Ohne Gegensteuerung drohen Liquiditätsengpässe



Aktuell besonders vielfältige Krisenursachen und Risikofaktoren erfordern natürlich entsprechende Finanzmittel. In einem W&P-Trendradar konnten für 2026 einige Finance-Schwerpunkte ermittelt werden, deren Kenntnis und Beachtung die Handlungsfähigkeit insbesondere in Restrukturierungskonstellationen erhöhen.
Praxis-Info!
Problemstellung
Die im Trendradar von Wieselhuber & Partner (W&P) zugrunde gelegten Krisenursachen und Risikofaktoren erzeugen Handlungsdruck in zumindest vier Bereichen:
(1) Abwendung von Finanzierungslücken: Die stark gestiegenen Refinanzierungskosten machen den Schuldendienst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
(2) Covenants kehren zurück: Zu erwarten ist eine neue Härte der Kreditbedingungen, mit der Covenants (Kreditvereinbarungsklauseln wie z.B. die Einhaltung bestimmter Bilanz- oder GuV-Relationen: Zinsdeckungsgrad (EBITDA/Zinsaufwand)) wieder erheblich an Bedeutung gewinnen.
(3) Multidimensionale Finanzierungsstrategie: Refinanzierung bedeutet heute mehr als die Optimierung einzelner Darlehen: Entscheidend ist die integrierte Verbindung von Asset-Strategie, Kapitalstruktur und Kreditmanagement (Loan-Management).
(4) Wandel der Kreditlandschaft: Durch strengere Regulierung und höhere Risikoaversion der Banken gewinnen alternative Kreditgeber stark an Bedeutung.
Welche Prioritäten werden in 2026 zu setzen sein, und welche Beiträge können mit Finanzierungsaufgaben befasste Controller und Bilanzbuchhalter konkret leisten?
Lösung
1. Von der Zinswende zur Zins-Schere: Schuldendienst als Wettbewerbsfaktor
Unternehmen werden in 2026 ihre Finanzierungsstrukturen – noch schneller als bisher schon – anpassen müssen, um trotz höherer Zinsen zahlungsfähig und strategisch handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig steigen die Anforderungen in der Kreditpraxis: strengere Covenants, engere Transparenzvorgaben und frühere Exit-Erwartungen prägen die Verhandlungen. Unternehmen müssen darauf u.a. mit realistischen Schuldplänen reagieren.
2. Renaissance der Covenants: Die neue Härte der Kreditbedingungen
Nach einer langen Phase erleichterter Strukturen gewinnen Covenants wieder erheblich an Bedeutung. Kreditgeber sichern sich stärker über Cashflow-, Verschuldungs- und Zinsdeckungskennzahlen ab – begleitet von engmaschigen Reportingpflichten. Unternehmen müssen frühzeitig beurteilen, ob bestehende Finanzstrukturen covenantfähig sind; ggf. sind Anpassungen zu verhandeln. Die Schnittstelle zwischen Finanzanalyse, Gläubigerkommunikation und taktischer Restrukturierung wird zu einem zentralen Spielfeld. Wer hier gut vorbereitet ist, verschafft sich entscheidende strategische Vorteile.
3. Multidimensionale Finanzierungsstrategie: Asset-, Kapital- und Loan-Strategie verzahnen
Nur ein ganzheitlicher Ansatz ermöglicht es Unternehmen, Schuldendienstfähigkeit, Bilanzstärke und Flexibilität miteinander zu vereinen. Gleichzeitig steigt der Druck, Portfolios aktiv zu steuern und nicht-strategische Vermögenswerte zu verwerten. Ob intern gesteuert oder durch spezialisierte Partner – die Komplexität der Anforderungen nimmt zu. Erfolgreiche Finanzierungsteams professionalisieren daher ihre Analyse- und Entscheidungsprozesse deutlich.
4. Private Debt im Aufstieg: Wandel der Kreditlandschaft
Der Wandel wird sich in 2026 insbesondere darin zeigen, dass Anleihefonds (Debt Funds), Private-Credit-Anbieter und Family Offices (Direktinvestitionen durch wohlhabende Familien) als flexible, jedoch renditeorientierte Finanzierer auftreten. Die Auswahlmöglichkeiten steigen zwar, jedoch dürften Vertragswerke komplexer werden und höhere Transparenz verlangen. Für Finanzchefs entsteht damit eine neue Rolle: Sie müssen zunehmend zwischen unternehmerischer Logik und investorengetriebenen Anforderungen vermitteln. Strategische Beratung, Verhandlungskompetenz und Marktkenntnis sind dafür unverzichtbar.
- In 2026 und 2027 werden zahlreiche Darlehen auslaufen, die in der Niedrigzinsphase abgeschlossen wurden – häufig zu Konditionen, die heute nicht mehr erreichbar sind. Viele Unternehmen stehen deshalb vor erheblich teureren Refinanzierungen oder eingeschränktem Zugang zu Kapital.
- Besonders Mittelständler in Transformationsbranchen spüren die steigende Finanzierungslücke. Gefragt sind kreative Strukturen, belastbare Szenarien und professionelle Gläubigerverhandlungen. Der Übergang von Liquiditätsschwemme zu Liquiditätsknappheit dürfte für viele Unternehmen erstmals konkret spürbar werden.
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Eva Ringelspacher, als Finance-Expertin bei Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) in Kooperation mit Doreen Laabs & Volker Riedel tätig.
BC 1/2026
BC20260111