KfW-Research-Daten Nr. 526 (Januar 2026).

 

 

 

Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

 

 

BC 2/2026 

BC20260216

 

 

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