Dr. Hans-Jürgen Hillmer
Transformation in vollem Gange

Die Transformation des Rechnungswesens schreitet voran: Künstliche Intelligenz (KI) wird zum zentralen Treiber im Rechnungswesen und verändert Prozesse spürbar. Mehr als jedes zweite Unternehmen (53%) nutzt KI in diesem Bereich bereits oder befindet sich in der Implementierung.
Praxis-Info!
Problemstellung
Unter der Überschrift „Künstliche Intelligenz beschleunigt digitale Transformation im Rechnungswesen“ wurden am 17.11.2025 zentrale Ergebnisse der KPMG-Studie „Digitalisierung im Rechnungswesen 2025/2026“ veröffentlicht. Festgestellt wurde laut Mathias Winkler, Partner im Bereich Performance & Strategy bei KPMG: „Vor allem bei standardisierten Aufgaben wie der Belegverarbeitung oder Buchungen steigert der KI-Einsatz die Effizienz. Viele Unternehmen nutzen das, um Qualität und Geschwindigkeit ihrer Prozesse zu erhöhen.“ Worin liegen konkret die Haupteinsatzbereiche, und welche Herausforderungen müssen angenommen werden?
Lösung
53% der Unternehmen nutzen KI bereits im Rechnungswesen oder bereiten die Einführung vor. Gewachsen ist auch das Bewusstsein für die strategische Bedeutung der Technologie: 61% der Befragten sehen KI bereits heute oder künftig als wesentlichen Erfolgsfaktor im Finanzbereich.
1. Vorteile des KI-Einsatzes
Unternehmen, die KI im Rechnungswesen einsetzen, berichten mehrheitlich von Verbesserungen – insbesondere in transaktionalen Prozessen wie der Zahlungsabwicklung. Mehr als ein Drittel (37%) der Befragten beobachtet unmittelbar nach Einführung eine deutliche Zeitersparnis, rund 70% verzeichnen kurzfristig oder mittelfristig eine höhere Prozessqualität. Auch Kosteneffekte werden sichtbar: 15% erzielen sofortige Einsparungen, weitere 54% berichten von positiven Ergebnissen im weiteren Verlauf.
Zwei Drittel (66%) der Unternehmen geben an, dass sich ihre Erwartungen an KI-basierte Lösungen im Rechnungswesen erfüllt haben. Demgegenüber berichten allerdings auch 17% von bislang unerfüllten Erwartungen. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Einschätzung damit nüchterner aus; dies wird von den KPMG-Experten als ein Zeichen zunehmender Praxiserfahrung und realistischerer Erwartungshaltungen an die derzeitige technologische Leistungsfähigkeit gewertet.
2. Hemmnisse des KI-Einsatzes
Zugleich zeigt die Studie, dass der Fortschritt nicht ohne Hürden bleibt. Datenschutz und Datensicherheit gelten für 65% als die größten Herausforderungen, gefolgt von der Nachvollziehbarkeit und Transparenz von KI-Algorithmen (59%). Auch die fehlende Standardisierung (46%) und die rechtliche Einordnung von KI-Systemen (40%) gelten als wesentliche Hemmnisse. „Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, technologische Innovation und regulatorische Anforderungen in Einklang zu bringen“, sagt Axel Bachmann, Partner für Regulatory Advisory und Head of Digital Process Compliance bei KPMG. Er betont, dass gerade im Umgang mit sensiblen Finanz- und Personendaten ein klarer Rahmen für Datenschutz und KI-Governance unerlässlich ist.
3. Weitere Digitalisierungseffekte und -bereiche im Rechnungswesen
Auch neben KI treiben Unternehmen die allgemeine Digitalisierung ihres Rechnungswesens konsequent voran. Der Fokus liegt dabei auf der papierlosen Buchhaltung und der Standardisierung von Arbeitsabläufen: 26% der Unternehmen arbeiten bereits vollständig papierlos, weitere 46% zumindest in Teilbereichen. Ferner schreitet die Vereinheitlichung von Workflows voran – 13% haben sie abgeschlossen, 45% befinden sich in der Umsetzung.
Zugleich gewinnen neue Technologien zunehmend an Bedeutung: 28% der Befragten haben maschinelles Lernen fest in ihre Prozesse integriert – fast doppelt so viele wie 2023. Cloud-Systeme sind bei 59% im Einsatz, Robotic Process Automation (RPA) bei 32%.
- Seit 2017 wird im Rahmen der KPMG-Studie jährlich analysiert, wie es aktuell um die Digitalisierung im Rechnungswesen von Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz steht. Durch die regelmäßige Erscheinungsweise seit 2017 sind nicht nur kurzfristige Trends, sondern auch längerfristige, strukturelle Veränderungen und nachhaltige Entwicklungen zu identifizieren. So lassen sich wertvolle Impulse für die Unternehmenspraxis ableiten. Zum Download der Studie siehe hier.
- Die nun zum neunten Mal erschienene Studie „Digitalisierung im Rechnungswesen“ liefert mit dem Analyse-Schwerpunkt KI-Einsatz insbesondere Erkenntnisse zu Strategie, Planung und Gestaltung der technologischen Transformationsprozesse. Für insoweit bisher noch abwartend aufgestellte Unternehmen und Berater lassen sich dort wertvolle Impulse entnehmen.
- Zu den Anforderungen, die der KI-Einsatz für beratende Berufsgruppen mit sich bringt, sei verwiesen auf 10 Thesen, die der Arbeitskreis Digitalstrategie des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV) kürzlich entwickelt hat. Diese Thesen beschreiben, wie generative Künstliche Intelligenz (KI) das Berufsbild beeinflusst, welche Chancen und Risiken sich abzeichnen und welche Weichen jetzt gestellt werden müssen. Die auf Steuerberater fokussierten Thesen sind auch für fachlich anders aufgestellte Berater als Leitbild sehr geeignet (siehe BC-Newsletter vom 21.8.2025).
|
Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld
BC12/2025
BC20251225