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Haffner, 3D im Urheberrecht

Marie Charlotte Haffner, 3D im Urheberrecht. Eine urheberrechtliche Analyse ausgewählter Verfahren zur Bilderzeugung und -bearbeitung, zur Objektvermessung und -replikation, Baden-Baden (Nomos) 2016, ISBN 978-3-8487-3250-0, € 84,-


MMR-Aktuell 2017, 385649     Größer können die Unterschiede nicht sein. Hatte ich gerade noch eine andere Dissertation als verunglückt besprochen, kommt mir als nächstes die Dissertation von Marie Charlotte Haffner auf den Schreibtisch. Lassen wir einmal den unglücklichen Untertitel beiseite. Die eigentliche Arbeit ist nämlich glänzend. Die Verfasserin versucht neue Formen der 3D-Nutzung auf den urheberrechtlichen Prüfstand zu stellen. Nach kurzen Überlegungen zur Frage, ob der Einsatz von Computern etwas am Werkbegriff ändere (S. 27 ff.), untersucht sie zunächst einmal den stereoskopischen Film und beschreibt sehr eingehend und klar die verschiedenen Einsatzformen und technischen Grundlagen einer solchen Filmherstellung (S. 33 ff.). Dann geht sie auf die Schutzfähigkeit solcher 3D-Filme, insbesondere nach Maßgabe des Laufbildschutzes, näher ein. Gut gesehen werden auch die vielfältigen Probleme der Miturheberschaft an solchen Filmen (S. 57 ff.). Neu ist hier vor allem die Rolle des Postproduktion-Stereographs, der Miturheber im Hinblick auf das Tiefenskript sein soll. Eher konventionell ist die Darstellung der betroffenen Verwertungsrechte, insbesondere in Abgrenzung zum Bearbeitungsrecht nach § 23 Satz 1 UrhG. Nicht viel Neues findet sich dann auch bei der Frage der vertraglichen Gestattung der 3D-Konventierung im Hinblick auf das Vorliegen einer unbekannten Nutzungsart (S. 88 ff.). Spannender wird die Arbeit wieder bei der Frage der Rechte an der nachträglich konvertierten 3D-Fassung im Hinblick auf das Produzentenrecht (S. 102, insbesondere 107 ff.) und dann vor allem bei der Frage der 3D-Konvertierung als Eingriff in das Urheberpersönlichkeitsrecht (S. 118 ff.). Schön werden hier verschiedene Falltypen der gröblichen Entstellung herausgearbeitet und begründet.

Für die Forschungslandschaft gänzlich neu sind die urheberrechtlichen Probleme des 5D-Kinos, bei dem 3D-Filme durch Zusatzeffekte ergänzt werden (etwa mit Hilfe beweglicher Kinositze, S. 156 ff.). Geprüft werden die Möglichkeiten eines eigenständigen Schutzes für die 5D-Vorführung und eines Schutzes für die Gesamtvorführungen als eigenständiger Schutz der Gesamtheit (S. 167 ff.).

Im nächsten großen Kapitel setzt sich die Verfasserin dann nach dem Film mit den stereoskopischen Fotografien auseinander (S. 179 ff.). Hier sieht sie sehr schön, dass durch die herabgesetzten Schutzanforderungen an Fotos durch den EuGH der Lichtbildschutz allmählich obsolet werden könnte. Ein Schutz für nachträglich umgewandelte 3D-Bilder will die Verfasserin regelmäßig ablehnen, da zu wenige individuelle Gestaltungsspielräume bestünden (S. 196 ff.). Ab S. 217 beginnt dann ein weiteres großes Kapitel zum 3D-Druck und 3D-Scan. Zunächst werden die technischen und organisatorischen Grundlagen dieser Verfahren geschildert, um dann wieder mit der Frage der Schutzfähigkeit von 3D-Modellen zu beginnen (Letzteres ab S. 224 ff.). Trotz der Entscheidung „Geburtstagzug“ will die Verfasserin eine Urheberrechtsfähigkeit von solchen 3D-Modellen dann verneinen, wenn die Gestaltung durch technische Funktionen oder praktische Regelbezogenheit keine Möglichkeit für freie kreative Entscheidungen zulässt. Daher fehle es originalgetreuen Abbildungen etwa von Menschen aus 3D-Druckern regelmäßig an Individualität. Geprüft wird dann noch die Frage, ob und inwieweit 3D-Modelle in bestehende Verwertungsrechte eingreifen (S. 247 ff.) und welche Besonderheiten noch in Bezug auf 3D-Drucke bestehen, insbesondere was die Reichweite von § 53 Abs. 1 UrhG und die Vergütungspflicht im Rahmen einer Geräteabgabe angeht (S. 269 ff. und S. 284 ff.). Um es klar zu sagen: Die Lektüre dieser Arbeit macht Freude. Es ist nicht alles innovativ, was Haffner schreibt. Sie schreibt aber sprachlich glänzend und versteht etwas von der Technik. Und in vielen Fällen betritt sie dann doch Neuland, da z.B. zu der Frage des 3D-Drucks im Urheberrecht wenig an Literatur existiert. Insofern insgesamt eine schöne Doktorarbeit, die die Lektüre tatsächlich wert ist.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.

 



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