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Drogenkonsum ist verstärkt eine Unfallursache

Die Gifte haben verhüllende oder Kosenamen wie "Bumble Bee" (Ecstasy), "Paper" (LSD) oder "Tüte" (Cannabis) und gelten in der Jugendszene als unverzichtbare
Fun-Zutaten.

Dumm oder feige, wer sie nicht nimmt. Zwar herrschen so genannte "weiche" Konsummuster vor, bei denen man sich auf Cannabisprodukte beschränkt, aber auch Designerdrogen (Ecstasy, Speed, Amphetamine) meist in Form hochgefährlicher, in der Wirkung unberechenbarer Cocktails aus mehreren dieser Drogen, sowie oft auch noch Alkohol finden verstärkt Zuspruch bei Jugendlichen. Ob pur oder als Mixtur: Durchweg bewirken diese Stoffe Euphorie mit zum Teil krasser Leistungsminderung bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung. Was schon auf der Tanzfläche hochgefährlich ist, kann auf der Straße tödlich sein. Denn kommen altersgruppentypische sonstige Risikofaktoren wie aggressiver Fahrstil bei mangelnder Fahrpraxis und freizeittypische Fahrbedingungen (vor allem Nachtfahrten nach Diskobesuch) hinzu, sind Unfälle programmiert. Und dazu besonders tragische: Schon "nur" durch Alkohol verursachte Unfälle fordern etwa doppelt so viele Todesopfer wie Unfälle, bei denen kein Alkohol im Spiel ist.

Regionale Initiativen für junge Alkohol- und Drogenfahrer

So verbreitet Alkohol- und Drogenkonsum unter jungen Fahrern (und immer öfter auch Fahrerinnen) sind, so gut ist vielen noch zu helfen, solange keine Abhängigkeit besteht. Bundesweit werden daher vom Gesetzgeber anerkannte Besondere Aufbauseminare wie NAFA (Nachschulung alkoholauffälliger Fahranfänger) oder BAS plus angeboten, die helfen sollen, künftige Alkoholfahrten zu vermeiden. Zusätzlich laufen in einigen Bundesländern regionale Hilfsprogramme für junge Alkohol- und Drogenfahrer. Einige Beispiele aus der Praxis:

Schwerpunktmäßig bei Alkoholauffälligkeit bewähren sich die Programme "avanti" und "REAL". Hier werden die Teilnehmer theoretisch und praktisch durch auf sie abgestimmte Unterlagen und Trainingseinheiten fürs "promillefreie Fahren" qualifiziert. Ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln sie sinnvolle, alltagstaugliche Strategien.

"SPEED" ("Sicherheit durch Prävention: Erfahrungen mit und Engagement gegen Drogen") wurde speziell für Kraftfahrer entwickelt, die mit so genannten "weichen" Drogen auffällig geworden sind. Die Gruppenberatungsmaßnahme unterstützt ebenso wie "DRUGS" ("Drogen und Gefahren im Straßenverkehr") den bereits eingeleiteten Drogenverzicht und setzt sich mit den Ursachen des eigenen Drogenkonsums auseinander.

Das Sicherheitsprogramm "Bewusster Fahren zahlt sich aus" soll vorbeugen und vor Gefahren schützen. Im Vordergrund steht hier das Trainieren der inneren Einstellung für ein "Fahren mit Köpfchen". Das Programm für defensives, gelassenes und sicherheitsbewusstes Fahren baut somit auch jugendtypische Ängste ab.

Wenn es sich jedoch um die Nutzung des Autos als Droge handelt, haben die TÜV Programme wie "PS" (Punktfreies und Sicheres Fahren) oder "Freeway" parat, um zu helfen.

(Quelle: TÜV Süddeutschland, Med.-Psych. Institut, München)


NZV 2/2001

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