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Mut zum Scheitern: Insolvenz als Chance

Dr. Hans-Jürgen Hillmer

Appelle anlässlich des VID-Kongresses vom 6.11.2025

 

Zur Eröffnung des VID-Kongresses 2025 wurde am 6.11.2025 in Berlin die Rolle von Insolvenzen als ein notwendiger Teil des ökonomischen Wandels betont (VID – Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands). Sie schaffen Raum für Innovation, setzen Fachkräfte frei und ermöglichen den Aufstieg zukunftsfähiger Geschäftsmodelle. Was kurzfristig im Forderungsmanagement für Betrübnis aufgrund mancher Ausbuchung sorgt, ist langfristig ein Faktor der Überlebenssicherung auch auf Kunden- und Lieferantenseite, um Abhängigkeiten von dem Untergang geweihten Geschäftspartnern zu vermeiden.


 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Klimawandel, Digitalisierung, geopolitische Unsicherheiten und der internationale Wettbewerbsdruck zeigen an, dass ein „Weiter so“ keine Option ist. Im Rahmen des vom Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands e.V. (VID) am 6. und 7.11.2025 in Berlin ausgerichteten Deutschen Insolvenzverwalterkongresses wurde ausführlich begründet, warum Insolvenzen ein notwendiger Teil des ökonomischen Wandels sind. Sie schaffen Raum für Innovation und ermöglichen den Aufstieg zukunftsfähiger Geschäftsmodelle. Insolvenzen sind kein Makel, sondern begleiten den ökonomischen Umbruch und sind ein notwendiges Instrument für Erneuerung und wirtschaftliche Dynamik.

 

 

Lösung

In der Keynote von Prof. Marcel Fratzscher (Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW) wurde deutlich: Wer den Wandel gestaltet, statt ihn zu verhindern, sichert langfristig Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. In dieser Phase des ökonomischen Umbruchs sind Insolvenzen kein Zeichen von Schwäche, sondern ein notwendiges Instrument der Marktbereinigung und Erneuerung. „Jede Insolvenz ist zweifellos ein einschneidendes Ereignis für die betroffenen Unternehmen, ihre Beschäftigten und die jeweiligen Regionen. Doch im größeren wirtschaftlichen Kontext erfüllen Insolvenzen eine zentrale Funktion: Sie setzen wichtige Ressourcen wie Fachkräfte, Kapital und Know-how frei, die innovativen und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen zur Verfügung stehen müssen“, sagt Dr. Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Berufsverbands VID.

Seitens des Referenten Fratzscher wurden zwei Problemfelder besonders hervorgehoben:

Reformverzögerungen: Viele der heutigen Herausforderungen – von überbordender Bürokratie über mangelhafte Infrastruktur bis zu ungelösten Energiefragen – sind keine neuen Phänomene. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Reformverzögerungen. Die Frage ist nicht mehr, ob wir handeln, sondern wann und wie hoch die Kosten des Zögerns sein werden. Eine Transformation heute ist deutlich weniger schmerzhaft als eine erzwungene Krise in einigen Jahren.

Risikoaversion als Innovationsbremse: Ein weiteres zentrales Thema der Keynote war die zunehmende Risikoaversion (Risikoabneigung) in Gesellschaft und Wirtschaft. Der Rückgang von Unternehmensgründungen und die Probleme bei Unternehmensnachfolgen zeugen davon: Immer mehr Menschen suchen Sicherheit statt Selbstständigkeit. „Eine Volkswirtschaft, die auf Stabilität statt Dynamik setzt, verliert langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das Stigma [Brandmal] des unternehmerischen Scheiterns trägt maßgeblich zur Innovationsfeindlichkeit bei, gerade in Deutschland. Es ist dringend notwendig, eine neue Gründerkultur zu etablieren, die Fehler zulässt, Risiken honoriert und Mut belohnt“, so DIW-Präsident Fratzscher.

Fazit: Die Botschaft seines Vortrags ist klar: Die Transformation der Wirtschaft ist unvermeidlich. Jetzt liegt es an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen:

  • Reformen entschlossen angehen, nicht aufschieben.
  • Innovation ermöglichen, statt durch Regulierung zu blockieren,
  • Scheitern entstigmatisieren, statt Angst vor dem Risiko zu fördern,
  • Fachkräfte sichern und Qualifizierung vorantreiben.
  • Gründergeist fördern, durch Bürokratieabbau und kulturellen Wandel.

 

 

Praxishinweise:

  • Insolvenzen sind in diesem Prozess kein Zeichen des Scheiterns der Wirtschaft. Sie sind Teil ihrer Erneuerung. Die Herausforderung besteht darin, diese Dynamik nicht zu fürchten, sondern sie zu gestalten.
  • In der anschließenden Pressekonferenz wurde auf Nachfrage des Verfassers bekräftigt, dass angesichts der aktuell schwierigen Wirtschaftslage der häufige Fingerzeig auf vermeintlich politische Verantwortlichkeiten wenig zielführend ist. Vielmehr kommt es darauf an, den für Krisen ganz überwiegend ursächlichen Managementfehlern zu begegnen. Beispiele sind aus Kostengründen zu einseitige Rohstoffabhängigkeiten, insbesondere im Verhältnis zu China. Hier ist ein Mentalitätswandel im Management erforderlich: mehr Gesamtverantwortung statt einseitiges Profitdenken. Nötig sind grundsätzliche Überprüfungen der Anreizsysteme insbesondere in Großunternehmen, während in mittelständischen Familienunternehmen oft umfassender und langfristiger gedacht wird.

 

    Dr. Hans-Jürgen Hillmer, BuS-Netzwerk Betriebswirtschaft und Steuern, Coesfeld

     

     

    BC 12/2025

    BC20251210

     

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