Thomas Hoeren

Redeker, IT-Recht


Helmut Redeker, IT-Recht, München (C.H.BECK), 6. Aufl. 2017, ISBN 978-3-406-68727-3, € 79,-

MMR-Aktuell, 2017, 393120    Das Buch ist ein Standardwerk, wenn nicht sogar das Standardwerk zum IT-Recht – mit einer langen Tradition und einem genialischen Verfasser, der sowohl von IT wie von der Jurisprudenz über viele Jahrzehnte hinweg Wissen und Tiefe aufgebaut hat. Und so verdient dieses Werk nach drei Jahren wieder eine Neuauflage, wobei der Verfasser zu Recht feststellt, dass sich im klassischen IT-Recht, insbesondere in der Rechtsprechung, wenig getan hat. In den letzten Monaten hat sich mehr vor allem im Bereich des Datenschutzrechts entwickelt. Dennoch hat der Verfasser wieder akribisch die aktuellen Rechtsprechungsnischen ebenso profund bearbeitet wie die großen Trends in der Novellierung, insbesondere im Verbraucher- und Datenschutzrecht.

Im Übrigen fühle ich mich bei der Lektüre „des Redeker“ sehr stark an mein eigenes Skript IT-Recht erinnert. Ähnlich wie das Skript ist schon der Aufbau des Buches. Nach einem längeren Kapitel über den Schutz von Software folgen Hinweise zu den Standardverträgen im IT-Bereich. Bei den Standardverträgen beginnt der Verfasser mit der Softwareerstellung (S. 94 ff.) und vergleicht diese mit den Softwareüberlassungen (S. 165 ff.). Kurze Hinweise widmen sich der Frage der Vermietung und den Pflegeverträgen.

Die Schwächen des IT-Vertragsrechtsteils ähneln den Schwächen meines eigenen Texts. Zu kurz geraten sind die Hinweise zur agilen Programmierung, die derzeit als „Hauptrenner“ des EDV-Vertragsrechts gelten kann. Zu kurz ist ebenfalls der Hinweis auf Open Source-Software; die vielfältigen Dokumentationspflichten zur Feststellung von Open Source-Anteilen verdienten ebenso mehr Platz wie die Frage der Infizierung von eigener und Fremdsoftware. Gerne hätte man auch mehr gelesen zum Zusammenhang zwischen der Einräumung von Nutzungsrechten in Softwareverträgen und den urheberrechtlichen Fragen etwa rund um die Gebrauchtsoftware (Letzteres kurz behandelt auf S. 19 ff.). Unter Spezialfragen subsumiert der Verfasser die Rechenzentrumsverträge (S. 253 ff.), wobei er schon deutlicher auf die Cloud hätte abstellen dürfen. Jedenfalls kann er sich nicht der Meinung des BGH anschließen, der sich stark auf mietvertragliche Denkansätze zur Einordnung entsprechender Verträge eingelassen hat. Warum der Verfasser so ausführlich auf die Produkthaftung von Software eingeht, dürfte entsprechenden Darstellungen aus den Altauflagen geschuldet sein (S. 267 ff.). In seinem eigenen Metier ist Redeker bei der Darstellung der Rechtsprobleme des Internets und der Telekommunikation (S. 273 ff.). Schon seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich der Verfasser etwa mit der Übermittlung von Willenserklärungen im Internet (S. 277 ff.) und der Einordnung von TK-Dienstverträgen (S. 339 ff.). Kurz geraten sind die Überlegungen zu künftigen Änderungen durch die DS-GVO (S. 473 ff.), wobei der Verfasser hier sehr stark auf das entsprechende Buch von Härting abstellt.

„Der Redeker“ ist und bleibt ein Standardwerk zum IT-Recht, was auf jeden Fall die Anschaffung der Lektüre lohnt.

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.