www.beck.de
Sie waren hier: http://rsw.beck.de/main/Index/?site=NVwZ&toc=NVwZ.root&docid=395437

Anerkennung eines afghanischen Staatsangehörigen als Flüchtling

Der VGH Baden-Württemberg hat entschieden, dass einem afghanischen Staatsangehörigen die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird.


Zum Sachverhalt

Der Kläger war im Dezember 2015 nach Deutschland gekommen. Er stammt aus der zur Provinz Kabul benachbarten Provinz Laghman.

Entscheidung des VGH

Der 11. Senat des VGH hat das Urteil der ersten Instanz abgeändert und entschieden, dass dem Kläger die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird. Nach Auffassung des VGH hat der Kläger glaubhaft geschildert, dass er als Soldat in der afghanischen Nationalarmee gedient und bei einem Kampfeinsatz zahlreiche Verletzungen erlitten hat. Als er sich nach diversen ärztlichen Behandlungen – u. a. an seinem linken Arm, dessen Amputation in Rede stand – zur Rekonvaleszenz in sein Heimatdorf begeben habe, sei das Haus seiner Familie auf Grund seiner Tätigkeit in der Armee und der hieraus geschlossenen Nähe zur afghanischen Regierung durch regierungsfeindliche Kräfte angegriffen und zerstört worden.

Der Kläger, der auf Grund seiner Verletzung dauerhafte Beeinträchtigungen am linken Arm davongetragen habe und dem nach wie vor, jedenfalls in seiner Heimatregion, Verfolgung durch regierungsfeindliche Kräfte drohe, könne insbesondere nicht darauf verwiesen werden, vor weiteren entsprechenden An- und Übergriffen intern Schutz in der Hauptstadt Kabul zu erlangen. Von ihm sowie seiner Ehefrau und seinen zwei kleinen Kindern, die noch in Afghanistan lebten, könne angesichts ihrer persönlichen Situation unter Berücksichtigung der Sicherheits-, Arbeitsmarkt- und humanitären Lage in Kabul nicht vernünftigerweise erwartet werden, sich dort niederzulassen.

In einem Verfahren des zur Minderheit der Hazara zählenden Klägers, das ebenfalls am 13.10.2017 verhandelt worden sei, könne derzeit noch keine Entscheidung ergehen, da es weiterer Sachaufklärung bedürfe. Die Prozessbevollmächtigte des Klägers habe Gelegenheit erhalten, zum Gesundheitszustand des Klägers im Anschluss an eine anstehende Untersuchung ergänzende Unterlagen einreichen zu können.

VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 13.10.2017 – A 11 S 512/17


Pressemitteilung des VGH Baden-Württemberg v. 16.10.2017

Copyright © Verlag C. H. Beck 1995-2017
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages.