Tobias Koch

Peter Hilgert/Rüdiger Greth, Urheberrechtsverletzungen im Internet


Peter Hilgert/Rüdiger Greth, Urheberrechtsverletzungen im Internet, München (C.H.BECK) 2014, ISBN 978-3-406-64058-2, € 49,-

MMR-Aktuell  2015, 368885       Die Verfasser widmen sich mit ihrer ca. 300 Seiten umfassenden Darstellung dem speziellen Themenkomplex der Urheberrechtsverletzungen im Internet. Während das Urheberrecht vor dem Zeitalter des Internet eher ein universitäres Schattendasein zwischen Mecki-Igeln (BGH, U. v. 1.4.1958 - I ZR 49/57) und Asterix-Persiflagen (BGH, U. v. 11.3.1993 - I ZR 264/91) führte, erlebt es durch die Copy & Paste-Mentalität im Internet eine wahre Renaissance und wird deshalb zu Recht auch als Magna Carta der Informationsgesellschaft bezeichnet (vgl. Heckmann, jurisPK-Internetrecht, 4. Aufl. 2014, Kap. 3.1 Rdnr. 1). Umso mehr verwundert es, dass eine am Internet ausgerichtete Darstellung in Lehrbuchform etwa 14 Jahre auf sich warten ließ. Dies haben auch die Verfasser erkannt. Mit der vorliegenden Gesamtdarstellung wollen sie diese Lücke schließen.

Das Buch ist dabei in 6 Teile mit 23 Kapiteln aufgeteilt. Während andere Lehrbücher zum Urheberrecht sich am klassischen Aufbau (Schutzfähiges Werk, Verwertungsrechte des Urhebers, Schrankenbestimmungen) orientieren, gliedern Hilgert/Greth ihr Werk nach Themenkomplexen wie die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke im Internet, Verweisung auf fremde Inhalte, Nutzung von YouTube & Co, Speicherung von eigenen und fremden Daten im Internet und die Haftung des Anschlussinhabers sowie Probleme bei der Durchsetzung und Abwehr von Urheberrechtsansprüchen. Was auf den ersten Blick als virtuos erscheinen mag, lässt durchaus eine durchdachte Systematik erkennen. Denn auf Grund der Vielschichtigkeit der internetrechtlichen Fragestellungen kann ein klassischer Aufbau bei Urheberrechtsverletzungen im Internet nicht kontinuierlich beibehalten werden.

Bei genauerer Durchsicht erschließt sich dem Leser eine detailreiche Darstellung der aktuellen Problemstellungen unter Einbeziehung der jeweiligen technischen Grundlagen. Hierbei versteht sich die Darstellung darauf, auch den sachfremden Leser an die Thematik verständlich heranzuführen, ohne ihn bereits zu Anfang mit Detailwissen zu überfrachten. Schon im zweiten Kapitel bietet sich dem Leser ein umfassender Leitfaden zur Nutzung von Fotografien, Texten u.a. im Internet. Die Frage der Schutzfähigkeit von veröffentlichten anwaltlichen Schriftsätzen im Internet (Rdnr. 164 ff.) sowie derer gerichtlicher Entscheidungen (Rdnr. 167 ff.) wird nicht zuletzt den erfahrenen Praktiker interessieren und unterstreicht einmal mehr die Einzigartigkeit des Werks. Leider berücksichtigt die Darstellung in diesem Zusammenhang allerdings nicht die äußerst praxisrelevante Frage, inwieweit Orientierungssätze zu Entscheidungen des BVerfG gemeinfrei sind oder Urheberrechtsschutz genießen (vgl. VGH Mannheim MMR 2014, 352 (Ls.); anhängig BVerwG, B. v. 29.1.2014 - 7 C 13.13; krit. hierzu Koch, jurisPR-ITR 16/2013 Anm. 4.).

Anhand exemplarischer Aufzählungen wie z.B. im Bereich der amtlichen Werke ist es auch dem unerfahrenen Urheberrechtler problemlos möglich, ein rasches Verständnis für die teils sehr diffizile Materie zu entwickeln (Rdnr. 180). Das Buch berücksichtigt zudem die aktuellen urheberrechtlichen Fragestellungen im Internet wie Embedded Content (Rdnr. 327 ff.), soziale Netzwerke wie Facebook, Pinterest, Instagram und Twitter (Rdnr. 349 ff.), Streaming (Rdnr. 391 ff.) und selbstverständlich den umfangreichen Komplex des Filesharings und der Störerhaftung (Rdnr. 600 ff.; Rdnr. 849 ff.). Die technischen Grundlagen werden dabei zu Beginn jedes Kapitels als „Exkurs“ vor den rechtlichen Erwägungen vor die Klammer gezogen, sind leicht verständlich und schaffen die Grundlage für die nachfolgende rechtliche Bewertung. Beachtlich ist auch die Darstellung der Haftung eines File-Hosting-Dienstes auf ca. 20 Seiten, wobei die Darstellung durch Screenshots und Schaubilder eindrucksvoll unterstützt wird (Rdnr. 701 ff.).

Abschließend soll noch positiv hervorgehoben werden, dass die Verfasser sich in ihrem Werk nicht auf eine objektive Darstellung des Problems beschränken, sondern dem Leser gleich an mehreren Stellen ihre eigene Auffassung in Form von „Praxis-Tipps“ mitteilen (vgl. Rdnr. 302, 431, 733, 913). Hierdurch entsteht eine widerspruchsfreie Darstellung bei der Bewertung urheberrechtlichen Contents im Internet, die sicherlich in Zukunft eine nicht zu vernachlässigende Stimme im Schrifttum einnehmen wird.

Im Ergebnis ist „Urheberrechtsverletzungen im Internet“ nicht nur ein sehr innovatives Handbuch mit hohem Praxisbezug, sondern darüber hinaus eine exklusive, instruktive und mit nur 308 Seiten eine kompakte Darstellung dieses schier unendlichen Problemkreises,  wie sie in keinem Lehrbuch zum Urheberrecht zurzeit vorzufinden ist. Das Werk kann daher jedem internetaffinen Urheberrechtler uneingeschränkt empfohlen werden.

 

Ass. jur. Tobias Koch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht von Prof. Dr. Heckmann, Passau.