AG Frankfurt a. M.

Keine Entschädigung bei verpasstem Flug aufgrund Zugverspätung


Flugreisende haben keinen Anspruch auf Ersatz von zusätzlichen Flugkosten oder einer Hotelübernachtung, wenn sie durch eine Zugverspätung zu spät zum Check-In ihres Fluges kommen.


Zum Sachverhalt

Im konkreten Fall ging es darum, dass die Kläger von Würzburg im Rahmen eines von ihrem Reiseveranstalter angebotenen kostenlosen Zugtickets (Rail & Fly) mit einem ICE von Würzburg nach Bonn fuhren. Dieser Zug war 103 Minuten verspätet, so dass die Kläger erst zu einem Zeitpunkt vor Abflug ihres Fluges nach Phuket/Thailand am Check-In Schalter des Flughafens Köln/Bonn ankamen, als das Einchecken bereits beendet war. Sie machten vor Gericht Mehrkosten für das Buchen eines Ersatzfluges am kommenden Tag sowie eine Hotelübernachtung geltend.

Entscheidung des AG

Das AG Frankfurt a. M. hat die Klage abgewiesen. Nach Auffassung des AG haben die Kläger wegen eines Mitverschuldens bei der Schadensverursachung keinerlei Ansprüche. Die Kläger hätten einen Zug wählen müssen, welcher zumindest nach regulärem Fahrplan drei Stunden vor Abflug des Fluges den Flughafen erreiche. Hierauf habe sie der Reiseveranstalter auch in seinen Schreiben hingewiesen. Indem sie diese Empfehlung ignorierten, hätten die Kläger den Schaden mitverursacht.

Andererseits haften Reiseveranstalter nach Auffassung des AG grundsätzlich auch im Falle einer Zugverspätung, weil der Service des Rail & Fly gemeinsam mit dem Flug als eine einheitliche Reiseleistung angesehen werden müsse. Daher wäre eine Haftung des Reiseveranstalters grundsätzlich denkbar gewesen, wenn die Kläger einen früheren Zug genommen hätten. Sie hätten mögliche Verspätungen im Bahnverkehr einkalkulieren müssen.

AG Frankfurt a. M., Urt. v. 20.2.2018


Pressemitteilung des AG Frankfurt a. M. v. 24.5.2018