CHB_RSW_Logo_mit_Welle_trans
JuS_Logobasis_Linsenreflex
Menü

Finanzierung der Transformationsaufgaben in KMU

Matthias Hauf

Alternative Finanzierungsformen in hybride Finanzierungsstrategien einbinden

 

In der aktuell besonders schwierigen Wirtschaftslage müssen viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle anpassen, Produktionsstrukturen modernisieren und umweltfreundliche Prozesse implementieren. Alternative Finanzierungsformen wie Sale-and-lease-back oder Asset-Based-Lending gewinnen an Bedeutung. Zusätzlich befasst sich dieser Artikel mit der Einbindung von Fördermitteln in die Finanzierung von KMU.


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die wirtschaftliche Transformation infolge von Digitalisierung, Nachhaltigkeitsanforderungen und globalen Strukturveränderungen stellt unzählige KMU aktuell vor erhebliche Investitionsherausforderungen. Zugleich sind die notwendigen Finanzmittel zur Umsetzung solcher Transformationsprozesse oft nur begrenzt verfügbar, sodass der Einsatz alternativer Finanzierungsformen, wie Sale-and-lease-back oder Asset-Based-Lending, in eine hybride Finanzierungsstrategie einzubinden ist. Werthaltige Assets werden als Sicherheit nutzbar gemacht und setzen somit Kapital frei. Zusätzlich befasst sich dieser Artikel mit der Einbindung von Fördermitteln in die Finanzierung von KMU.

 

 

Lösung

 

1. Sale-and-lease-back als Finanzierungsinstrument mit Liquiditätsfreisetzung

1.1 Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten

Sale-and-lease-back ist ein objektbasiertes Finanzierungsmodell, bei dem ein Unternehmen Vermögenswerte – etwa Maschinen, Anlagen oder Teile des Fuhrparks – an eine Finanzierungsgesellschaft verkauft und diese anschließend zurückleast. Das Unternehmen bleibt operativ im Besitz der Nutzungsrechte, während die Bilanzstruktur verbessert und sofortige Liquidität geschaffen wird. Zukünftig müssen jedoch Leasingraten bedient werden.

Der Verkauf führt zur Freisetzung gebundenen Kapitals, das unmittelbar für Investitionen genutzt werden kann: Sale-and-lease-back wird häufig genutzt, um Investitionsprojekte in der Digitalisierung oder Energieeffizienz zu finanzieren. Zusätzlich werden kurzfristige Liquiditätslücken überbrückt oder Restrukturierungsphasen begleitet.

 

 

Anwendungsempfehlung:

Das Instrument ist besonders für Unternehmen mit werthaltigen, fungiblen Sachanlagen geeignet. In der Praxis liegt das Finanzierungsvolumen typischerweise zwischen 400.000 € und 15 Mio. €.

 


1.2 Vorteile

Die Vorteile im Sale-and-lease-back liegen u.a. in der Bonitätsunabhängigkeit. Die Bewertung basiert primär auf dem Wiederverkaufswert der Assets, nicht auf der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Zusätzlich lässt sich das Verfahren schnell umsetzen. Die Transaktion kann i.d.R. innerhalb weniger Wochen realisiert werden, was die Eigenkapitalquote deutlich verbessert und die Bonität steigen lässt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man Sale-and-lease-back auch unabhängig von Banken gestalten kann. Häufig wird die Methodik von spezialisierten Finanzierungsanbietern durchgeführt und ermöglicht KMU somit, bankseitige Restriktionen zu umgehen.

 

 

1.3 Risiken und Grenzen

Sale-and-lease-back eignet sich nur für Vermögenswerte mit stabilen Marktwerten. Zudem muss das Leasingverhältnis langfristig tragfähig sein.

