Thomas Hoeren

Gaedertz/Martinek/Ory, Handbuch Mediaagenturen


Johann Christoph Gaedertz / Michael Martinek / Stephan Ory, Handbuch Mediaagenturen. Aufgabenfelder, Geschäftsmodelle, Vertrags- und Wettbewerbsrecht, München (C.H.BECK) 2016, ISBN 978-3-406-64466-5, € 139,-

MMR-Aktuell 2016, 377050     Mediaagenturen standen bislang noch nicht im Fokus der rechtswissenschaftlichen Forschung. Was Anzeigenvermittler und Medienmakler genau treiben, war bislang kaum bekannt und damit juristisch auch wenig durchdrungen. Dies ändert sich mit dem vorliegenden umfangreichen Handbuch. Auf knapp 500 Seiten hat ein breit gestreutes Team aus Vertretern der Mediaagenturen, Anwaltskanzleien und Vertretern der Wissenschaft ein Kompendium zum Recht der Mediaagenturen entwickelt. Zu Recht haben sich die Autoren dafür entschieden, zunächst einmal die breiten Tätigkeitsfelder und Geschäftsmodelle zu beschreiben, um dann medienspezifisch die Tätigkeit der Mediaagenturen etwa im Bereich der Online-Medien, des Rundfunkrechts und der Verlagsszene zu beschreiben. Das Buch endet mit Hinweisen zu Mediaagenturen im Verlagsrecht, im Kern verfasst von dem Altmeister des Vertriebsrechts Michael Martinek (S. 229 ff.). Hinzu kommen juristische Hinweise zu Mediaagenturen im Kartellrecht (S. 315 ff.), im Urheberrecht (S. 341 ff.), ergänzt um Ausblicke auf die rechtlichen Rahmenbedingungen von Mediaagenturen in ausgewählten EU-Staaten und den USA. So weit so gut. Ein bisschen enttäuscht bin ich trotzdem. Denn die juristischen Hinweise sind zum Teil problematisch. So bringt z.B. Stephan Ory in seinem urheberrechtlichen Kapitel letztendlich nur eine Übersicht über die allgemeinen Strukturen des Urheberrechts, des Rechts der Verwertungsgesellschaften und zum KUG. Die Bezüge zum Thema Mediaagenturen fehlen nahezu vollständig. Ähnliches gilt für das Kapitel zum Kartellrecht.

Noch rätselhafter ist, dass das eigentliche Tätigkeitsfeld, nämlich die Werbung, die Herausgeber nicht veranlasst hat, Ausführungen zum UWG aufzunehmen. So erfährt man nichts über die Rechtsfragen des Direktmarketing, weder nach UWG noch nach BDSG. Nur in Rdnr. 4/42 findet sich der lapidare Hinweis, dass es wichtige UWG-Bestimmungen gäbe, „gegen welche nicht zugesagt werden darf“. Was das bedeutet, bleibt rätselhaft. Nicht verwunderlich ist deshalb auch, dass zu den spannenden Diskussionen, die derzeit über „@Blog“ oder „Search Engine Optimizing“ entstanden sind, nichts zu finden ist. Stattdessen ist das Buch gespickt mit Übersichten, die aber selbst bei wohlwollender Betrachtung (auf Grund der Schriftgröße) niemand lesen kann (s. S. 52). Weiter rätselhaft bleibt, warum die Autoren Übersichten zu den Rechtsordnungen in anderen EU-Ländern in englischer Sprache erstellt haben, wobei der Bericht über Frankreich in französischer Sprache wiedergegeben wird (leider nicht mehr eine lingua franca). Zusammenfassend muss man konstatieren, dass die Verfasser einen neuen Wirtschaftszweig zum Gegenstand eines ersten Handbuchs gemacht haben, das auf jeden Fall eine zweite und hoffentlich dann stark erweiterte Neuauflage verdient.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.