 

 

2. Der Asset-Based-Credit als dynamisches Finanzierungsinstrument

 

2.1 Begriff und Funktionsweise

Der Asset-Based-Credit – auch als Asset-Based-Lending bezeichnet (wörtlich: „auf Vermögensgegenstände gestütztes Leihen“) – stellt eine kreditbasierte, objektbezogene Finanzierungsform dar. Hierbei dienen Vermögenswerte, wie Maschinen, Immobilien, Lagerbestände oder Forderungen, als Sicherheiten für einen Spezialkredit. Die Kreditlinie orientiert sich an der Werthaltigkeit und Liquidierbarkeit dieser Assets.

Der Finanzierungsrahmen wird laufend an den aktuellen Wert der Sicherheiten angepasst. Die Kreditinstitute oder Spezialfinanzierer führen regelmäßige Bewertungen durch, um das Beleihungsausmaß dynamisch zu steuern. Die typische Bandbreite der Finanzierung liegt zwischen 400.000 € und 5 Mio. €.

 

 

Anwendungsempfehlung:

Asset-Based-Lending wird insbesondere genutzt

  • bei der Finanzierung von Wachstums- oder Innovationsprojekten,
  • bei Vorfinanzierungen von Aufträgen und Working-Capital-Bedarf,
  • bei der Überbrückung von Liquiditätsengpässen oder
  • bei der Restrukturierung und Unternehmenssanierung.

Diese Flexibilität macht Asset-Based-Lending zu einem wichtigen Bestandteil moderner Transformationsfinanzierung, insbesondere in volatilen (schwankungsanfälligen) Märkten.

 

 

2.2 Vor- und Nachteile

Die Vorteile liegen in der substanzorientierten Kreditvergabe. Die Finanzierung orientiert sich an vorhandenen Sicherheiten, nicht ausschließlich an Ertragskennzahlen. Zusätzlich handelt es sich um eine schnelle Liquiditätswirkung. Das Kapital kann zügig bereitgestellt werden, wenn die Assets bewertet sind. Die dynamische Anpassung an wechselnde Unternehmensgrößen und Sicherheitswerte bietet zusätzlich eine hohe Skalierbarkeit (Fähigkeit zur Größenveränderung, Erweiterbarkeit).

Nachteilig zu werten ist, dass die Abhängigkeit vom Sicherheitenwert in Krisenzeiten problematisch sein kann, wenn Marktpreise für Maschinen oder Vorräte sinken. Zudem erfordert das Asset-Based-Lending ein laufendes Monitoring (Überwachung) und zusätzlichen Aufwand bei der Bewertung.

 

 

3. Einbindung von Fördermitteln

Neben diesen objektbasierten Finanzierungen bieten staatliche Programme wertvolle Unterstützung. U.a. können durch KfW-Programme Investitionen in Energieeffizienz, Digitalisierung und Innovation mit zinsgünstigen Darlehen oder Bürgschaften gefördert werden. Weiterhin können über EU-Fördermittel Zuschüsse für Transformationsprojekte bereitgestellt werden. Das zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gewährt Zuschüsse für Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

 

 

Praxishinweise:

 
  • Die Kombination aus Sale-and-lease-back bzw. Asset-Based-Lending und Fördermitteln ermöglicht es KMU, Eigenkapital zu schonen und Investitionsrisiken abzufedern. Eine integrierte Finanzierungsstrategie, die private und öffentliche Mittel kombiniert, kann somit eine nachhaltige Transformationsfinanzierung gewährleisten.
  • Während Sale-and-lease-back unmittelbar Liquidität durch Kapitalfreisetzung generiert, ermöglicht das Asset-Based-Lending eine laufende Kreditversorgung basierend auf dem Vermögenswertbestand. Fördermittelprogramme können diese Finanzierungsmodelle gezielt ergänzen und das Risiko-Rendite-Profil für Unternehmen verbessern.
  • Langfristig werden hybride Finanzierungsstrategien, die Objektfinanzierungen, Förderinstrumente und ggf. Eigenkapitalanteile verbinden, entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands im Transformationsprozess zu sichern.

 

Matthias Hauf, Consultant Corporate Finance, PKF WMS GmbH, Osnabrück

 

 

BC 12/2025

BC20251214

 

 

Anzeigen

BC Newsletter

beck-online Bilanzrecht PLUS

Teilen

Menü